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Bestandteile des Residenzensembles

Bestandteile des Residenzensembles

Im Nominierungsantrag der Landeshauptstadt Schwerin an die UNESCO wurden die einzelnen Bestandteile des Residenzensembles in fünf verschiedene Kategorien unterteilt:


- Schloss und Palais,

- Infrastruktur und Beamtenwohnhäuser,

- Kultur- und Sakralbauten,

- Verwaltung,

- Militär.

 

Ein Klick auf die Überschrift unten in der jeweiligen Kategorie führt zu dem entsprechenden Objekt des Residenzensembles.

Schloss und Palais

Residenzschloss
Residenzschloss © Timm Allrich

Das Schweriner Residenzschloss steht auf einer Insel im Schweriner Innensee in mitten der Stadt. Seit 1.000 Jahren ist es Standort der Regierung der Obotriten, der mecklenburgischen Herzöge und Großherzöge Mecklenburgs. Seine ringförmige Gestalt geht auf die Wallanlage einer slawischen Burg um das Jahr 965 zurück. Die Umgestaltungsphasen dieses Bauprozesses durch die Jahrhunderte sind ab etwa 1500 durch eine Fülle schriftlicher und bildlicher Zeugnisse umfassend dokumentiert. 

Das Schweriner Schloss gilt als das bedeutendstes Bauwerk des Romantischen Historismus in Europa. Seine Gestalt erhielt es durch Um- und Neubauten von 1845 bis 1857 nach Plänen fünf bedeutender Architekten: Friedrich August Stüler, Hermann Willebrand, Georg Adolf Demmler, Gottfried Semper und Ernst Friedrich Zwirner. Seine aktuelle Neorenaissance-Architektur hat die französische Schlösserarchitektur der Renaissance zum Vorbild. Durch Schloss Chambord an der Loire inspiriert spielt auch die regionale mecklenburgische Architektur eine bedeutende Rolle.

 

Zur Geschichte

Der Kaufmann Ibrahim Ibn Jakub aus dem arabischen Andalusien reiste 965 von Magdeburg zur Burg Weligrad (Burg Mecklenburg) und berichtete 973 über eine noch im Bau befindliche Burg in Ufernähe eines Süßwassersees im slawischen Gebiet östlich der Unterelbe. Die Schweriner Burg war 1160 Ziel eines Feldzuges Heinrichs des Löwen (1129–1195) zur Disziplinierung des Wendenfürsten Niklot. Die unterlegenen obodritischen Verteidiger zerstörten und verließen die Burg. Die deutschen Eroberer erkannten die ausgezeichnete strategische Lage, bauten die Festung aus und gründeten die Stadt Schwerin im gleichen Jahr. Der hier errichtete Bischofssitzes führte die Stadt zu besonderer Bedeutung. Herzog Albrecht II., kaufte die Burg 1358 und verlagerte die Residenz von Wismar auf die Schweriner Burginsel. Herzog Johann Albrecht I. (1525–1576) ließ das Schweriner Schloss um das Neue Lange Haus mit dem herrschaftlichen Fassadenschmuck aus rotem Terrakotta von 1553 bis 1555 erweitern. Beide Gebäude sind echte Schlossbauten, denn Rücksichten auf Verteidigungsfunktionen zugunsten höchster Wohnansprüche, unterblieben. Herzog Johann Albrecht I. gab den Neubau der Schlosskapelle als ersten protestantische Kirchenbau in Mecklenburg in Auftrag, den Christoph Haubitz (erwähnt 1549–1587) dem Neuen Langen Haus 1562 an fügte. 1612 entwarf der in mecklenburgischen Diensten stehende Baumeister Gerhart Evert Pilooth († 1629) vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges Pläne für einen tiefgreifenden Neubau des Schlosses in Anlehnung an die niederländisch geprägte Renaissance. 1617 begannen die Arbeiten unter seiner Leitung, wurden jedoch kriegsbedingt einstellt. Nach seinen Plänen wurden von 1635 bis 1643 das Haus über der Schlossküche und das Haus über der Schlosskirche aufgestockt und überformt.

1764 verfügte Herzog Friedrich die Umsiedlung der Regierung in die von ihm neu erbaute Residenz Schloss Ludwigslust. 1835 nach Rückverlegung der Regierung nach Schwerin, befanden sich die Schlossgebäude in einem schlechten baulichen Zustand, weshalb Großherzog Paul Friedrich I. (1800–1842) den Bau eines Palais am Alten Garten beauftragte. Nach seinem plötzlichen Tod entschied sich der 19-jährige Friedrich Franz II. (1823–1883) für eine tiefgreifende Sanierung und Umgestaltung der Residenz auf der Schlossinsel. Nach Abdankung des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin 1918 ging das Schloss in den Besitz des Staates Mecklenburg über. 1921 wurden die Prunkräume des Schlosses als Schlossmuseum und das Museum für Ur- und Frühgeschichte bis 1993 im Burgseeflügel zugänglich gemacht.

 

Zum Stil

Das heutige Schloss ist im Stil des Historismus teils neu erbaut oder in historistischen Elementen erhalten. Die Verwendung von Terrakotta in der Bauplastik ist zur Renaissancezeit in Deutschland besonders in der norddeutschen Baukunst der Backsteinrenaissance dominant, so am Fürstenhof in Wismar und am Schloss Gadebusch. Das Material lieferte die Werkstatt des aus Lübeck stammenden Meisters Statius von Düren (erwähnt 1551–1566). 

Das Schlossensemble ist ein in seiner Bauzeit außergewöhnlich modernes Bauwerk. Stüler setzte an der stadtseitigen Front entscheidende Akzente durch plastische Elemente wie das große Niklot-Reiterstandbild. Als krönenden Abschluss setzte er hier eine monumentale Prunkkuppel. Bei einigen innenarchitektonischen Entwürfen versicherte er sich der Mitarbeit von Heinrich Strack (1805–1880) für die plastischen Elemente und Karl von Diebitsch für das maurische Bad aus Berlin. Schweriner und Berliner Werkstätten lieferten die meisten Teile des plastischen Schmucks und der Innenausstattung. Als Bildhauer sind: Christian Genschow, Gustav Willgohs, Heinrich Petters, Georg Wiese und Albert Wolff zu nennen. Die festliche Einweihung des Schlosses fand im Mai 1857 statt. Zu diesem Anlass hat der Komponist Friedrich von Flotow (1821–1883) seine Oper Johann Albrecht geschaffen.

 

 

Burg- und Schlossgarten
Kreuzkanal in zentraler Achse des Schlossgartens © Erlebnis-MV/Volker Koehn

Der Schlossgarten ist die bedeutendste barocke Gartenanlage in Norddeutschland. Er entfaltet seine Pracht auf 33 ha bis heute. Mit dem das Schloss spiegelnden Kreuzkanal, den Alleen, Bosketten, der malerischen großen Grotte, Pavillons und Wasserspielen, Laubengängen, Hippodrom und der Rasenkaskade bietet er mit den Barockskulpturen von Baltasar Permoser das Erlebnis einer idealen Verbindung aus Architektur, Natur und Kunst. 

Der zwischen 1840 und 1858 entstandene große Park wurde nach Plänen des Hofbaudirektors Peter Joseph Lenné ausgeführt. Seine Neukonzeption bezog den von Jean Legeay 1748 nach französischem Vorbild gestalteten Barockgarten mit ein und erweiterte das Areal zum großen Schlosspark bis an die Uferzonen der drei umgebenden Seen. 

Etwa 150 ha gingen durch Bebauung, die Einrichtung des Zoos und Verwaldung verloren.

 

Zum Stil

Zwei großartige, jedoch höchst unterschiedliche Auffassungen liegen den Planungen des Schweriner Schlossparks - wie wir ihn heute kennen - zu Grunde. In der Neuanlage von Jean Laurent Legeay 1748 ist der damalige Machtanspruch des Regenten sichtbar. Seinem Gestaltungswillen wird die Natur untergeordnet. Seine Gärtner und Ingenieure arbeiten an einer streng geregelten Form. 

Die Neuanlage und Erweiterung des Schlossparks von 1840 bis 1857 nach Osten und Süden durch Lenné, spiegelt dagegen die Auffassungen der Romantik. Sie inszeniert das Schloss als großartigen Prachtbau innerhalb des Burggartens, des Alten Gartens, der Marstallinsel, der umgebenden Seenlandschaft mit den Inseln; eingebettet in den großen Landschaftsprospekt, wie in einem Gemälde. 

Altes Palais
Ansicht des Alten Palais von der Schloßstraße © Welterbe-Förderverein

An der Westseite des Alten Gartens, der Burgfreiheit des Großherzoglichen Schlosses, liegt es: Das Alte Palais oder auch Erbprinzenpalais oder eben auch Witwenpalais. Das in Fachwerk ausgeführte Gebäude zwischen Staatskanzlei und Theater hat viele Namen – warum, lässt sich aus der Geschichte erschließen.

Um 1705 wurde das Palais für Erbprinz Karl Leopold erbaut. Auch Erbprinz Franz lebte bis zur Übernahme der Regierungsgeschäfte darin.

1799 wurde das Erbprinzenpalais modernisiert. Friedrich Franz hatte Johann Georg Barca dafür den Auftrag gegeben. Er sollte für Erbprinz Friedrich Ludwig und seine Frau Helena Pawlowna alles renovieren und um vier Achsen in nördlicher Richtung erweitern.

Etwa 40 Jahre später erfolgte noch eine Erweiterung, diesmal für Großherzog Paul Friedrich, der dort 1837 seine Übergangsresidenz einrichten wollte. Georg Adolph Demmler setzte diesen Umbau um. Nach dem plötzlichen Tod des Großherzogs 1842 lebte seine Witwe Großherzogin Alexandrine hier bis zu ihrem Tod 1892.

 

Zum Stil

Das zweigeschossige Palais ist in Fachwerk ausgeführt. Es trägt ein Walmdach mit großen dreiachsigen Mansard-Giebeln und Zwerchhäusern. Die repräsentative Zweiflügel-Anlage ist bis heute erhalten. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist heute Sitz der Landtagsverwaltung.

