Seniorenbeirat gibt Jahresbericht 2017

Seniorenbeirat gibt Jahresbericht 2017

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Bericht des Vorsitzenden des Schweriner Seniorenbeirats Siegfried Schwinn zu TOP 9 „Berichterstattung des Seniorenbeirates der Landeshauptstadt Schwerin“ der 32. Sitzung der Schweriner Stadtvertretung am 29.01.2018

Sehr geehrter Stadtpräsident Nolte,
Sehr geehrter Oberbürgermeister Dr. Badenschier,
Sehr geehrte Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter,


Man tut gut daran, sich früh auf den Lebensabschnitt „Alter“ vorzubereiten und den Seniorenbeirat für Aktivitäten und Kontakte zu entdecken. Zuerst meinen Dank, dass ich heute vor ihnen meinen Bericht zur Tätigkeit des Seniorenbeirates, wie es die Hauptsatzung vorsieht, abgeben darf. Der Seniorenbeirat ist der Interessenvertreter älterer Menschen in unserer Stadt. Doch was wird aus dem Wunsch, sich aktiv in unserer Stadt einzubringen, wenn es an Angeboten mangelt und die Versorgungssituation nicht ausreichend ist? Hier setzt für den Seniorenbeirat die Arbeit ein, die wir für Senioren unserer Stadt leisten sollen und leisten wollen. Die neuesten Zahlen aus der vergangenen Woche lauten: 48 % aller Einwohner sind 50 Jahre und älter. Und davon sind 33% der Einwohner 60 Jahre und älter. Das sind doch Zahlen, die uns allen zu Denken geben. Schwerin wird immer älter.

Vorweg: In Schwerin wird die Seniorenarbeit als Querschnittsaufgabe gesehen. Von der Verwaltung mit dem Oberbürgermeister an der Spitze, von Politik und von ihnen allen, meine Damen und Herren Stadtvertreter. Kurz und gut: Seniorenpolitik betrifft alle Ressourcen, es ist einfach eine Querschnittsaufgabe. Aber: Die Stadt hat kein seniorenpolitisches Handlungskonzept. Darauf warten wir schon 20 Jahre. Derzeit finden die Seniorinnen und Senioren in unserer Stadt viel zu wenig Beachtung – es findet keine Seniorenpolitik statt. Das Gefühl hat nicht nur der Seniorenbeirat. Seniorenpolitik sollte vom Land gesteuert werden. Was ist notwendig und was ist möglich? Grundlage für alle Tätigkeiten sind die Beschlüsse der Enquetekommission „Älter werden in Mecklenburg/ Vorpommern“.

Der Stadt kommt bei der Versorgung älterer Menschen eine besondere Rolle zu, um Verbesserungen in verschiedenen Lebensbereichen für Senioren zu erreichen. Alter ist in Schwerin gesellschaftsfähig geworden. Der gesamte Beirat tagt mindestens viermal im Jahr. Dazu laden wir uns in der Regel Referenten ein. Wir sind 21 Mitglieder. Sprechstunden haben wir 2017 im Stadthaus 17mal durchgeführt. Das Interesse daran ist unterschiedlich groß, aber die Sorgen und Probleme älterer Bürger – das ist bürgerschaftliches Engagement. Themen waren schlechte Gehwege, zu wenig Sitzgelegenheiten, fehlende Toiletten, zu dunkle Straßen, was Angst hervorruft. Diese Probleme wurden angesprochen. Einen breiten Raum nahm das bezahlbare Wohnen in unserer Stadt ein, dass Wohnumfeld, Verbraucherschutz und alters Diskriminierung. Mit steigendem Alter werden die eigene Wohnung, der bezahlbare Wohnraum immer wichtiger. Die Schere zwischen arm und reich geht auch in unserer Stadt weiter auseinander und wirklich sehr viele Senioren haben Angst vor dem sozialen Abstieg, wenn sie in ein Heim umziehen müssen. Die Preise sind für einen „normalen“ Rentner nicht mehr bezahlbar.

