Pestizidfreie Kommune

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Pestizide?

Der Begriff Pestizide umfasst alle Substanzen und Substanzmischungen, die eingesetzt werden, um schädliche oder unerwünschte Organismen zu unterdrücken oder zu zerstören. Dazu zählen unter anderem auch der Einsatz von Kupfer zur Pilzbekämpfung in der ökologischen Landwirtschaft, oder die Biozid-Behandlung von Holzprodukten. Im Rahmen der pestizidfreien Kommune fallen unter den Begriff Pestizide jedoch nur die chemisch-synthetischen Herbizide (gegen Pflanzen), Fungizide (gegen Pilze) und Insektizide (gegen Insekten).

Problematisch an Pestiziden ist dabei nicht nur, dass mitunter nicht nur die Zielarten (bestimmte Pflanzen, Pilze, oder Insekten) vergiftet werden, sondern dass sich Pestizidrückstände teils auch in Lebensmitteln und im Trinkwasser wiederfinden. Daneben führt insbesondere der Einsatz von Herbiziden zu einem Rückgang von Nahrungsgrundlagen und Schutzräumen für zahlreiche Tiere, beispielsweise für Bienen und andere Bestäuber.

Es gibt also genügend Gründe, den Einsatz von Pestiziden auf ein Minimum zu reduzieren, beziehungsweise wo immer möglich, vollständig darauf zu verzichten.

Der Weg zur pestizidfreien Kommune

Umsetzung in 2019

Landwirtschaftliche Pachtflächen

Der Abstimmungsprozess zu freiwilligen Vereinbarungen mit den landwirtschaftlichen und anderen Pächtern wird in 2019 fortgeführt. Bestehende Verträge mit Pächtern, welche noch chemisch-synthetische Pestizide einsetzen, werden durch das Zentrale Gebäudemanagement (ZGM) nicht verlängert. In den darauf folgenden Pachtverträgen wird durch das ZGM ausnahmslos eine pestizidfreie Bewirtschaftung, mindestens nach EG-Öko-Verordnung, festgeschrieben.

Im Rahmen einer Kompensationsmaßnahme für das Baugebiet Wickendorf-West wird eine 75 ha große bis 2020 intensiv genutzte, kommunale Ackerfläche in Groß Medewege (alter Pachtvertrag bis 2027) bereits ab 2021 als Ökolandbaufläche ohne Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide bewirtschaftet.

Straßenbahntrassen der NVS

Die geplante Umstellung auf eine pestizidfreie Unterhaltung der Schottertrassen konnte aufgrund technischer Probleme noch nicht erfolgen. Daher musste die Nahverkehr Schwerin GmbH (NVS) für 2019 ihre Ausnahmegenehmigung durch das LALLF noch einmal verlängern lassen (siehe "Umsetzung in 2018" - "Bereits bestehendes Pestizidverbot..."). Die Unterhaltung der Trassen wird ab 2020 pestizidfrei erfolgen.

Kleingartenvereine

Zwischen dem "Kreisverband der Gartenfreunde Schwerin e.V." und dem ZGM wurde der bestehende Generalpachtvertrag dahingehend angepasst, dass der Einsatz von chemisch-synthetischen Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden ausgeschlossen ist. Angesichts der großen Anzahl einzelner Flächenbewirtschafter und der Tatsache, dass nicht alle Gartenanlagen auf städtischem Pachtland liegen, ist für 2019 zusätzlich eine Informationskampagne durch die Fachgruppe Immissionsschutz und Umweltplanung vorgesehen. Dabei können sich interessierte Kleingärtner kostenlos vor Ort von Experten im pestizidfreien und bienenfördernden Gärtnern beraten lassen.

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Umsetzung in 2018

Präsentation in der Öffentlichkeit

Seit den Beschlüssen der Stadtvertretung ist die Landeshauptstadt Schwerin als eine von vier pestizidfreien Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern (ca. 250 in ganz Deutschland) auf den Seiten des BUND gelistet. Daneben wird auf www.schwerin.de/pestizidfrei (diese Seite) über die Hintergründe und die Fortschritte auf dem Weg zur pestizidfreien Kommune informiert.

Öffentliche Plätze, Parks und Friedhöfe

Auf den von den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) bewirtschafteten Flächen, darunter fallen öffentliche Plätze, Parks, Friedhöfe, etc., werden seit etlichen Jahren keine Pestizide mehr eingesetzt. Ebenso werden im PEFC-zertifizierten Stadtwald weder Glyphosate noch andere Pestizide verwendet.