Neustädtisches Palais
Neustädtisches Palais im Süden der Schelfstadt im Stil französischer Renaissance und Barockbauten © Landesamt für Kultur und Denkmalpflege

Das prächtige Palais ist an der Puschkinstraße - der früheren Königstraße - positioniert, zwischen der Schlossstraße und dem Schelfmarkt, oberhalb des Pfaffenteichs. 1708 begann dort alles mit dem Kauf des Grundstücks – Herzog Friedrich Wilhelm ließ nachfolgend für seinen Bruder Christian Ludwig den Prinzenhof, auch Ludwigshof genannt, erbauen.

Später fand hier auch der Witwenwohnsitz für Charlotte Sophie, Frau des Herzog Ludwig, Platz. Sie lebte hier bis zu ihrem Tod im Jahr 1810. Danach stand das Palais zehn Jahre leer, bis der großherzogliche Finanzminister Leopold von Plessen es nutzte. Wieder später, zur Zeit des Schweriner Schlossumbaus von 1843 bis 1857, diente das repräsentative Palais der großherzoglichen Familie als Wohnsitz. Dann wurde erneut angebaut. In dieser Zeit sorgte Hofbaumeister Georg Adolph Demmler noch für einen Saalanbau auf der Rückseite des Palais. Damit kehrte schlossähnliches Flair ein, denn der neue Raum war optisch und baulich an den Thronsaal angelehnt. 

Hermann Willebrand realisierte von 1883 bis 1884 ebenfalls rückwärtig, einen Wohnflügel für Großherzogin Marie, der ihr als Witwenwohnsitz diente. Nachdem Großherzog Friedrich Franz IV. 1920 abgedankt hatte, ging das Palais schließlich 1920 in den Besitz des Freistaates Mecklenburg-Schwerin über.

 

Zum Stil

Das gediegene, aber bescheidene Barockpalais erhielt 1779/1780 eine Umgestaltung, die einem Neubau glich. Johann Joachim Busch machte die Pläne dafür und verhalf dem Gebäude zum Stil des französischen Barock. Dabei blieben zum Beispiel die zweigeschossige Dreiflügelanlage und der Ehrenhof erhalten. Das frühere Mansarddach wurde allerdings durch ein Plateaudach mit Dachgauben ersetzt. Die Fassaden erhielten eine kräftige Putzquaderung und Verzierungen in Form von Festons.

Greenhouse
Greenhouse © Welterbe-Förderverein

1838 bis 1845 besuchte Peter Joseph Lenné Schwerin vier Mal, um im Auftrag des Großherzogs den Schlossgarten neu zu gestalten. Im von ihm geplanten und von Theodor Klett realisierten weitläufigen Landschaftspark liegt das Greenhouse mit Gewächshaus sowie das Kavaliershaus in mitten von Lenné geplanten Englischen Gartens.

Gemäß der Verfügung von Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg sollte das am nordöstlichen Rand des Schlossgartens gelegene Wohngebäude 88, auch Greenhouse genannt, sozialen Zwecken vorbehalten bleiben. Der malerisch gruppierte Baukomplex des Greenhouse bildet einen eindrucksvollen Blickpunkt am nordöstlichen Rand des Schlossgartens. Zusammen mit dem gegenüberliegenden Kavaliershaus bildet es ein eindrucksvolles architektonisches Ensemble und zugleich den städtebaulich markanten Übergang in das Villengebiet des Schlossgartenviertels. 

Ehemals durch eine eiserne Brücke mit dem Greenhouse verbunden, stand es für die Weltoffenheit seiner Bewohner.

 

Zum Stil

Nach der Verlegung der Regierung nach Schwerin, war Carl Heinrich Wünsch 1838 durch den Großherzogs beauftragt worden in mitten des neuen Landschaftsparks in der Nähe zum alten Schloss, ein privates Palais als Sommerresidenz zu errichten. 1840 erhielt Georg Adolf Demmler den Auftrag zum Bau des Kavalierhauses, gegenüber dem Greenhouse.

Kavaliershaus
Kavaliershaus © LHS / Lucas Scharfe

1838 bis 1845 besuchte Peter Joseph Lenné Schwerin vier Mal, um im Auftrag des Großherzogs den Schlossgarten neu zu gestalten. Im von ihm geplanten und von Theodor Klett realisierten weitläufigen Landschaftspark liegt das Greenhouse mit Gewächshaus sowie das Kavaliershaus in mitten von Lenné geplanten Englischen Gartens.

Gemäß der Verfügung von Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg sollte das am nordöstlichen Rand des Schlossgartens gelegene Wohngebäude 88, auch Greenhouse genannt, sozialen Zwecken vorbehalten bleiben. Der malerisch gruppierte Baukomplex des Greenhouse bildet einen eindrucksvollen Blickpunkt am nordöstlichen Rand des Schlossgartens. Zusammen mit dem gegenüberliegenden Kavaliershaus bildet es ein eindrucksvolles architektonisches Ensemble und zugleich den städtebaulich markanten Übergang in das Villengebiet des Schlossgartenviertels. 

Der zweigeschossige freistehende Massivbau des Kavaliershauses entstand 1839 nach Entwürfen von Hofbaumeister Georg Adolph Demmler unmittelbar gegenüber und als Ergänzung des einige Jahre zuvor errichteten Greenhouse. Demmler entwarf einen klar gegliederten Baukörper in klassizistischer Formensprache, der sich mit seiner westlichen Schmalseite zur Straße und zum Greenhouse wendet. 

 

Zum Stil

Nach der Verlegung der Regierung nach Schwerin, war Carl Heinrich Wünsch 1838 durch den Großherzogs beauftragt worden in mitten des neuen Landschaftsparks in der Nähe zum alten Schloss, ein privates Palais als Sommerresidenz zu errichten. 1840 erhielt Georg Adolf Demmler den Auftrag zum Bau des Kavalierhauses, gegenüber dem Greenhouse.

Ehemals durch eine eiserne Brücke mit dem Greenhouse verbunden, stand es für die Weltoffenheit seiner Bewohner.

Infrastruktur und Beamtenwohnhäuser

Altes Hofgärtnerhaus
Altes Hofgärtnerhaus © Welterbe-Förderverein

Das Alte Hofgärtnerhaus wurde für Hofgärtner Christian Daniel Friedrich Klett errichtet. Er erhielt das Grundstück als Geschenk des Großherzogs. Es ist wesentlicher Bestandteil der ehemaligen Schlossgärtnerei mit ihren erhaltenen baulichen Anlagen. 

1839 beauftragte der Großherzog Georg Adolph Demmler mit dem Bau des Hofgärtnerhauses, das 1840 fertiggestellt wurde. Der spätere Hofgartendirektor Theodor Klett nutzte den umgebenden Garten sowohl zur Versorgung der eigenen Familie aus auch zur Aufzucht seltener Rosen und Stauden.

Heute befindet sich die Villa in Privatbesitz.

 

Zum Stil

Das anderthalbgeschossige Wohnhaus mit Walmdach wird von einem mittig gelagerten, zweigeschossigen Rundgiebel mit eingeschriebener Stützenstellung von einem Tympanon bekrönt. Er markiert den repräsentativen Eingang und weist das Gebäude als Wohnsitz eines Hofbeamten aus.

Großherzoglicher Jägerhof
Großherzoglicher Jägerhof © Tim Allrich

Die fünfteilige Hofanlage liegt zwischen Burgsee und Ostorfer See am Fuß der heutigen Johannes-Stelling-Straße. Heute ist die Sicht auf das repräsentative, historisch gut erhaltene Ensemble nicht mehr so möglich wie Mitte des 19. Jahrhunderts: Ein Querbau, der später zwischen die Wohnhäuser der Hofjäger eingefügt worden ist, versperrt die Sicht.

1852 beauftragte Herzog Friedrich Franz II. Hofbaumeister Hermann Willebrand mit dem Bau des neuen Jägerhofs in Sichtweite des Residenzschlosses. Willebrand realisierte von 1854 bis 1855 ein Ensemble aus vier Gebäuden. In deren Mitte errichtete er einen zentralen Platz mit Rondell. Der Eingang zum Jägerhof lag zwischen den beiden Wohnhäusern, die durch eine Mauer und gusseiserne Tore miteinander verbunden waren. Daran schlossen sich die ehemaligen Stallgebäude an, die noch heute gut erhalten sind. 1855 wurde der Jägerhof eingeweiht und 1862 um das Jagdzeughaus erweitert. Hier wurden die zur Jagd notwendigen Dinge aufbewahrt und die Jagdnetze aufgehängt.

 

Zum Stil

Wie die Gesamtanlage sind auch die Wohnhäuser des Jägerhofs aus Rotem Ziegel errichtet. Ihre Geschosse und die Gesimse der Fenster sind durch glasierte Ziegelbänder verziert und erhalten dadurch einen Rhythmus in der Optik. Die Hauseingänge liegen einander gegenüber und werden von der Mitte her betreten. Den Figurenschmuck an den Giebeln der Risalite – passenderweise Tierköpfe – schuf der Bildhauer Heinrich Petters. 

Hofgärtner Etablissement
Hofgärtner Etablissement © Welterbe-Förderverein

In Zusammenhang mit der Erweiterung und Umgestaltung des Schlossgartens im 19. Jahrhundert entstand 1856/57 das neue „Hofgaertner-Etablissement“ nach dem Entwurf des Architekten Hermann Willebrand. Der Bau diente als Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Hofgärtners und lag daher in unmittelbarer Nähe dieses Gartenreviers. 

1856 – 1857 baut Hermann Willebrand in großherzoglichem Auftrag das notwendig gewordene, zweieinhalbgeschossige Hofgärtner-Gehöft mit Remise, Stallungen und beheizbarem Gewächshaus.

Das Anwesen wird heute privat genutzt.