Zu persönlichen Gratulationen waren wir 42mal in der Stadt unterwegs. Wir sind in 4 Ausschüssen vertreten und in einigen Ortsbeiräten - leider nicht in allen. Wir waren aktiv an der Erstellung der Dokumente zum 10. Altenparlament eingebunden. Überall ist der Rentnerbonus weggefallen. Das heißt weniger bemittelte Rentner können nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen – obwohl unser Grundgesetz etwas anderes dazu aussagt. Zoo, Theater, der Theatertag, Museum, Straßenbahn – hat die Stadt hat einfach kein Herz für Rentner?

Meine Damen und Herren: Ich appelliere an dieser Stelle an die Verantwortlichen, den Wegfall des Rentnerbonus im Zoo zu überdenken. Die Teilnahme der Rentner am öffentlichen Leben sollte für alle möglich sein.

Es geht doch darum, die verschiedenen Phasen des Alters sinnvoll zu begleiten – und wirklich schön wäre es, entsprechende Rentnerangebote zu erarbeiten. Dafür wäre ein „Beauftragter für Alten- und Seniorenpolitik“ eine Querschnitts-aufgabe. Der demografische Wandel ist in Schwerin längst angekommen, da bereits jeder 3. Einwohner älter als 60 Jahre ist. Eine „Seniorenfachstelle“ für kommunale Alten- und Seniorenpolitik ist das, was wir uns als Seniorenbeirat vorstellen und wünschen. Der demografische Wandel hat Auswirkungen auf nahezu alle Lebensbereiche und viele Handlungsfelder. Der Wandel wird die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten Jahren beeinflussen. Aber bei den sozial Schwachen wachsen die Bäume nun mal nicht in den Himmel.
Die Arbeitsgemeinschaft „Altenarbeit“ in der wir uns aktiv einbringen, hat auf allen bisher durchgeführten Seniorentagen in Positionspapieren und Statements immer wieder die Forderung nach Konzepten aufgestellt. Schon 2010 haben wir uns am Bundesprogramm „Aktiv im Alter“ beteiligt. Alles ohne Resonanz!

Ich werde oft gefragt, was denn nun so ein seniorenpolitisches Konzept beinhaltet. Voraussetzung für ein Gesamtkonzept ist der Blick auf die Vielschichtigkeit des Alters unter der Berücksichtigung der differenzierten Lebenslagen. Dabei ist gerade die ältere Generation als ein Gewinn für unsere Stadt zu sehen und einzubeziehen, da wir Älteren für die Jüngeren einen reichen Erfahrungsschatz und das Wissen über Zeiträume hinweg zur Verfügung stellen. Wir sind kein altes Eisen meine Damen und Herren – nein wir sind alte Hasen.

Grundsätzliche Überlegungen der Kommune sollte ein neues Verhältnis zur Daseinsvorsorge sein. In den Blick zu nehmen gilt: die gesundheitliche Versorgung, die Pflege, das Wohnen, die Bildung, Engagements Förderung, Mobilität und Kultur und Freizeit. Diese Aufzählung ist keinesfalls vollständig. Damit will ich nur Denkanstöße geben.
Altersarmut - ja die gibt es auch in Schwerin, darf niemals zur Normalität werden. Es geht nicht um Elend und oder gar ums Verhungern. Nein es geht um Entbehrungen, Ausgrenzungen und Benachteiligungen im Verhältnis zum durchschnittlichen gesellschaftlichen Lebensstandard. Soziale Prävention, der Abbau von Altersarmut, der bezahlbare Wohnraum und die Förderung von Lebensperspektiven tauchen in Diskussionen viel zu wenig auf. Eine ständige Bürobesetzung für den Beirat ist immer noch unser Wunsch. Wir werden von Herrn Nemitz und seiner Mitarbeiterin toll unterstützt, bei der Bewältigung unserer Aufgaben. Dafür sage ich an dieser Stelle DANKE. Wir haben als Seniorenbeirat auch keine fertigen Konzepte, aber Ideen, die wir einbringen möchten. Wir haben Anregungen, wo wir gefragt werden möchten. Einen Fragebogen, wie wir im Alter leben möchten, haben wir schon einmal erstellt. Andere Städte machen es uns vor. Das Internet ist voll davon. Es gibt auch Antworten und Lösungen zu vielen Fragen des Älterwerdens. Und das sind immer wieder die Ergebnisse der Enquetekommission „Älter werden in M-V“. Auch wenn nicht jeder von Ihnen davon überzeugt ist. Darüber hinaus will die Landesregierung die Entwicklung seniorenpolitischer Konzepte unterstützen. Wir sind gespannt. Werden Leute mit weniger Geld, weniger gehört?