Landwirtschaftliche Pachtflächen

Der Ausstieg aus chemisch-synthetischen Pestiziden auf landwirtschaftlichen Pachtflächen der Landeshauptstadt kann aufgrund bestehender Pachtverträge nicht sofort umgesetzt werden. Im Rahmen der laufenden Verträge und über teils freiwillige Vereinbarungen soll der Pestizideinsatz, auf noch nicht ökologisch bewirtschafteten Flächen, stufenweise reduziert werden. Erste Gespräche dazu wurden bereits mit den größten Pächtern geführt.

Straßenbahntrassen der NVS

Der Einsatz von Pestiziden zur Unterhaltung von Straßenbahntrassen kann nicht sofort eingestellt werden. Zum einen bedarf die Umstellung auf alternative Lösungen, z.B. thermische Behandlung oder Umwandlung in Rasenflur, einer gewissen Vorlaufzeit, um die notwendigen Investitionen zu tätigen. Die Nahverkehr Schwerin GmbH (NVS) arbeitet jedoch bereits an alternativen Lösungen, welche ab 2019 den teilweisen oder gar vollständigen Verzicht auf Pestizide erlauben soll.

Bereits bestehendes Pestizidverbot für Flächen außerhalb von Landwirtschaft und Gärten

Der Pestizideinsatz auf nicht-landwirtschaftlichen bzw. nicht-gärtnerischen Flächen war schon vor den Beschlüssen der Stadtverteretung und ist auch weiterhin generell verboten. Hier spielt auch die Art des Mittels keine Rolle. Bei jedem ungenehmigten Einsatz drohen Bußgelder. Nur das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) - Dezernat Regionaldienst Schwerin, welches auch für die Ahndung von ungenehmigten Einsätzen im Stadtgebiet zuständig ist, kann hier Ausnahmen erteilen. Generell werden Ausnahmen jedoch nur erteilt, wenn Sicherheitsaspekte, wie z.B. bei Umspannwerken oder in Seuchenfällen eine Rolle spielen. Daneben wurde jedoch auch der NVS für die Pflege ihrer Schottergleisbette der Pestizideinsatz genehmigt, da hier lange Zeit keine Alternativen zur Verfügung standen. Ausgenommen von der Regulierung durch das LALLF ist die Deutsche Bahn, welche eigenständig über den Pestizideinsatz auf ihren Gleisbetten entscheiden darf.

Beschlüsse der Stadtvertretung

Am 12.03.2018 wurden einstimmig gleich drei Beschlüsse gefasst, welche den Einsatz von Pestiziden in der Landeshauptstadt maßgeblich beschränken. Die ersten zwei Beschlüsse 01328/2018 und 01329/2018 betreffen dabei nur das Ende glyphosathaltiger Pestizide auf städtischen Flächen. Der dritte Beschluss 01331/2018 "Pestizidfreie Kommune" bezieht sich dagegen auch auf weitere Pestizide. Es wurde beschlossen:

  1. Die Landeshauptstadt Schwerin ändert ihre Vorschriften bis zum Ende 2018 in der Weise, dass auf städtischen Flächen der Einsatz von chemisch-synthetischen Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden ausgeschlossen ist.
  2. Die Landeshauptstadt Schwerin präsentiert sich in der Öffentlichkeit über geeignete Maßnahmen als „Pestizidfreie Kommune“ und folgt damit dem Beispiel von mehr als 100 Kommunen in Deutschland.
  3. Die Landeshauptstadt Schwerin informiert die Bürgerinnen und Bürger der Stadt in verstärktem Maße über die Bedeutung von Biodiversität in der Stadt und zeigt gleichzeitig Möglichkeiten zum Schutz von Bestäubern wie Bienen und Wildbienen sowie giftfreie Maßnahmen beim Gärtnern und bei der Pflege von unversiegelten und versiegelten Flächen auf.

Pestizidstudie "Baumrinde 2018"

Studienresultate für Schwerin

Die Landeshauptstadt Schwerin liegt sowohl nach Anzahl (16 Pestizide) als auch Höhe der Pestizidbelastung im Mittelfeld aller untersuchten Standorte in der BRD, wobei die meisten, was anzumerken ist, ländlich sind. Unter den Städten (Münster, Bremen, München) weist Schwerin eine höhere Belastung auf. Die detaillierten Ergebnisse für Schwerin und einen Probenstandort nördlich der Stadt, sind in der unten verlinkten Auswertung einsehbar. Auf die Frage, welche gesundheitlichen oder ökologischen Folgen sich aus der Pestizidbelastung ergeben, gehen weder die bundesweite Studie, noch die Detailauswertung ein.