 

Zum Stil

Dem als Risalit vorgesetzten Gebäudeteils kommt die Funktion eines zweieinhalbgeschossigen Wohngebäudes für die Hofgärtner zu. Dieser Gebäudekörper ist einem dahinter liegenden Hallenbau vorgelagert, der die Arbeitsabläufe im Gewächs- und Kalthaus ermöglicht. Der mittig angelegte und überdachte Eingang kombiniert die Wohn- mit der Arbeitsfunktion.

Marstall und Marstallhalbinsel
Marstall und Marstallhalbinsel © Landesamt für Kultur & Denkmalpflege/Achim Bötefür

Traumhafte Lage auf einer Landzunge im Schweriner See und eine ideale Einheit von Natur und gebauter Stringenz: Das ist der großherzogliche Marstall. Er wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss und in Verlängerung der innerstädtischen Straße Großer Moor errichtet. Hofbaumeister Georg Adolph Demmler lehnte seine Pläne an den bestehenden Marstall in Ludwigslust an. 1838 bis 1842 wurden die Pläne realisiert. Seine heutige Gestalt erhielt der Marstall allerdings erst zwischen 1854 und 1873. Hofbaumeister Hermann Willebrand hat ihn um- und ausgebaut.

Mit dem neuen Marstall konnten die bisherigen Ställe auf dem Alten Garten endlich aufgelöst werden – sie galten ohnehin als zu klein.
Die Besucher betreten heute die offene zweigeschossige Dreiflügelanlage in Verlängerung der ehemaligen Prachtstraße Großer Moor. Von dort aus liegt der 167 Meter lange Nordostflügel gegenüber. Der Marstall besteht aus dem zentralen Bauwerk der ehemaligen historischen Reithalle und zwei langen Gebäudeflügeln. Diese wiederum werden von vier zweigeschossigen Eckpavillons und zwei Eckbauten begrenzt. Durch rechtwinkelige Knicke in den Gebäudeflügeln entstand ein fast geschlossener Hof, der früher Exerzierplatz für Reit- und Fahrübungen gewesen ist. Außerdem gehörten neben der Reithalle der Pferdestall und ein großes Lager für Wagen und Reitgeschirr zum Marstall. Ein weiterer Gebäudeflügel beherbergte die Unterkünfte der Bediensteten.

Von 2002 bis 2007 wurde der Marstall grundlegend saniert und restauriert und dient seitdem der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern als Verwaltungsgebäude. 2009 war der Standort in die Bundesgartenschau Schwerin einbezogen. Links neben dem imposanten Gebäudekomplex befindet sich am Seeufer ein Wassersport- und Gastronomiestandort.

 

Zum Stil

Der äußere Baukörper des Marstalls ist in Mauerwerk errichtet, die Innenwände sind als Fachwerk ausgeführt. Die außenliegenden Öffnungen im Erdgeschoss sind in rundbogige und arkadenförmige Vertiefungen angeordnet. Die inneren Erdgeschossöffnungen im Nordflügel sind als Paare zusammengefasst und von geschlossenen Nischen umrahmt. Die Fenster darüber durch Putz dreieckig bekrönt. Die Gebäudekanten an den Eck- und Kopfbauten sind durch Putzquader betont.

1858 gestaltete Theodor Klett die ehemaligen Wadewiesen, auf denen bis dahin Fischernetze – die sogenannten Waden – getrocknet wurden, um. Es entstand eine Gartenanlage englischen Stils, die er bis an die Ufer des Schweriner Sees führte.

Großherzoglicher Krankenpferdestall
Großherzoglicher Krankenpferdestall © Welterbe-Förderverein

Der ehemalige „Großherzogliche Pferde-Krankenstall“ entstand um 1850 als separater Nutzbau des gegenüberliegenden, 1842 fertiggestellten Marstalls. Das Gebäude beherbergte neben den Versorgungsbereichen für die Pferde auch Wohnungen für den Veterinär und die Tierpfleger. Baulich schließt es mit seiner schlicht gestalteten, spätklassizistischen Fassade an das Marstallgebäude an. 

 

Zur Geschichte

Mit der Verlegung der Regierung von Ludwigslust nach Schwerin wurden im Auftrag des Großherzogs, sowohl der Marstall 1837 als auch der notwendig gewordene Krankenpferdestall durch Georg Adolph Demmler errichtet. Neben der Pferdeklinik im Erdgeschoss waren hier Wohnungen für Bedienstete der Großherzoglichen Verwaltung untergebracht. 1911 wurde auch das Erdgeschoss zu Wohnungen umgebaut.

Heute wird das Gebäude als privates Wohnhaus genutzt.

 

Zum Stil

Der rustizierte Sockelbereich und die in reduzierter, spätklassizistischer Formensprache gegliederten Fassaden weisen das Regierungsgebäude aus.

Großherzogliche Dampfwäscherei
Großherzogliche Dampfwäscherei © Förderverein/ MAIK SCHWARZ

Der im Jahre 1895 fertiggestellte Bau entstand unter der Planung des Architekten Hermann Willebrand. Das Gebäude entspricht in seiner Bauweise und Formensprache der zeittypischen Architektur von Produktionsbauten des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die abwechslungsreiche Fassadenwirkung wird im Wesentlichen durch den schichtweisen Farbwechsel von gelben und roten Ziegeln erzielt. 

Das zweigeschossige Funktionsgebäude wurde als Hofwäscherei genutzt, in der nach dem damals modernsten Stand heißer Dampf zum Antrieb der Maschinen genutzt wurde.

Heute wird das Gebäude als Restaurant genutzt.

 

Zum Stil

Der rustizierte Sockelbereich und die in reduzierter, spätklassizistischer Formensprache gegliederten Fassaden weisen das Regierungsgebäude aus.

Großherzogliche Leinen- und Bettenkammer

Im Auftrag des Großherzogs schuf Architekt Hermann Willebrand die Entwürfe für eine Leinenkammer. Im Jahr 1878, nach Abriss des Vorgängergebäudes, wurde die Leinenkammer um eine „Bettkammer“ ergänzt und realisiert. Beide Bauteile fasste Willebrand durch eine einheitliche Gestaltung mit einer schlichtklassizistischen Putzfassade zusammen. 

 

Zur Geschichte

An gleicher Stelle - neben der großherzoglichen Dampfwäscherei - stand die den modernen Anforderungen nicht mehr genügende Leinen- und Bettenkammer. 1876 wurde Hofbaumeister Hermann Willebrand mit der Erweiterung nach Osten und der technischen Modernisierung des Funktionsgebäudes für den Hof beauftragt. 

Heute wird das Gebäude privat genutzt.


Zum Stil

Der Großherzogliche zehnachsige Gebäudekomplex weist verputzte Fassaden unter flachem Walmdach auf.

Demmlersches Wohnhaus
Demmlersches Wohnhaus © Welterbe-Förderverein

Am Südufer des Pfaffenteichs fällt die Eckbebauung an der Mecklenburg- zur Arsenalstraße ins Auge: Ein Geschäftshaus mit Wohnungen und turmartigen Dachformen prägt den Standort und belebt diesen gleichermaßen. Hier wohnte einst der Hofbaumeister Georg Adolph Demmler.

Als 1840 das Süd- und Westufer am Pfaffenteich erschlossen und damit die Altstadt in die angrenzenden Gebiete erweitert wurde, schenkte Großherzog Paul Friedrich seinem Hofbaumeister Georg Adolph Demmler ein Seegrundstück. Dieses Geschenk war eine besondere Anerkennung für die Dienste, die der Architekt dem Hof geleistet hat. Gleichermaßen mit der Großbaustelle des Arsenals betraut, stellte Demmler sein Wohnhaus, auch als Geschäftshaus geplant, 1842 fertig.

 


Zum Stil

Das Wohnhaus von Hofbaurat Georg Adolph Demmler entstand als Vorhaben im Zuge der Erweiterung der Residenzstadt Schwerin in der städtebaulich exponierten Lage am Südufer des Pfaffenteichs. Mit Rücksicht auf die prominente Lage des Neubaus am Pfaffenteich und seine Fernwirkung hatte Demmler einen repräsentativen Baukörper entworfen, der insbesondere durch seinen voluminösen Eckturm einen markanten Blickpunkt bildet. Demmlers historisierende klassizistische Formensprache fand ihren Widerhall auch an seinem Wohnhaus. Die erhebliche Vielfalt und Anordnung der verschiedener Formenelemente kennzeichnen das Gebäude als repräsentative bürgerliche Villa.

Die verputzte zweigeschossige Fachwerkkonstruktion wurde L-förmig errichtetet. Die Gründung erfolgte, wie bei vielen Bauwerken des Schweriner Residenzensembles, auf Pfählen. Der Innenraum befindet sich noch im ursprünglichen Zustand der Umbauphase im Jahr 1857. Der Grundrisszuschnitt ist unverändert und die historischen Türen sind erhalten. Aus dieser Zeit entstammen auch das Treppenhaus und die gusseiserne Treppe mit den aufwändig geschmückten Geländerstäben.

Villen an der Werderstraße
Villen an der Werderstraße © Welterbe-Förderverein

Nach Fertigstellung und Einzug ins Residenzschloss reifte um 1858 die Idee zur Verbesserung der verschiedenen Aussichten aus dem Residenzschloss auf die Residenzstadt, sowohl gen Nordwesten auf die neu gebaute Uferpromenade, die Annastraße als auch gen Südwesten.

 

Zur Geschichte

Durch eine Anschubfinanzierung der Großherzoglichen Verwaltung in Form von Baugrund und die Planung der seeseitigen Fassaden durch Hofbaumeister Hermann Willebrand beschleunigte Friedrich Franz II. die Bebauung an der neu erbauten Annastraße. Sie wurde 1862 als Uferpromenade feierlich eröffnet und gewährleistete die schnelle Verbindung zwischen Residenz und Marstall für den Verkehr mit Kutschen.
Zwischen 1862 bis 1866 entstanden die Villen an der Annastraße. Bauherren waren bedienstete Adelsfamilien der Residenz sowie wohlhabende Bürger der Residenzstadt.
Die Bauausführung hatten Maurermeister Ferdinand Schultz und Hofzimmermeister Christian Lemcke.