Ein gutes Beispiel ist das Schweriner Spendenparlament, in dem der Seniorenbeirat mitarbeitet. Unter Schirmherrschaft des Stadtpräsidenten wird ganz unbürokratisch Hilfe und Unterstützung den älteren Bürgern unserer Stadt zu teil, die sich ehrenamtlich in vielfältigster Weise einbringen, denn die gesellschaftlichen Herausforderungen machen das Ehrenamt unverzichtbar. Wir haben guten Kontakt zum Pflegestützpunkt, der eine gefragte Anlaufstelle ist. Viele Ratsuchende haben wir schon zum Pflegestützpunkt begleitet. Je älter die Menschen werden, desto kleiner wird ihr Aktionsradius, desto mehr wird ihr Stadtteil in dem sie wohnen, zum Lebensmittelpunkt. Und das ist von ganz besonderer Bedeutung. Die

Wohnung der Älteren ist ihr „Zuhause“. Im Umfeld der Wohnung sind sie unterwegs, hier versorgen sie sich mit Gütern ihres täglichen Bedarfes, nehmen Dienstleistungen in Anspruch und verbringen ihre Freizeit. Ältere Menschen engagi-ren sich vor Ort in Begegnungsstätten für das Gemeinwohl und verwirklichen Sorge und Mitverantwortung. Es müsste viel mehr Begegnungsstätten in unserer Stadt geben. Unsere finanziellen Mittel haben wir 2017 nicht ausgeschöpft. Tagungsräume wurden uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Darüber freuen wir uns. Mit unserem Oberbürgermeister hatten und haben wir guten Kontakt und die Möglichkeit, jederzeit Belange aus dem Seniorenbeirat zu erörtern.

Seniorensicherheit und Landesseniorenbeirat sind Bereiche, wo wir als Seniorenbeirat tätig sind. Sorgen machen wir uns um den Wohnungsmarkt. Ein guter Bestand, aber viel zu wenig Angebote für Ältere und sozial Schwache. Es fehlen kleine Wohnungen für alleinstehende Rentner. Laut Wohnungsmarktprognose stehen für 2030 für je 100 Bürger ab 75 Jahre nur 11 altengerechte Wohnungen zur Verfügung. Ist unsere Stadt da vorbereitet? Der Ausbau von altengerechten, bezahlbaren Wohnraum ist ein absoluter Schwerpunkt – und nicht der Neubau von großen teuren Wohnungen. Der Seniorenbeirat begrüßt es außerordentlich, dass sie, sehr geehrte Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter, sich mit diesem Thema befassen und nicht verschließen Auch sie werden älter meine Damen und Herren. Gehen sie mit uns gemeinsam den Weg, um in unserer Stadt spürbar für Ältere etwas zu bewegen. Sie sind auf einem guten Weg und das freut uns Senioren. Gefreut hätten wir uns, wenn unsere Stadt auch am Wettbewerb „seniorenfreundliche Kommune“ teilgenommen hätte. Aber den Wettbewerb gibt es ja alle zwei Jahre.

Unser Dank geht an alle Fraktionen und an Mitarbeiter der Verwaltung, die uns ohne Ausnahme im vergangenen Jahr unterstützt haben. Vielen Dank für offenes Ohr und ihre Bereitschaft und Unterstützung bei der Bewältigung unserer Arbeit. Eine Vertreterin aus ihrer Mitte hat einmal gesagt „gäbe es den Seniorenbeirat nicht, man müsste ihn erfinden“. Stärker als bisher sollten die vielschichtigen Erfahrungen und Fähigkeiten der Älteren sowie ihre Verlässlichkeit als Partner genutzt werden. Die Seniorenbeiräte sind wichtige Gremien der Beteiligung älterer Menschen an ihrer Lebensgestaltung.
Danke für ihre Geduld, Aufmerksamkeit die Bereitschaft, mir zuzuhören.
Danke, dass ich vor ihnen reden durfte!

 

Siegfried Schwinn

Vorsitzender des Seniorenbeirats

der Landeshauptstadt Schwerin

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