In Bezug auf das Herbizid Glyphosat liegt die Belastung in Schwerin im bundesweiten Vergleich niedrig. Andererseits konnte an dem ländlicheren Standort nördlich der Landeshauptstadt überhaupt kein Glyphosat nachgewiesen werden. Da dieser Wirkstoff auch in freiverkäuflichen Mitteln für den Hausgebrauch vorkommt, kann zumindest ein Teil der städtischen Belastung auch aus Anwendungen außerhalb der Landwirtschaft stammen. In Frage kämen hier sowohl zugelassene Anwendungen auf Schottertrassen von Bahn und Straßenbahn, als auch illegale Einsätze bei der Freihaltung von privaten Flächen (siehe oben "Der Weg zur pestizidfreien Kommune - Umsetzung in 2018").

Wie die Studienresultate für ganz Deutschland zeigen, werden von den landwirtschaftlichen Äckern immer noch Pestizide verweht, welche seit vielen Jahren nicht mehr eingesetzt werden. Auch für Schwerin heißt das, diese Problematik wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Dennoch wurde mit den 2018er Beschlüssen zur Pestizidfreien Kommune Schwerin, ein wichtiger, erster Schritt getan.

Resultate Schwerin und Umland
Studienresultate für Deutschland

Die vielfältigen Ergebnisse der Studie werden von den Autoren wie folgt zusammengefasst: "Insgesamt wurden mehr als 100 Pestizid-Wirkstoffe in der Luftbelastung nachgewiesen. Davon wurden über ein Dutzend als Hauptproblemstoffe identifiziert, die sich weiträumig über die Luft verbreiten und damit sowohl die Umwelt, Verbraucher als auch die Koexistenz von Bioanbau mit konventionellem Anbau belasten."

Ein bedeutendes Einzelergebnis ist der Nachweis, dass auch Glyphosat auf dem Luftweg (durch Staubverwehung) verbreitet wird. Dies wurde in bisherigen Zulassungsverfahren immer ausgeschlossen und begründet die Forderung der Studienautoren nach einer zügigen Revision der Zulassungspraxis.

Interessant ist allerdings auch, dass schon lange verbotene und nicht mehr eingesetzte Pestizide wie DDT und Lindan immer noch von den Äckern verweht werden. Allein im Hinblick auf solche langfristigen Auswirkungen, sollte auch der Einsatz aktuell zugelassener chemisch-synthetischer Pestizide immer kritisch betrachtet werden. Mehr Informationen zu weiteren spezifischen Ergebnissen finden sich in der frei zugänglichen Studie "Baumrinde 2018".

Studie "Baumrinde 2018"
Teilnahme an der Studie "Baumrinde 2018"

Von einem Vorschlag aus der Bürgersprechstunde des Oberbürgermeisters ausgehend, beteiligte sich die Landeshauptstadt Schwerin im Herbst 2018 an einer bundesweiten Studie zur Bestimmung der Pestizid-Belastung der Luft mittels Luftgüte-Rindenmonitoring. Beim Rindenmonitoring handelt es sich um ein standardisiertes Verfahren bei dem die oberste Rindenschicht von Bäumen (max. 1 mm Tiefe) beprobt und analysiert wird. Als Ergebnis kann festgestellt werden, wie stark die Belastung durch verwehte Pestizide in den letzten ein bis zwei Jahren war.

Die Studie wurde beauftragt vom Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft e.V. und durchgeführt vom Verbund TIEM Integrierte Umweltüberwachung GbR. In der Studie wurden bundesweit insgesamt 47 Probestandorte, davon drei in Mecklenburg-Vorpommern, hinsichtlich 500 Pestiziden, inklusive Glyphosat, ausgewertet. Es handelt sich damit um die bisher umfassendste Studie zur Immissionsbelastung durch Pestizide in Deutschland.

Weiterführende Informationen

Allgemeines zu Pestiziden

Für einen ersten Einstieg in das Thema bieten die folgenden externen Seiten einige Informationen:

Alternativen zu Pestiziden

In vielen Bereichen ist es möglich pestizidfrei zu wirtschaften. Wie das geht, zeigen beispielhaft die folgenden Seiten:

Bestäuberfreundliches Gärtnern

Der Verzicht auf Pestizide ist ein wichtiger Schritt in Richtung bienenfreundliches Gärtnern. Hinweise zu den weiteren Schritten geben unter anderen die folgenden Seiten:

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Kontakt

Landeshauptstadt Schwerin -
Fachgruppe Immissionsschutz & Umweltplanung

Herr Marcus Schreier
Techn. Sachbearbeiter
Raum: 2.047

Am Packhof 2-6
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+49 385 545-2426

Landeshauptstadt Schwerin -
Fachgruppe Immissionsschutz & Umweltplanung

Herr Dr.-Ing. Daniel Meyer-Kohlstock
Fachgruppenleiter
Raum: 2.072

Am Packhof 2-6
19053 Schwerin

+49 385 545-2454

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