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Bühnentechnik des Staatstheaters wird künftig per Knopfdruck bedient
OB Norbert Claussen: Öffentliche Hand setzt ein Zeichen / Dank an Zuschauer
Es gibt viele große Kulturnationen. Aber es gibt nur wenige Staaten, die für Kunst und Kultur so viel öffentliches Geld einsetzen wie Bund, Länder und Gemeinden in Deutschland. Und es gibt darüber hinaus zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die sich für das Theater engagieren. „Beides trifft für Schwerin zu“, sagt Oberbürgermeister Norbert Claussen. Dadurch könne sich das Mecklenburgische Staatstheater nach gut sechsmonatiger Renovierung mit neuer Technik und in neuem Glanz präsentieren.
Die Zuschauer erleben vom 5. November an die baulichen Veränderungen hautnah: So bietet das neue Gestühl mehr Beinfreiheit und sorgt für eine bessere Akustik im Großen Haus. Dieser Komfort forderte nur einen kleinen Tribut: Die Anzahl an roten Zuschauer-Sesseln reduzierte sich von einst 668 auf 588. Darüber hinaus erhielt der Saal endlich eine funktionstüchtige Zu- und Abluftanlage. Die im Dachgeschoss befindliche Technik leitet die vorgewärmte oder gekühlte Frischluft über Lüftungsschächte in den Wänden und im Fußboden in das Parkett und den Zuschauerraum.
Mit 2,1 Millionen Euro Baukosten schlagen diese Veränderungen sowie das Verlegen eines Eichenstab-Parketts auf den Rängen, das Renovieren der Zuschauer-Toiletten und die Installation einer Sicherheitsbeleuchtung zu Buche. Das Geld fließt aus dem 1996 abgeschlossenen Landeshauptstadtvertrag zwischen dem Land Mecklenburg–Vorpommern und der Landeshauptstadt Schwerin. „Seitdem erfolgt entsprechend der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel und mit jeweiliger Zustimmung der Stadtvertretung eine schrittweise Sanierung des Staatstheaters Schwerin“, so der Oberbürgermeister.
Gleiches trifft für den zweiten Teil des jetzt abgeschlossenen Projektes zu: den 3,7 Millionen Euro teuren Umbau der so genannten Bühnen-Obermaschinerie. Früher wurden Kulissen,, Beleuchtungstechnik etc. mit Hilfe von 56 Handzuganlagen bewegt. Künftig gibt es nur noch 18 Handzüge, dafür aber 38 Maschinenzüge mit Elektromotor-Antrieb, die über ein mobiles Steuerpult in Gang gesetzt werden. „Die bisherige Technik, datiert aus dem Jahr 1928, entsprach nicht mehr den Sicherheitsstandards“, ergänzt Kerstin Schmidt, Geschäftsführerin des Zentrales Gebäudemanagements (ZGM). Der städtische Eigenbetrieb bereitete den gesamten Umbau vor und koordinierte diesen. Die neue Technik umfasst alle im Bühnenturm angeordneten Einrichtungen zum Aufhängen von Dekorationen über Vorhänge bis hin zu Scheinwerfern. Künftig könnten so Bühnenbilder schneller wechseln und seien ebenso komplexer gestaltbar, heißt es vom Staatstheater.
Dass als drittes Teilprojekt schön verzierte Säulen und die ursprüngliche Decke im Parkettfoyer freigelegt werden konnten, der Raum sich jetzt indirekt beleuchtet und mit einer Stuckkante verziert präsentiert, sei „vor allem dem treuen Publikum unseres Hauses zu verdanken“, so Generalintendant Joachim Kümmritz. Denn bezahlt wird diese 450 000 Euro teure Renovierung größtenteils aus dem Theater-Euro-Fonds. Den füllten die zahlreichen Zuschauer in den vergangenen Jahren durch den Kauf einer Eintrittskarte sowie das Ersteigern des alten Theatergestühls. Oberbürgermeister Norbert Claussen dankte „dem Theater für diese Idee und allen Bürgern für ihr Zutun“. Das Geld, zu dem noch Spenden der Theaterfreunde Schwerin, der Bürgerstiftung sowie Zuschüsse der Landesdenkmalpflege kamen, sei gut angelegt. In diesem Zusammenhang lobte der Oberbürgermeister die Arbeit des ZGM, der beteiligten elf Architekten- und Planungsbüros und der aus insgesamt 27 Firmen stammenden Installateure und Bauleute.
Die enormen Investitionen in die moderne kulturelle Infrastruktur, mit der die öffentliche Hand ein Zeichen setze, muss durch „die Theaterkünstler und das Publikum gleichermaßen lebendig ausgestaltet werden. Mit der Theaterlust der Schweriner und auswärtiger Besucher sowie einem vielfältigen, innovativen Programm in allen Sparten des Mecklenburgischen Staatstheaters wird das gelingen“, sagt Norbert Claussen. Zugleich glaubt er, dass gerade in der heutigen Zeit der Bedarf an Kunst und Kultur aus vielerlei Gründen wächst. „Das hat zum Beispiel etwas mit dem Orientierungsbedürfnis von Menschen in einer immer komplizierteren, sich immer schneller verändernden Welt zu tun. Deswegen wächst auch das Interesse an Theateraufführungen, an Konzerten und an Museumsbesuchen.“ Schwerin als „Kulturhauptstadt im Norden“ biete dafür ein ausgezeichnetes und breites Angebot - trotz angespannter Haushaltslage. So mache der Kulturetat fast zehn Prozent des Gesamthaushaltes der Landeshauptstadt aus.
Erschienen am 03.11.2006
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