Einmal im Jahr lädt die Landeshauptstadt Schwerin neu eingebürgerte Schwerinerinnen und Schweriner zu einer offiziellen Einbürgerungsfeier ein. Die Geladenen haben zu diesem Zeitpunkt bereits das förmliche Verfahren durchlaufen und ihre Einbürgerungsurkunde im Stadthaus erhalten, doch soll der feierliche Rahmen ein zusätzliches Zeichen des Respekts und der Anerkennung für den oft jahrelangen, anstrengenden Weg bis zur Staatsbürgerschaft setzen.
Der Wunsch nach Einbürgerung ist in der Landeshauptstadt weiterhin ungebrochen: 452 Schwerinerinnen und Schweriner haben im vergangenen Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. In diesem Jahr waren es bisher 185 Einbürgerungen. 862 Anträge müssen noch bearbeitet werden.
Zur jährlichen Einbürgerungsfeier im Demmlersaal des Rathauses begrüßten Stadtpräsidentin Mandy Pfeifer und Oberbürgermeister Sebastian Ehlers Eingebürgerte aus dem zweiten Halbjahr 2025 und dem ersten Halbjahr 2026. Viele hatten auch ihre Angehörigen mitgebracht. Der aus Mauretanien stammende Informatiker Diagana, der heute bei einem Schweriner Unternehmen Sicherheitskonzepte zur Absicherung von Solarparks in Deutschland, Europa und weltweit entwickelt, berichtete in seiner Festrede über seinen Werdegang, das Ankommen in Schwerin und die Erfahrungen bei der Einbürgerung. Musikalisch wurde die Veranstaltung durch den Schülerchor der Astrid Lindgren Schule sowie Eyad Mahfoud auf seiner Oud gestaltet.
In der Landeshauptstadt Schwerin leben derzeit 12.068 Ausländerinnen und Ausländer. „Der Einbürgerungswille der Zugewanderten ist seit dem Jahr 2025 erneut deutlich gestiegen. Das ist nicht überraschend, da Einbürgerungen seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts am 27. Juni 2024 nunmehr schon nach fünf Jahren Aufenthaltsdauer in Deutschland möglich sind. Auch die mit der Gesetzesänderung ermöglichte Hinnahme der Mehrstaatigkeit befördert den Einbürgerungswunsch“, bestätigt die Leiterin der Schweriner Ausländerbehörde Conny Schwentner.
„Oft sind es Kriege und Unruhen, die Menschen zwingen, ihre Heimatländer zu verlassen, aber nicht nur: Immer mehr Menschen kommen aus dem Ausland hierher, um hier zu arbeiten. Kliniken, Pflegeheime, Gastronomie, Logistikdienste würden längst nicht mehr funktionieren ohne ausländische Fachkräfte. Sie arbeiten, sie lernen oder studieren in Deutschland, verlieben sich und gründen Familien. Im besten Falle werden sie heimisch in unserer Stadt. Die Entscheidung für die deutsche Staatsbürgerschaft ist in jedem Fall ein Bekenntnis zu den Werten in unserem Land. Sie ermöglicht auch die volle politische Teilhabe“, sagte Oberbürgermeister Sebastian Ehlers in seiner Festrede.
243 Frauen und 209 Männer aus 54 Staaten wurden im zurückliegenden Jahr eingebürgert. Die Älteste war zum Zeitpunkt der Einbürgerung 86 Jahre alt und hatte die türkische und die US-amerikanische Staatsangehörigkeit inne, der Jüngste 9 Monate und wurde als syrischer Staatsbürger in Schwerin geboren.
Die meisten Eingebürgerten kamen aus Syrien (175), der Russischen Föderation (41), der Ukraine (35), Afghanistan (17) und Iran (16). Außerdem waren zum Beispiel Brasilien, Ägypten, Armenien, Irak, Türkei und Bulgarien als Herkunftsstaaten vertreten.
Um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen, zählt nicht allein der Wille des Antragstellers. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass diejenige oder derjenige im Regelfall einen fünfjährigen Aufenthalt in der Bundesrepublik vorweisen kann. Im Falle der Eheschließung bzw. Lebenspartnerschaft mit einem oder einer Deutschen ist eine verkürzte Wartezeit möglich.
In jedem Fall muss ein Einbürgerungstest bestanden werden. Sprachkenntnisse müssen durch eine Prüfung nachgewiesen werden. Darüber hinaus dürfen die Antragsteller nicht vorbestraft sein. Sie müssen die demokratische Rechtsordnung der Bundesrepublik anerkennen. Es wird außerdem vorausgesetzt, dass sie ihren Lebensunterhalt in Deutschland selbst bestreiten.
