DIE VERWANDLUNG

© Silke Winkler © © Silke Winkler


"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt." Diese ersten Worte der 1915 erschienenen Erzählung von Franz Kafka sind ungeheuer. Sie irritieren den Leser um so stärker, als über den Vorgang selber weiterhin nichts berichtet wird. - Was der junge Handlungsreisende Samsa nach jener Nacht nur ungläubig zur Kenntnis nimmt, wird schnell zur quälenden Gewissheit und körperlichen Realität. Er, der unter seinem Beruf und der Lieblosigkeit seiner Umwelt leidet, kann nun als riesiges Insekt weder zur Arbeit gehen, noch macht es in seinem Zustand Sinn, sich der Familie und dem Prokuristen zu zeigen, der eine Erklärung für Gregors Fernbleiben vom Dienst verlangt. Die Tür bleibt zu. Gregor entschuldigt sich. Die angewiderte Familie behält ihn zu Hause. Er vertiert immer mehr. Aber: Wird Gregor tatsächlich ein Insekt? Oder führt schon die Bedrohung der finanziellen und emotionalen Basis der Familie Samsa zu hartnäckiger Einbildung? Die Selbstwahrnehmung Gregors ist die eines völlig Überflüssigen. Er siecht dahin und sein Tod wird zur Erlösung. "Sie besprachen, bequem auf ihren Sitzen zurückgelehnt, die Aussichten für die Zukunft, und es fand sich, dass diese bei näherer Betrachtung durchaus nicht schlecht waren…"


Kafkas radikaler Text von 1912 wurde zu einem der bedeutendsten literarischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts und nichts weniger als die unerhörte Verwandlung des Gregor Samsa steht für den Hilfeschrei des Menschen der Moderne, dessen Umwelt Schwachheit mit Vernichtung bestraft.


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Mecklenburgisches Staatstheater

Alter Garten 2
19055 Schwerin
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