 


Zum Stil

Die malerisch gestalteten Fassaden der herrschaftlichen Gebäudereihe weisen Elemente der Neorenaissance auf, die sich deutlich an der Formensprache des 1856 fertig gestellten Residenzschlosses orientieren. Runde Giebelaufsätze, Türme, Pilaster und Rundbogenfenster hat Willebrand mehrfach verwandt. 

Großzügig bemessene Innenhöfe bieten Raum für die notwendigen Gelasse für Kutschen und Pferde sowie die zeitgemäßen, hoch begehrten und aufwändig ausgeführten Wintergärten.

Hoflieferant Uhle
Hoflieferant Uhle © Tim Allrich

Das Gebäude zur 1. Enge Straße ist als dreigeschossiger, verputzter Massivbau mit längsrechteckigem Grundriss errichtet. Durch die im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss abgerundete Ecke öffnet sich der Bau zum Straßenraum und nimmt Bezug zu beiden Straßen. Der abwechslungsreich gestaltete Bau entstammt der Formensprache der Reformarchitektur und zeichnet ihn, gemeinsam mit dem Landeshauptarchiv, als einen der modernsten des Schweriner Residenzensembles aus. 
Das viergeschossige angrenzende Gebäude an der Schusterstraße ist geprägt von einer neoklassizistischen Putzfassade, welche Ende des 19. Jahrhunderts entstand. Die kräftig profilierten Gesimse und Friese mit Zahnschnitt zieren die sechsachsige Fassade. 

 

Zur Geschichte

Bereits 1751 ernannte der Herzog Christian Ludwig II. das Weinhaus Uhle zum Hoflieferanten. Der Gebäudekomplex des Weinhaus Uhle liegt auf einem Grundstück zwischen Schusterstraße und Erste Enge Straße.

 

 
Zum Stil

Die Haustür entstammt, wie der dahinter gelegene Flur, einer frühen Umbauphase im 20. Jahrhundert. Im Oberlicht weist eine Weinlaubkonsole auf die Nutzung des Hauses als Weinlieferant hin. Das Dach des Gebäudes zur Schusterstraße ist als flach geneigtes Satteldach ausgebildet, das des Eckgebäudes als ziegelgedecktes Mansardendach. 

Die Grundrissstrukturen sind weitgehend erhalten, ebenso ein Großteil der Innenausstattung. Diese verweist auf die verschiedenen Nutzungsphasen. Die historischen Gasträume im Erdgeschoss mit hölzerner Wandvertäfelung und einer tonnengewölbten Decke sind ebenso eindrucksvoll wie der sogenannte Rittersaal im 1. Obergeschoss. Die aufwendige Wand- und Deckengestaltung ist mit über zwei Meter hohen Wandpaneelen kassettiert. Die Wandgestaltung ist im Stil der Neorenaissance gehalten und durch Felder mit Stuckrahmung gegliedert. Die Bleiglasfenster sind mit den Mecklenburger Städtewappen versehen. 

Hoflieferant Wöhler

Das Gebäude steht an der Ecke Fischerstraße/ Puschkinstraße, am südlichen Ende der Schelfstadt. Das Weinhaus Wöhler wurde 1914 von der Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin zum Hoflieferanten ernannt. 

 

Zur Geschichte

Das Gebäude ist als fachwerksichtiger Bau mit Ziegelausfachung auf L-förmigen Grundriss errichtet worden. Der Gebäudekomplex ist um einen kleinen Innenhof herum gruppiert. Das Erdgeschoss des zweigeschossigen Gebäudes wurde nachträglich verblendet. Im Obergeschoss wurde das originale Fachwerk mit rottoniger Ziegelausmauerung sichtbar belassen. Das Dach des Gebäudes ist als Satteldach errichtet. 

 


Zum Stil

Das Weinhaus Wöhler mit Hotel, Restaurant und Weinhandel ist ein geschichtsträchtiges Wahrzeichen von Schwerin, in dem sich der Gast auf saisonale Küche mit frisch zubereiteten Fisch-, Fleisch-, und Wildgerichten freuen darf. Es befindet sich inmitten der Altstadt, fußläufig zu den beliebtesten Schweriner Sehenswürdigkeiten wie Schloss, Dom, Staatstheater sowie Museum und den Schweriner See. Im rustikalen Gewölbekeller am Kamin oder in den Weinstuben finden regelmäßig moderierte Weinverkostungen statt.

Hoflieferant Krefft (Cafe Prag)
Hoflieferant Krefft (Cafe Prag) © LHS / Lucas Scharfe

Das in den Jahren 1906/08 errichtete Gebäude des Hofkonditors Krefft prägte als Eckbau den Kreuzungsbereich zweier Geschäftstrassen. Bereits seine Vorfahren hatten in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts an diesem Standort eine Konditorei gegründet. 
Zur Geschichte

1877 übernahm Friedrich Krefft die Leitung des Hauses. Wie seine Vorfahren wurde auch er zum Hofkonditor ernannt. 1891 gab es bereits 11 Konditoreien in Schwerin, also kein leichtes Brotverdienen für ein Kaffeehaus. Trotz der starken Konkurrenz führte die Witwe Betty Krefft das Kaffeehaus 20 Jahre erfolgreich weiter. 

Sie hat auch das neue Haus 1908/09 vom Baugeschäft Clewe bauen lassen. Die erste Innenausstattung bestand aus einfachen Holzstühlen und Holztischen. Betty Krefft musste einen Konditormeister einstellen, sonst hätte sie das Geschäft nicht weiterführen können. Der einzige Sohn von Betty und Fritz war Carl.

Carl Friedrich Leopold Krefft wurde 1882 geboren. Als sein Vater starb , war er erst 17 Jahre alt. Nach dem Tode des Vaters wurde Carl Geschäftsführer und übernahm 1919 das Kaffeehaus. Unter seiner Leitung erhielt das Cafe eine neue Aufmachung. Bequeme Clubsessel in den Räumen und Wandmalereien gaben dem Cafe nun einen gemütlichen und vornehmen Charakter.

 

Zum Stil

In Sichtbezug zum Schloss errichtet, setzt das historistische Wohn- und Geschäftshaus einen wichtigen städtebaulichen Akzent an der Kreuzung von Puschkin- und Schloßstraße.

Bahnhof und Früstenzimmer
Bahnhof  © Tim Allrich

Der Hauptbahnhof liegt in nordwestlicher Richtung zur Altstadt. Die erste Bahnstrecke Mecklenburgs wurde im Rahmen des Neubaus Berlin - Hamburg zwischen den fünf Staaten, Preußen, Mecklenburg-Schwerin, Dänemark, Lübeck und Hamburg am 8. November 1841 durch einen Staatsvertrag besiegelt. Mit Übernahme der Hälfte der Kosten durch Großherzog Friedrich Franz II. wurde die Strecke vom heutigen Hagenow-Land an Ludwigslust und Grabow vorbei nach Boitzenburg und später bis Kiel geführt. Am 10. März 1846 erhielt die Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn die Konzession zum Bau der Strecke Hagenow - Schwerin und sicherte die Verbindung zur Strecke Berlin - Hamburg. 

 

Zur Geschichte

Am 1. Mai 1847 wurde der Bahnhof am Luisenplatz eingeweiht. Er verfügte über einen externen Tunnel mit zwei Eingangspavillons. Sie wurden 1889 -1890 durch die heutige Empfangshalle ersetzt und um die sich südlich anschließenden Fürstenzimmer erweitert. 1927 wurde die repräsentative Eingangshalle unterhalb der Gleise erweitert und der externe Tunnel verfüllt. Der Brunnen mit der Bronzeskulptur, Rettung aus Seenot, 1910 von Hugo Berwald wurde auf dem Luisenplatz aufgestellt.

 


Zum Stil

Nach Plänen von Ernst Möller werden das Empfangsgebäude und die Tunneleingänge in historistischem Stil ausgeführt. Der mittlere Pavillon der Empfangshalle wird durch zwei niedrigere Zwischenglieder mit zwei Eckpavillons verbunden. Die eingerichteten Fürstenzimmer erhalten eine wandgebundene, historistische Innenausstattung zum Empfang der königlichen Hoheiten oder ihrer kaiserlichen Gäste.

Sakral- und Kulturbauten

Dom St. Marien
Dom St. Marien © Welterbe-Förderverein

1165 gründet Heinrich der Löwe das Bistum Schwerin. 1171 wird der Dom als Bischofskirche geweiht. Der Dom zu Schwerin zählt damit zu den ältesten und größten Kirchen der Backsteingotik in Norddeutschland. Mit dem 1889 - 93 errichteten Turm, auf einer Anhöhe gelegen, steht der Dom neben dem Schloss in herausgehobener Position über der Stadt. 

Seine Bestimmung als historisches kirchliches Machtzentrum und sein imposantes Erscheinungsbild bewogen Friedrich Franz II. im 19. Jahrhundert, die enge Verbindung von Kirche und Staat in seinem dynastischen Bauprogramm zu erneuern. Mit der Wiedereinrichtung als Grablege des Fürstenhauses zwischen 1842 – 1883 in der Heilig-Blut-Kapelle im Dom zu Schwerin, bezieht sich Friedrich Franz II. ebenso wie im Schlossumbau ausdrücklich auf seinen Ahn Herzog Johann Albrecht und die Reformation.

 

Zur Geschichte

Als Bischofskirche 1171 geweiht, entsteht ihr Nachfolgebau 1248/49. Zwischen 1265 – 1416 entstand die dreischiffige Basilika im Stil der Hochgotik, deren nördliche Teile bis heute weitgehend erhalten sind. Nach der Reformation ließ Herzog Johan Albrecht die herzogliche Grablege aus dem Münster in Doberan in die Heilig-Blut-Kapelle des Schweriner Doms verlegen und bekräftigte aufs Neue die unverbrüchliche Verbindung von Kirche und Staat.

