Gewaltverbrechen an kranken Kindern sind ein besonders abscheuliches Kapitel während der Nazidiktatur. Eine Ausstellung in der Marienplatz-Galerie erinnert ab 12. August an hunderte Kinder, die während der NS-Zeit im Rahmen der sogenannten Euthanasie in Schwerin und anderen Orten im Deutschen Reich ermordet wurden.
Auch Kinderärzte waren darin verstrickt. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) e.V. hat sich umfassend mit diesem Kapitel auseinandergesetzt.
Ausgewählte Forschungsergebnisse wurden für die Wanderausstellung aufbereitet. Die Eröffnung findet am 12. August um 18 Uhr im Beisein von Oberbürgermeister Sebastian Ehlers statt.
„Wir Kinderärztinnen und Kinderärzten halten es für unsere Pflicht, den ermordeten Kindern ein Gesicht und eine Stimme zu geben. In einer Zeit zunehmender radikaler Ansichten und Auswüchse und mit Blick auf die von extremen Kräften propagierte Ausgrenzung bestimmter Personengruppen – darunter auch Kinder – ist das in unserem Land wichtiger denn je“, sagt der ehemalige Direktor der Universitäts-Kinder- und Jugendklinik Rostock, Prof. Dr. Michael Radke, der zu den Organisatoren der Ausstellung gehört.
Während der NS-Zeit wurden im gesamten Reichsgebiet schätzungsweise 8.000 Kinder mit unterschiedlichen Erkrankungen in sogenannten Kinderfachabteilungen durch Giftspritzen oder bei Menschenversuchen systematisch ermordet. Eine dieser Tötungsanstalten für kranke Kinder befand sich auf dem Sachsenberg in Schwerin. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung geben Medizinstudierende sowie Ärztinnen und Ärzte den Opfern eine Stimme, indem sie Auszüge aus den historischen Krankenakten der ermordeten Kinder verlesen. Die Ausstellung „Im Gedenken der Kinder – Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit“ ist bis 19. September 2026 in der Marienplatz-Galerie zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist barrierefrei.
