Geschichte
des Schweriner Schlosses

© G. Bröcker, Staatliches Museum Schwerin

Spuren einer über 1000- jährigen Geschichte

Die Insel im Schweriner See mit der sumpfigen Umgebung war bereits zu slawischen Zeiten besiedelt. Spuren einer ersten Burganlage weisen zurück bis ins 9. Jahrhundert. Hier siedelte der Stamm der Obotriten. In der slawischen Sprache heißt der Platz "zuarin", was soviel wie "Ort der Tiere" meint und wahrscheinlich auf ein wildreiches Gebiet hindeutet.

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1160 wird die Burg vom Fürsten Heinrich dem Löwen, Herzog in Bayern und Sachsen, erobert.  Bereits im Jahr der Eroberung lässt Heinrich der Löwe eine Burg errichten und gründet die Stadt Schwerin. Die Stadt wird schnell Bischofssitz und damit zu einem zentralen Stützpunkt für die Christianisierung der Slawenstämme in der Gegend. Mit der Niederwerfung der Slawen, wird Schwerin zum Zentrum von Mecklenburg.

In der Renaissance entsteht auf der Burginsel ein prächtiges Schloss, dessen mächtige Bastionen und reicher Terrakotta-Schmuck auch am heutigen Schloss noch gut zu sehen sind und von den Baumeistern in Schwerin immer wieder zitiert wurden. Die Schlosskirche ist der erste protestantische Kirchenbau in Mecklenburg. Der dreißigjährige Krieg verhinderte einen weiteren Ausbau des Schlosses. Anbauten wurden errichtet, um die großherzogliche Kunstsammlung unterzubringen, aber es fand kein planmäßiger Ausbau mehr statt.

1764 siedelte der Hofstaat nach Ludwigslust um und baut sich ein "kleines Versailles" auf die grüne Wiese. Das Schloss Schwerin begann zu verfallen. Als der Hof 1837  in die Schlossstadt zurückkehrte, erschien dem regierenden Großherzog Paul Friedrich wohl undenkbar das alte Schloss als Residenz zu nutzen. Was  übrig war vom beeindruckenden Renaissanceschloss entsprach weder dem Zeitgeschmack, noch war es für den Regenten bewohnbar.

Die Geschichte hinter der Geschichte - Ein junger Student wird Großherzog

Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin, 1866 © Staatliche Schlösser, Gärten und Kunst E. Walford

Als 1842 Paul Friedrich überraschend an den Folgen einer Lungenentzündung stirbt, ist sein Sohn, Friedrich Franz II. gerade 19 Jahre alt. Noch kurz zuvor genoss er ein unbeschwertes Leben als Student in Bonn, nun liegt die Verantwortung für ein ganzes Volk in den Händen des jungen Regenten.

Der Vater hatte den Hof nur 5 Jahre vorher zurück nach Schwerin verlegt und mit Baumeister Demmler umfangreiche Ausbaupläne für die Residenzstadt begonnen.

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Darunter auch ein neues Schloss, dort wo heute das Staatliche Museum steht. Doch der junge Großherzog zögert, die Pläne seines Vaters für das neue Schloss weiter umsetzen zu lassen und trifft schließlich die Entscheidung den Bau abzubrechen. Als Platz für sein Schloss wählt Friedrich Franz II. die Schlossinsel, wo das Fürstengeschlecht jahrhundertelang seinen Sitz hatte. Hier stand das in die Jahre gekommene Renaissancesschloss und erinnerte an frühere, glorreiche Zeiten der Mecklenburgischen Herzöge.

Der junge Großherzog gibt dem Hofbaumeister Demmler den Auftrag ihm sein Schloss zu bauen. Es soll den modernen Anforderungen an eine Residenz genügen und mit seiner Pracht die Stärke der mecklenburgischen Fürstendynastie symbolisieren. Der charakterstarke Architekt Demmler tut sich nicht leicht mit dieser Aufgabe. Was der Großherzog will, scheint sich mit dem ästhethischen Geschmack des Architekten aus preussischer Schule kaum vereinbaren zu lassen. Zwei Entwürfe werden vom Großherzog sofort abgelehnt. Schließlich schickt Friedrich Franz II. Demmler auf eine Bildungsreise nach Frankreich und England. Demmler findet die Inspiration für Schwerins Residenz an der Loire: das prachtvolle Renaissanceschloss Chambord. Weitere berühmte Baumeister, wie Stüler, Semper und Willebrand werden vom Großherzog hinzugezogen: Nicht zur Freude von Demmler. Was schließlich entsteht, ist ein Gemeinschaftswerk. Die Formensprache und Anlage kommen wohl von Demmler, das prächtige Stadtportal von Stüler, den verwunschenen großen Schlossturm bringt Semper ein. Willebrand, der "Baukondukteur" setzt den Bau praktisch um und bringt viele eigene Ideen ein. Eine prachtvolle Garten- und Parkanlage von Klett und Lenné gibt dem Schloss schließlich seinen grünen Prunkrahmen.