Im nördlichen Teil des um den Chor laufenden Kapellenganges wurde sein jüngerer Bruder, Christoph (gest. 1592) und später dessen Gemahlin Elisabeth von Schweden bestattet. Sie beauftragte den niederländischen Bildhauer Robert Coppens und weitere bedeutende Künstler. Es ist das einzige bis heute erhaltene prachtvolle Grabmal des 16. Jahrhunderts in Schwerin.

 

Zum Stil

Die dreischiffige Basilika präsentiert sich im Stil der Hochgotik. Das heute dominierende Triumphkreuz stammt aus St. Marien in Wismar. Mit der bedeutenden erhaltenen Grabkapelle aus dem 16. Jahrhundert und der neu eingerichteten Grablege der Großherzöge 1842 sowie den 1882 – 1886 vorgenommenen Erneuerungsarbeiten in neugotischem Stil, wird der Dom erneut zum Symbol für die Einheit von Kirche und Staat.

Mit seiner neogotischen Ausstattung, dem Herrschaftsstand und der Funktion als Grablege der Großherzöge zu Mecklenburg Schwerin ist der Dom ein wesentlicher Bestandteil des Residenzensembles.

Schelfkirche St. Nikolai
Schelfkirche St. Nikolai © Lucas Scharfe, LHS

St. Nikolai ist der erste große Kirchenbau Mecklenburgs nach der Reformation im frühen 18. Jahrhundert und eine der wenigen barocken Backsteinkirchen in Norddeutschland. Der Zentralbau ist auf einem griechischen Kreuz errichtet. Nach Plänen des Ingenieurkapitains Jacob Reutz und nach dessen Tod von Leonhard Christoph Sturm vollendet, entsteht von 1708 - 1713 der Kirchenbau St. Nikolai mit Fürstenloge und Grablege in der Schelfstadt.

1853 beauftragte Friedrich Franz II. den Umbau der Innenausstattung der Kirche. Die durch Sturm verantworteten aufwändigen Säulenstellungen des 18. Jh. wurden entfernt und die Kirche erhielt ihre neugotische Prägung. Mit der Verlegung der Grablege nach St. Nikolai und der über das Kirchenschiff zu erreichenden Gruft der herzoglichen Familie, bekräftigten die mecklenburgischen Herzöge dieser Zeit, den Wandel hin zu einer aufgeklärten Regentschaft. Unterhalb der Orgel und erreichbar über den Turm liegt die Fürstenloge dem Altar gegenüber. Die seitlichen Emporen waren dem Militär vorbehalten.

 

Zur Geschichte

Herzog Friedrich Wilhelm verfügte die Grundsteinlegung auf den 15. Mai 1708, den 25. Geburtstag seines jüngeren Bruders Christian Ludwig. 1713 folgte die Weihe der Kirche und der Beginn ihrer Bestimmung als Grablege der Herzöge zu Mecklenburg Schwerin. Nach Jahren kontinuierlichen Niedergangs als Filialkirche des Doms, erhielt St. Nikolai am 14. August 1754 per Deklaration des Herzogs Christian Ludwig II. eine eigene Pfarr- und Gemeindeverfassung und zwei unabhängige Prediger. Kirche und Prediger erhielten Zahlungen aus der herzoglichen Kasse und das Recht die kirchlichen Sakramente eigenständig abzuhalten. Als Garnisons- und Stadtkirche gehörten alle Offiziere und Mannschaften, die herzoglichen wie die städtischen, einzig zu St. Nikolai, eingeschlossen die Einwohner der Schelfstadt.


Zum Stil

1853 beauftragte Großherzog Friedrich Franz II. den Land Baumeister Voss und Baumeister Krüger mit der Erneuerung der Kirchenausstattung. Altargemälde und Taufstein schuf Gaston Lenthe, Tischler- und Bildhauerarbeiten an der Großherzoglichen Fürstenloge übernahmen Tischlermeister Möhrer und Bildhauer Scholinus, die Fenster schuf Ernst Gillmeister in Grisaille. Der Archivar Georg Friedrich Lisch ordnete die Bestattungen in der Gruft neu. Eine Gedenktafel im Chor der Kirche führt nun alle in der Gruft beigesetzten Mitglieder des Hauses Mecklenburg-Schwerin auf. In dieser neugotischen Ausstattung der Kirche inszeniert Friedrich Franz II. das Gedächtniss seiner Vorfahren im Haus Mecklenburg neu. Er selbst wird im bekrönenden landesherrlichen Wappen am kunstvoll gestalteten Herrschaftsstand präsent. Dieser ist unterhalb der Orgel auf der Westseite des Kirchenraumes angebracht und über den Turm zugänglich. Nach 1983 und 1990 wurden die stark beschädigten Fenster in Anlehnung an die erste Verglasung mit Antikglas erneuert.

St. Paulskirche
St. Paulskirche © Welterbe-Förderverein

Als dritte Kirche mit besonderem Bezug zum erneuerten Machtanspruch des mecklenburgischen Fürstenhauses erbaut, wird die St. Paulskirche auf der höchsten Erhebung der Stadt errichtet. Prägnant bildet sie entlang der Schlossstraße, die fundamentale Sichtachse zur Niklot-Halle im Hauptturm des Schlosses und zu St. Nikolai oberhalb des Pfaffenteiches. Damit verbindet sie das Machtzentrum Schloss mit den stetig wachsenden Teilen der Stadt. Die neugotische Kirche ist bis heute in allen Teilen im Originalzustand erhalten.

 

Zur Geschichte

Im Auftrag des Großherzogs lieferte Baurat Theodor Krüger die Pläne für die von 1865 bis 1869 errichtete Pfarrkirche. Die Bausumme wurde zu weiten Teilen aus der Schatulle des Großherzogs finanziert, das fehlende Viertel stammte aus einer Privatstiftung, ursprünglich für den Turm des Doms bestimmt. Das Bau- und Ausstattungsprogramm der St. Paulskirche entspricht der Norm des von Theodor Kliefoth aufgestellten Programms für Kirchenbauten in Mecklenburg und gilt als deren Prototyp.

 

Zum Stil

Wie im Dom zu Schwerin bekundet, wird in der St. Paulskirche die politisch-theologische Strategie zur Herrschaftslegitimation in der Verknüpfung von Kirche und Staat erneuert. Im Rückgriff auf die Gotik, als unverbrüchliche Einheit von Glaube und herzoglicher Macht, wird die Absicherung eines guten und gemeinschaftsbezogenen Lebens beschworen. In der technischen Ausführung des Bauwerks setzt man moderne Materialen wie Eisen, Beton und Asphalt ein. Der stadtseitige Eingang auf der Südseite der Kirche war dem Großherzog und seinen Angehörigen vorbehalten. Von hier konnte er den prunkvoll ausgeführten Herrschaftsstand einfach erreichen. Hier steht der prunkvolle Baldachin auf der Südseite des Chores. Die Fenster, nach Entwurf des Düsseldorfer Historienmalers Gustav Stever und von Ernst Gillmeister gestaltet, zeigen das Programm des Oberkirchenrat Kliefoth mit der im reformatorischen Bildprogramm selbstverständlichen Darstellung Luthers vor dem Reichstag in Worms, oder Pribislaw, Sohn Niklots, der sich taufen ließ und seit 1170 der erste christliche Vertreter des Obotritenhauses war.

Hoftheater
Hoftheater am Alten Garten © Landesamt für Kultur & Denkmalpflege/Achim Bötefür

Das Alte Palais, das Kollegiengebäude, das Staatliche Museum Schwerin, sowie das Mecklenburgische Theater umrahmen den Platz am Alten Garten. Nachdem ein verheerendes Feuer den Vorgängerbau im Jahr 1882 vernichtete, entstand der heutige Bau zwischen 1883 und 1886 nach den Plänen des damaligen Hofbaumeisters Georg Daniel. Am Bau beteiligt war Gustav Hamann, der ab 1902 das Amt des Baudirektors der Stadt Schwerin innehatte. Bauherr war Großherzog Franz Friedrich III. 

Durch die Prominenz als direktes Gegenüber zum Residenzschloss ist das Theater als Hoftheater gekennzeichnet. Seit seiner ersten Einrichtung im früheren Ballhaus der Residenz befand es sich innerhalb der ehemals landesherrlichen Burgfreiheit des Schlosses. Mit der Kolossalstellung einer vorgestellten Säulenhalle findet die Vorstellung des 19. Jahrhunderts vom Musentempel des Regierungssitzes ihren Niederschlag. Das nach neusten technischen Erkenntnissen für Akustik und Lichtführung errichtete und ausgestattete Theater verfügte über die Versorgung mit elektrischem Licht aus eigenem Elektrizitätswerk. Bei seiner Eröffnung am 3. Oktober 1886 war das Schweriner Theater einer der fortschrittlichsten Theaterbauten seiner Zeit.

 

Zur Geschichte

Der Auftrag Herzog Johann Albrecht I. 1563 an Kapellmeister David Köler (*vor 1532, † 1565) eine Hofkapelle zu gründen, markiert den Beginn der Schweriner Musik- und Theatergeschichte. Diese Hofkapelle ist nach Dresden und Kassel das ältestes Orchester Deutschlands. Nach einem festen Engagement in Schwerin 1753 gründet der Schauspieler Conrad Ekhof (1720–1778) hier die erste deutsche Schauspielerakademie. Mit der Rückkehr des Hofes von Ludwigslust nach Schwerin finden seit 1836 wieder namhafte Aufführungen im Theater und im Dom statt; so das Zweite Norddeutsche Musikfest, 1840 unter Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy und der Mitwirkung von 150 Orchestermusikern und 340 Chorsängern. 1873 besucht Richard Wagner die Schweriner Aufführung seiner Oper "Der fliegende Holländer" und engagiert für die Eröffnung der Bayreuther Festspiele 1876 den Schweriner Sänger Johann Carl Hill. Nach einem Brand und vierjähriger Bauzeit fand am 3. Oktober 1886 die Einweihung des neuen Hauses statt.

 

Zum Stil

Hofbaumeister Georg Daniel verband im Neubau des Theaters Elemente der französischen und Italienischen Renaissance im Stil des Historismus. Der nach dem Brand errichtete historistische Theaterbau staffelt sich in die Tiefe des Raumes, um die Nähe zum Museum möglichst zu vermindern. Seine bedeutende Schauachse ist seinem Vorgängerbau folgend auf Schloss und Burgsee bezogen. Die Ostseite des Theaters hält als verglaste Loggia mit Terrasse und Vorplatz, die Auffahrt für den Großherzog bereit. Die Ecken des Hauses sind durch von Kuppeln überwölbte Risalite hervorgehoben. Sie finden ihren Widerhall in der Ausführung des ebenfalls an den Ecken bekröhnten Bühnenhauses.

Museum
Museum  © Tim Allrich

1876 beauftragt Großherzog Friedrich Franz II. den Architekten und Oberhofbaurat Hermann Willebrand (1816–1899) mit Planung und Bau des Großherzoglichen Museums in unmittelbarer Nähe zur Schweriner Residenz. Nach Abschluss der Planung äußert sich Willebrand seiner Zeit voraus, dass die gesamte Innenausstattung äußerst einfach ausgeführt werde, um eine Konkurrenz zwischen Bauplastik oder Raumbemalung und den ausgestellten Werken zu vermeiden. Friedrich Schlie (1839-1902), erster Direktor, zieht für das Museum die bedeutendsten Werke aus allen großherzoglichen Schlössern des Landes im Museum zusammen. 1891 klassifiziert Wilhelm Bode die Schweriner Gemäldegalerie als die bedeutendste nach Berlin Dresden, München und Wien. 1919 gehen Museum und Sammlungen in Landesbesitz über, bedeutende Außenstellen werden das Schlossmuseum 1921/1974, Schloss Güstrow 1972 und Schloss Ludwigslust 1986.

 

Zur Geschichte

Initiiert durch Großherzogin Alexandrine (1803 bis 1892) wurde der Neubau aus Reparationszahlungen des Krieges von 1870 - 1871 finanziert und konzipiert durch den technisch versierten Hofbaumeister Herrmann Willebrand (1816 - 1899). Er realisierte einen bahnbrechenden Museumsbau aus Eisen, Beton, Asphalt und Holz. Die eigens entwickelte Haustechnik sah eine gleichermaßen innovative Einbruchs- und Brandsicherheit, Heizung und Lüftung, aber vor allem eine situations- und ausstellungsgerechte Lichtführung vor, die das Haus zu einer von der Fachwelt gefeierten Neugründung machte.

 

Zum Stil

Den Wunsch nach „griechischer Renaissance“ deutete Herrmann Willebrand als Vorgabe für Klarheit und Konkretheit. Er lässt auf einem zweigeschossigen Sockelbau ein verkürztes Hauptgeschoss aufstreben. Ihm sind zum Platz „Alter Garten“ eine Säulenhalle und zum Hof ein Absidenrund vorgelagert. Eine Freitreppe führt in eine offene Halle, deren Gebälk von sechs ionischen Säulen getragen wird. Ein zweiter Eingang (Wintereingang) führt im Erdgeschoss durch eine gedeckte Einfahrt in das Museum. Im Inneren ermöglicht je eine weitere Halle den Eintritt in den 'Tresor' des Landes. Das aufstrebende Obergeschoss sieht Willebrand für die Herzogliche Sammlung der Gemälde vor. Das zweigeschossige Sockelgeschoss bleibt den dreidimensionalen Objekten der Geschichtlichen, der Archäologischen und der Mittelalter-Sammlung vorbehalten.

Verwaltung

Ministerpalais Münzstraße
Ministerpalais Münzstraße © LHS / Lucas Scharfe

Einer der repräsentativsten Bauten in der geschlossenen Häuserzeile an der Ostseite der Münzstraße ist die ehemalige Münzprägestätte das spätere Ministerhotel. Seine repräsentative klassizistische Form erhielt das Gebäude erst durch die von Landbaumeister Ludwig August Bartning vorgenommene Umgestaltung in den Jahren 1828/29. Unter Leitung von Baumeister Hermann Willebrand 1855 zum Amts- und Wohnsitz der jeweiligen mecklenburgischen Staatsminister ausgebaut, wurde es später daher auch als „Ministerhotel“ bezeichnet. Trotz dieser hochrangigen Bedeutung und Funktion fügt sich das Gebäude durch die wohlproportionierte Fassadengliederung harmonisch in die relativ kleinteilige Bebauung der Umgebung ein. 

 

Zur Geschichte

1778 wurde das als Wohnhaus errichtete repräsentative Gebäude im Autrag Herzog Friedrichs zur offiziellen Münzprägestätte Mecklenburg-Schwerin umgebaut. Zwischen 1828 bis 1829 gab Ludwig August Bartning, großherzoglicher Baumeister unter Großherzog Friedrich Franz, der Münzanstalt den gestiegenen technischen Bedürfnissen entsprechend, ihr heutiges Gesicht. Nach Einstellung der Münzprägung 1850, ließ Großherzog Friedrich Franz II. das Palais von 1855 bis 1858 durch Hermann Willebrand zur Wohnung der jeweiligen Staatsminister umbauen. Auch der Oberkirchenrat erhielt Räume im Ministerpalais in der Münzstraße. 

 

Zum Stil

Das siebenachsige, zweigeschossige Palais mit den seitlich anschließenden dreigeschossigen Eingangstürmen erhielt seine im Sockelbereich rustizierte Fassade bereits im Umbau des frühen 19. Jahrhundert.

Ministerpalais Puschkinstraße
Ministerpalais Puschkinstraße © LHS / Lucas Scharfe

An der Königsstraße, heute Puschkinstraße liegt gegenüber dem Palais Brandenstein, das repräsentative, ehemalige großherzogliche Ministerpalais, dessen Rückseite sich auf einen weitgehend erhaltenen Hof öffnet.

 

Zur Geschichte

Der Glaser Schwede errichtet das Haus 1773. Seit 1783/85 war Graf Bernhard Friedrich von Bassewitz Eigentümer des als „Haus mit dazugehörigem Flügel, Holz- und Pferdestall mit Wagenschauer“ beschriebenen Anwesens. Das durch Zukauf von zwei angrenzenden Grundstücken und Erweiterung zu einem repräsentativen Wohnhaus, bestimmt die Eleganz des heutigen Palais‘. Seit etwa 1820 befindet sich das Anwesen in großherzoglichem Eigentum. Nach grundlegendem Umbau und Anlage eines großem Saales zur Hofseite gelegen, war es als Dienstwohnung des Kammerpräsidenten ausgewiesen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wohnten  hier verschiedene Minister der Regierung. 1896 erfolgte die grundlegende Modernisierung des repräsentativen Anwesens zum Palais für den „Geheimen Rat“, den Ministerpräsidenten des Landes.

 

Zum Stil

Das neunachsige und zweigeschossige Fachwerkpalais verfügt in der Dachzone über zwei repräsentative, doppelachsige Mansard Aufbauten. Im Fachwerk der Fassade ist die Struktur der Einzelhäuser bis heute ablesbar. Der erhaltene geschlossene Hof der Anlage unterstreicht den Repräsentationscharakter des städtischen Adelshofes und späteren großherzoglichen Ministerpräsidenten-Palais.

Großherzogliches Amtshaus
Großherzogliches Amtshaus © Test

Das monumentale Verwaltungsgebäude liegt in nordwestlicher Lage zur Altstadt direkt am Pfaffenteich. Das Bauwerk wurde im Rahmen des Umzuges der Großherzoglichen Verwaltung von Ludwigslust nach Schwerin von 1842 -1845 errichtet.

Das Großherzogliche Amtshaus wurde von Großherzog Paul Friedrich in Auftrag gegeben und nahm nach Fertigstellung 1845 die Verwaltung des landesherrlichen Grundbesitzes im Domanialamt Schwerin auf. Neben den notwendigen Schreibstuben, den Räumen für die umfangreichen Aktenbestände und Sälen zur Repräsentation, waren in den Eckpavillons Dienstwohnungen untergebracht. 

 

Zum Stil

Das repräsentative, dreieinhalbgeschossige Bauwerk wurde nach Plänen von Ludwig August Bartning in klassizistischem Stil errichtet. Seine 23 achsige Fassade gliedert sich in einen dreiachsigen Mittelrisalit und die beiden Eckpavillons. Der nachgelagerte Hof beherbergte Ställe und Remisen sowie einen ausgedehnten Garten. Der Komplex unterstrich den repräsentativen Charakter des Großherzoglichen Verwaltungs-komplexes.

Großherzogliche Hausverwaltung
Großherzogliche Hausverwaltung © Welterbe-Förderverein

Die Großherzogliche Hausverwaltung, auch genannt Verwaltung des Großherzoglichen Hauses, steht an der Schloßstraße, Ecke Ritterstraße. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Ritterstraße befindet sich das Alte Palais. Gegenüberliegend der Schloßstraße steht das Kollegiengebäude I, die heutige Staatskanzlei.

 

Zur Geschichte

1883 -1884 erhielt der Architekt Rudolf Zöllner den Auftrag zum Bau des Hofmarschallamtes in dem der Hofmarsschall auch die Großherzogliche Hausverwaltung versah. Zeitweise war hier bis zu ihrem Umzug in das eigene Domizil in der Lindenstraße, die neu gegründete Ersparnisanstalt untergebracht. 1920 wurde das Palais mit dem repräsentativen Nachbarpalais verbunden. Seitdem nahm der prächtige Gebäudekomplex die  wechselnden Finanzverwaltungen auf.