Der Baustil des Schlosses entspricht dem Zeitgeist.  In dieser Zeit werden die Märchensammlungen der Gebrüder Grimm herausgegeben, Volksliedersammlungen zusammengetragen und man sucht nach seinen gemeinsamen Traditionen. Auch der Orient fasziniert.

Fast sehnsuchtsvoll blickt man auf die Geschichte und "gute alte Zeiten" zurück, denn die Gegenwart des Adels erscheint nicht mehr verlässlich seit der Französischen Revolution, den napoleonischen Kriegen, der Revolution von 1848 und dem Aufkommen der bürgerlich geprägten Industrie. Vielleicht sollte dieses Schloss für den jungen Regenten aber auch wie ein sichtbares Zeichen sein, auf welche Tradition er zurückblickt. Ein Ort, der so gestaltet wurde, dass Friedrich Franz II. seinen eigenen Machtanspruch zur Schau stellen kann. Fachleute bezeichnen das Schweriner Schloss als Höhepunkt des romantischen Historismus, der bis zum Bau des Schlosses Neuschwanstein in Bayern seinesgleichen suchen wird.

Als Residenzbau war das Schweriner Schloss aber keine Fluchtburg, sondern noch viele Jahrzehnte das Machtzentrum Mecklenburgs.

Herzogshaus

Das mecklenburgische Herrscherhaus geht auf die slawischen Herrscherfamilien zurück, die das Gebiet vor der Eroberung durch Heinrich den Löwen kontrollierten. Damit galt es als eine der ältesten Fürstendynastien in Europa. 

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1160 verlor das slawische Fürstengeschlecht ihr Territorium und ihr König Niklot wurde im Kampf getötet. Die Regentschaft über Schwerin und die Ländereien in der Umgebung erhielt ein Vasall von Heinrich dem Löwen: Gunzelin von Hagen wurde zum Grafen von Schwerin ernannt.  Die Nachfahren der Slawen ließen sich taufen, erhielten sukzessive Teile ihrer Ländereien zurück und bewährten sich als Lehnsmänner. Schließlich wurden sie zu Fürsten zu Mecklenburg und 1348 in den Reichsfürstenstand erhoben. Damit waren sie "Herzöge" zu Mecklenburg. 10 Jahre später gelang es den Nachfahren von Niklot sich auch die Ländereien der Grafen von Schwerin - und damit ihre alten Besitzungen - zurückzukaufen. 

Obwohl die Mecklenburger zu den ältesten Adelsfamilien Europas zählten, tauchen sie nur selten auf in der Geschichte. Erstklassig sind aber die dynastischen Verbindungen und Heiratsbande des Herzogshauses. Aus ihren Reihen kommen englische Königinnen, preußische Königinnen und Kronprinzessinnen, russische Großfürstinnen, niederländische Könige und schwedische Königinnen.

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Was ist Historismus?

Diese Stilepoche in der Baukunst im 19. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch den Rückgriff auf vergangene Epochen. Stilelemente aus dem Mittelalter, der Renaissance, dem Barock und sogar der Antike lassen sich am Schloss Schwerin finden und geben ihm sein märchenhaftes Aussehen.

Königliche Hoheiten

Mit dem Wiener Kongress 1815 werden die Herzöge von Mecklenburg-Schwerin zu Großherzögen erhoben. Zwar waren damit keine weiteren Privilegien oder Gewinne verbunden, aber von nun an sprach man Mecklenburgs Fürsten mit "Königliche Hoheit" an. Außerdem beflügelte der Aufstieg in die höchsten Kreise des europäischen Adels die Heiratschancen der mecklenburger Fürstenkinder.

Also: GROSS-Herzöge - Soviel Zeit muss sein

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