 

Zum Stil

Auf einem fünfachsigen rustizierten Sockelgeschoss erhebt sich ein reich verzierter Mittelrisalit bis über die Zone des Dachgeschosses hinaus. Die Fenster tragen Dachbekrönungen aus Rund- und Dreiecksgiebeln im Wechsel  der Geschosse. Das rückgesetzte, schiefergedeckte Plateaudach mit den aufwändig ausgeführten Mansarden leistet die gewünschte Anlehnung an französische Architekturelemente des Barock. Das Innere der Belle Etage ist einem prunkvollen Saal von klassischer Strenge vorbehalten. Seine Decke ist in Form eines flachen Gewölbes ausgeführt das von einem höchst filigranen Maßwerk überfangen wird.

Kollegiengebäude I und II
Kollegiengebäude I mit dreitorigem Trimphbogen zu Kollegiengebäude II © LAKD / Achim Boetefuer

Vier Jahre geplant, neun Jahre gebaut: Die Konstruktion des Kollegiengebäudes ging von Anfang an durch mehrere Hände. 1819 hatte Johann Georg Barca erstmals Pläne für ein Regierungsgebäude entwickelt. Diese wurden verworfen und Carl Theodor Severin übernahm die Weiterentwicklung. Doch auch seine Ideen setzten sich nicht durch. Ab 1823 setzte Carl Heinrich Wünsch mit seinen Ideen den Stift an und beauftragte schließlich Georg Adolph Demmler mit der Bauleitung. Es konnte losgehen. Am 29. September 1825 wurde der Grundstein gelegt, im Dezember 1834 – also rund 9 Jahre später – wurde das Gebäude bezogen. Doch es blieb nicht, wie es war. Im Jahr 1865 wurde das Kollegiengebäude durch einen Brand zerstört, Hermann Willebrand machte neue Pläne und baute es wieder auf. Nach dem Vorbild des ersten Gebäudes wurde 1890 bis 92 das Kollegiengebäude II als Erweiterungsbau errichtet.

Doch auch die Vorgeschichte der Kollegiengebäude hat einiges zu bieten: Auf dem Gelände des heutigen Regierungsgebäudes stand etwa ab 1236 ein Franziskanerkloster. Das wurde im Zuge der Reformation 1548 aufgelöst und wie die Kirche im Jahr 1557, weitgehend abgetragen wurde. Erhaltene Gebäudeteile wurden fortan durch die Fürstenschule und im 17. sowie 18. Jahrhundert als Wirtschaftsgebäude des herzoglichen Marstalls genutzt. Beim Bau wurden wahrscheinlich Baumaterialien des ehemaligen Klosters verwendet. Bis 1918 war hier der Sitz des Großherzoglichen Staatsministeriums.

Heute werden die Gebäude als Staatskanzlei und Ministeriumsgebäude genutzt.

 

Zum Stil

Das Kollegiengebäude I ist eine klassizistische Dreiflügelanlage. Ein Sockel umläuft das Gebäude und trägt eine Terrasse. Der dreigeschossige Putzbau erinnert an den Stil des Berliner Schauspielhauses von Karl Friedrich Schinkel. Zentral auf der Nordseite steht das Portal, darüber befindet sich die Säulenhalle. Die beiden äußeren Flügel weisen Dreiecksgiebel auf. Säulenhalle und Außenflügel sind mit Sandsteinfiguren Emil Cauers bekrönt. Prunkstück allerdings ist das Treppenhaus mit gusseisernen tragenden Elementen und Geländer. Kabinettsaal und Kollegiensaal im ersten und zweiten Obergeschoss zeigen ein üppiges Parkett – wie alle Schweriner Repräsentationsbauten.

Gymnasium Fridericianum (Beamtenschule)
Gymnasium Fridericianum (Beamtenschule) © LHS

Der repräsentative Schulkomplex am Ostufer des Pfaffenteichs umfasst das Gymnasium und die Rektorenvilla vor einem großen Hofareal. Der elfachsige, zweigeschossige Backsteinbau dominiert das ansonsten durch Villenbebauung geprägte östliche Ufer des Pfaffenteichs. Zugleich stellt es die Sichtachsen über die Wasserfläche des Sees zu anderen Großherzoglichen Verwaltungsbauten am Westufer her.

 

Zur Geschichte

1867 beauftragt Friedrich Franz II. Hermann Willebrand mit dem Bau eines großen und modernen Gymnasiums zur Ausbildung angehender Eliten als Mathematiker, Juristen, Theologen und Staatsbeamte in Mecklenburg. Zwischen 1868 - 1870 wird der Schulkomplex fertiggestellt.

 

Zum Stil

In der Außenansicht des Fridericianums greift Willebrand den Stil der historischen Teile des Alten Schlosses auf. Die Sockelzone, Gesimse und die Attika heben sich eindrucksvoll von den hellen, rot gebänderten Wandflächen ab und verkörpern darin die erhabene Strenge einer Erziehungsstätte. Willebrand gibt dem Schulkomplex in der Verwendung von farbigem Ziegel eine moderne Prägung, betont jedoch gleichzeitig den hohen Anspruch und die Erhabenheit der Lehranstalt. Die vom Straßenniveau aufsteigende Treppe betont diese Funktion. Die Giebelzone des Mittelrisalits trägt Medaillons von Johan Albrecht und Ulrich III., die Giebel der beiden Eckpavillons Medaillons von Friedrich Franz I. und Friedrich Franz II. Die Medaillons sind in Terrakotta ausgeführt.

Landeshauptarchiv
Landeshauptarchiv © Welterbe-Förderverein

Über 800 Jahre Landesgeschichte in Akten geschnürt, gestapelt und ordentlich aufgehoben: Es ist beeindruckend, dass jeder Bestandteil des Schweriner Residenzensembles hier registriert und gut aufgehoben ist, genauso wie die sonstigen mecklenburgischen Aktenbestände. Was Vorpommern betrifft, wird heute in Greifswald aufbewahrt.
Das Landeshauptarchiv Schwerin ist damals fortschrittlich und vorausschauend gebaut worden – und: ganz ohne Kriegsverluste gehört es heute zu den bedeutenden Archiven in Deutschland.

Friedrich Franz der IV beauftragte den Bau des Geheimen und Hauptarchivs des Großherzogtums Mecklenburg. Mit ihm entstand von 1909 bis 1911 ein nach neuesten technischen Erkenntnissen errichteter Funktionsbau zur Lagerung von Archivalien. Realisiert wurde dieser durch den Bau- und Ministerialdirektor Paul Ehmig, der damals in mecklenburgischen Diensten stand. Doch es gab bereits Vorgängerbauten: 1701 nach der dritten Landesteilung wurden die beiden Residenz-Archive Güstrow und Schwerin in der Hofdornitz im Schweriner Schoss zusammengelegt. Beinahe 80 Jahre später wurde dies nach weiteren Zugängen mit dem Urkundenarchiv zum Geheimen und Hauptarchiv des Herzogtums, später des Großherzogtums.
1835 wurden die Bestände dann im Kollegiengebäude I untergebracht.
Und schließlich 1911 stand das neu erbaute Gebäude in der ehemaligen Beaugency Straße, heute Graf-Schack-Allee, zur Verfügung.

 

Zum Stil

Das Gebäude ist das jüngste der großherzoglichen Regierungsbauten, die zum Schweriner Residenzensemble gehören. Es besteht aus einem langgestreckten Verwaltungsbau und dem sieben Geschosse umfassenden Magazinbau. Zu seiner Gründung wurden 22 Meter lange Simplex-Betonpfähle in das moorige Erdreich getrieben. Das war bautech-nisch fortschrittlich, denn üblich waren bis dahin Holzpfähle. Um die Last der ungeheuren Aktenmenge zu mindern, entwickelte der Bau- und Ministerialdirektor Paul Ehmig eigens ein unbekleidetes selbsttragendes Stahlgerüst mit eingehängten Regalen. Die neue Technik des bahnbrechenden Gebäudes, mit Aufzug und Brandschutz, erregte überregionales Aufsehen. Auch die Farbigkeit und die Jugendstilmalerei im Foyer des Verwaltungsgebäudes sind baukünstlerisch etwas Besonderes. 

Und: Paul Ehmig hatte vorausschauend gedacht: Das Archiv kann auf dem Standort in zweierlei Richtungen erweitert werden.

Militär

Alte Artilleriekaserne
Alte Artilleriekaserne © Welterbe-Förderverein

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts ist Schwerin Hauptstandort für das Mecklenburgische Heer. Mit der Entscheidung, die Residenz des Landes Mecklenburg von Ludwigslust nach Schwerin zu verlegen, wurde auch das Gardebataillon in der Stadt stationiert. Schon 1816 wurde eine Kaserne gefordert, doch gut Ding wollte Weile haben. Erst 1856 wurde mit dem Bau begonnen, 1861 war die Kaserne schließlich fertig.

Im Zusammenhang mit der Neu- und Erweiterungsplanung der Schweriner Residenz wurde auch der Ausbau des Garnisonstandorts zu einem vordringlichen Ziel. Schutz und militärische Souveränität der Monarchie mussten baulich effizient in der Residenz präsent sein. Symbol-trächtige Blickachsen zwischen Schloss, Altem Garten und dem Kasernenstandort waren wesentlich für die Auswahl des Bauplatzes. Elemente aus Mittelalter und Renaissance sind in den typischen Bauten des Historismus vereint – orientiert an preußischen Kasernen des 19. Jahrhunderts. Als monumentale Dreiflügelanlage mit nach außen orientierten Schaufassaden präsentierte sich der Kasernenneubau eindrucksvoll der Stadt gegenüber. Repräsentative Ecktürme und ein dreiachsiger Vorsprung in der Mitte bilden den seeseitigen Gebäudeteil und den abschließenden Hintergrund für die Schlossgarten-Anlage. So wurde auf die architektonische Gesamtkomposition der Residenzanlagen mit unmittelbaren Sichtbezug zum bzw. vom Schloss aus eingegangen.

Die Alte Artilleriekaserne gilt als eine der größeren planmäßig errichteten Kasernen des 19. Jahrhunderts in Mecklenburg. Der Bau unterlag dem Militärbaumeister Ludwig Wachenhusen. Im Erdgeschoss wurden bis zu 100 Pferde, Wagen und Geschütze untergebracht. Die Räume in den Ecktürmen waren den Offizieren und ihren Familien als Wohnungen vorbehalten. Küche und Speiseräume, Wäschemagazin, Waschküche, Rollkammer und Nebenräume befanden sich im gewölbten Kellergeschoss. Die Dachräume wurden als Trockenböden und während der Manöver als Schlafsäle genutzt.

 


Zum Stil

Das Ensemble wurden im Stil mittelalterlicher Festungsbauten, der Wehranlage eines Kastells, gestaltet. Dies verleiht dem Gebäudekomplex mit seiner Lage auf der Anhöhe des Ostorfer Bergs eine besondere visuelle, wie auch städtebaulicher Bedeutung. Architektonisch besteht dabei eine auffallende Ähnlichkeit mit dem 1840-44 errichteten Arsenal am Pfaffenteich.

Die Preußischen Kappendecken und die gestaffelten Nutzungsabläufe im Inneren der Kaserne finden sich ansonsten nur noch in der Görlitzer Kaserne und dem Arsenal in Wien. Insofern ist die Artilleriekaserne in Schwerin eine der letzten vollständig erhaltenen Bauten dieser Art.

Neue Artilleriekaserne
Neue Artilleriekaserne  © Welterbe-Förderverein

Schon 1858 gab es ein erstes Kasernenareal am Ostorfer Berg. Die Neue Artilleriekaserne sollte 1900 diesen Komplex erweitern. Das Offizierskasino markiert die repräsentative Mitte, unmittelbar gegenüber dem Schloss- und Regierungssitz des Großherzogs gelegen. Umgeben wird das Ganze von einer schmiedeeisernen Tor- und Zaunanlage, teilweise mit floralen Elementen – mehr malerisch als militärisch.

Von 1897 bis 1900 übernahm Baurat Oscar Wutsdorff aus dem Preußischen Kriegsministerium die Planung und Beaufsichtigung der Baumaßnahme. Und diese war für das „Großherzoglich Mecklenburgische Feldartillerie-Regiment Nr. 60“, die IV. Abteilung des Holsteinischen Feldartillerie-Regiments Nr. 24 sowie weitere Regimentsgebäude in Schwerin. Die festliche Einweihung fand am 3. April 1900 in der neuen Offiziersmesse statt. Vom Belvedere des Turmes bot sich den Offizieren und ihren Gästen ein herrlicher Rundumblick auf den Kasernenstandort.

 


Zum Stil

Der Baukomplex der Neuen Artilleriekaserne umfasst das langgestreckte Quartiershaus und das Unteroffizier-Wohnhaus. Die drei- und dreieinhalbgeschossigen Gebäude sind verputzt und zeichnen sich durch prägnante Backsteingliederungen aus. Die rund- und stichbogigen Fenster sowie abgestuften Giebel mit charakteristischem Terrakottaschmuck verweisen auf die Bauten des 16. Jahrhunderts im nahegelegenen Schloss. Der mittlere Vorsprung des Quartierhauses mit der Reiterdarstellung aus dem Schweriner Stadtwappen vermittelt den regionalen hoheitlichen Bezug. Dagegen verweisen die eingestellten kleinen Rundpfeiler und die gekuppelten Rundbogenfenster auf die Hochromantik der Kaiserdome. Die Verbindung dieser verschiedenen Elemente war etwas Besonderes: Baurat Oscar Wutsdorff gelang damit ein Kasernenbau, der in der Hand des Deutschen Reiches lag, die Herleitung der eigenen Legitimität aus der Reichsgeschichte herstellte und doch regionale Architekturbezüge aufweist.

Offizierscasino
Offizierscasino © Tim Allrich

Seit 1900 erhebt sich das Offizierskasino malerisch auf dem Ostorfer Berg, oberhalb der barocken Rasenkaskade und als Abschluss der Hauptachse des Schlossgartens. Direkt gegenüber liegt das Schloss. Die reich geschmückte Offiziersmesse markiert den Mittelpunkt zwischen Alter und Neuer Artilleriekaserne. Hier waren die preußisch-deutschen Kaiserlichen Reichstruppen stationiert.

Zwischen 1897 und 1900 übernahm Oskar Wutsdorff, Baurat des Preußischen Kriegsministeriums, die Planung und Leitung für die Kasernenneubauten in Schwerin. Trotz der Aufgabe, eine Kaserne des Kaiserreiches zu errichten, gelingt es Wutsdorff, in Abstimmung mit dem Schweriner Regenten Johann Albrecht, Elemente des regional relevanten Baustils mit den Anforderungen einer Kaiserlich-Preußischen Gesamterscheinung zu verbinden. Es entstand ein Kasernenensemble, das als eines der wenigen in Deutschland bis heute überdauerte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Offizierskasino von der Sowjetischen Armee genutzt. Davon zeugen die Sowjet-Sterne in den eisernen Einfahrtstoren. Nach Abzug der Truppen 1992 ging das Offizierskasino in Privatbesitz über, stand leer und verfiel. 2012 kaufte die Unternehmensgruppe Hydraulik Nord das Areal und führte seit Mai 2015 umfangreiche Sanierungsarbeiten durch. Heute sind in dem historischen Gebäude Repräsentations-, Beratungs- und Büroräume untergebracht.

 


Zum Stil

Wie eine Neorenaissancevilla erbaut, zeigt die Schaufassade der Offiziersmesse Richtung Schweriner Schloss. Ihr markantes Detail an der rechten Ecke ist ein Flankierungsturm, dessen Belvedere über eine Spindeltreppe erreichbar ist. Von hier aus bietet der Turm einen umfassenden Rundumblick. Die Fassaden sind mit Terrakotten und Formziegeln schmuckvoll gestaltet. Über den Rundbogenfenstern zeigen die Formen mittig den preußischen Adler, verziert mit der kaiserlichen Krone. Flankiert wird er von den mecklenburgischen Wappenschilden mit Greif und Stier und bekrönt durch den Herzogenhut. Im Schmuckgiebel finden sich weitere aufwendig gestaltete Wappenschilde.

Arsenal
Arsenal © Welterbe-Förderverein

Das eindrucksvolle großherzogliche Ensemble des Arsenals erstreckt sich am Südwestufer des Pfaffenteichs. Das imposante Bauwerk lenkt den Blick des Flaneurs über den Pfaffenteich und bindet ihn zugleich. Der Pfaffenteich hat eine Fläche von etwa 12 Hektar die am Nordwestufer durch den Aubach gespeist wird. Wasserstand und -abfluss in den Ziegelinnensee werden durch ein am Nordufer gelegenes Wehr reguliert.

Nach Plänen Georg Adolf Demmlers wurde das Arsenal von 1840 bis 1844 von den Architekten Herrmann Willebrand und Gottlieb Ruge als Zeughaus errichtet. Die Entscheidung Großherzog Paul Friedrich, die Residenz von Ludwigslust nach Schwerin zu verlegen, betraf auch die Garnison des Garderegiments. Zu Beginn der inszenierenden Bebauung des Pfaffenteichs boten die Planungen der beiden großherzoglichen Verwaltungsbauvorhaben den Anlass für die Befestigung des Areals der nach Westen kaum gewachsenen mittelalterlichen Stadt im Umfeld des historischen Pfaffenteichs. Nach dem I. Weltkrieg wurde die Polizei im Arsenal untergebracht. Nach dem II. Weltkrieg fanden bis 1947 Flüchtlinge eine Zuflucht. Nach Gründung der DDR nutzte die Schweriner Bezirksverwaltung den großen Verwaltungskomplex als Sitz der Volkspolizei.

 

Zum Stil

Der Stil des Arsenals ist der "Tudor-Gotik", der englischen Spätgotik nachempfunden, die typisch für die ersten Jahrzehnte des Historismus ist. Die massigen Türme des Mittelrisalits und der Eckpavillons sind durch die gesamte Zinnenbekrönung der Traufe mit den eleganten Kantentürmchen verbunden. Die durchgängige Fugenquaderung der Wandflächen geben dem Bauwerk den burghaften Charakter. Zeitgemäß durch einen lichten Anstrich verfeinert hatte der großherzogliche Verwaltungskomplex die Anmutung eines repräsentativen herrschaftlichen Palais am Wasser.

Kommandantenhaus
Kommandantenhaus © Maik Schwarz

Am Südufer des Pfaffenteichs besticht das höchst repräsentative und in eleganter Schlichtheit ausgewiesene Kommandantenhaus, Dienst- und Wohnsitz des Kommandanten des Grenadiergarde-Bataillons. Noch im Vorfeld der Verlegung der Residenz von Ludwigslust nach Schwerin, hatte für Großherzog Paul Friedrich die Verlegung und Modernisierung des Mecklenburger Militärs äußerste Priorität.

Als zehnjähriger bereits dem Ludwigsluster Grenadier-Garde-Bataillons beigetreten, 22-jährig zum Mecklenburg-Schweriner Generalmajor berufen, war Erbherzog Paul Friedrich seit 1830 dessen Chef. Als er 1837 die Regentschaft als Großherzog übernahm, widmete er sich weiter vordringlich einer umfassenden Reform des Mecklenburger Militärs: der Ausbildung, Ausstattung und Ausrüstung der Mecklenburger Einheiten. Zur notwendigen Erweiterung der Stadt boten ihre Außenbezirke die besten Voraussetzungen: der Ostdorfer Berg, die Werderstraße, die Reifferbahn. Als erstes Bauprojekt dieser Reform und Modernisierung stand das von 1836 – 1837 durch Georg Adolph Demmler erbaute Kommandantenhaus.

 

Zum Stil

Dem Kanon der klassizistischen Gliederung entsprechend, weisen die Eingänge und Fenster der Sockelzone in den Fassaden des Fachwerkbaus Rundbögen auf. Die Fensterhöhen der Beletage und Dachzone erscheinen je Etage relational verkürzt. Die bis heute erhaltenen Ziergiebel mit stukierten Helmen in der Beletage verweisen auf die historische Funktion des Amtssitzes. 1883 gelang der Komplex durch Tausch in private Hände.

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