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Schweriner Original verstorben: Treckfiedel-Hanne zum Gedächtnis 22.01.2021

Das Bild entstand 2016 anlässlich der Verleihung des Gillhoff Preises. © H. Rumler

von Dr. Jakob Schwichtenberg

Am 12. Dezember 2020 verstarb Hannelore Hinz. Die unter ihrem Künstlernamen „Treckfiedel-Hanne“ bekannte Autorin, Alleinunterhalterin, Moderatorin und Musikerin wurde 90 Jahre alt. Am 17. Juni 1930 wurde sie in Rostock geboren, wenig später erfolgte der Umzug nach Schwerin. Mit der Landschaft, den Menschen und der Sprache war sie tief verwurzelt, so verwundert es kaum, dass diese Heimatliebe sich wie ein roter Faden durch ihr Schaffen zieht. Schwerins Kulturdezernent Andreas Ruhl würdigte Hannelore Hinz künstlerisches Engagement, dass viel zum Erhalt des Niederdeutschen in der Landeshauptstadt und in Mecklenburg-Vorpommern beigetragen hat: „Sie war nicht nur in Schwerin bekannt und geachtet, sondern weit über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus eine Botschafterin unseres schönen Schwerins.“

Bevor Hannelore Hinz 1978 freischaffend als Unterhaltungskünstlerin ihrer Berufung folgen konnte, hatte sie eine Stellung bei der Deutschen Post. Hier war sie im Fernmeldebereich tätig, zuletzt als Ingenieur-Ökonom. Neben der Arbeit gehörte sie seit 1971 auch dem Zirkel schreibender Arbeiter unter der künstlerischen Leitung der Schweriner Schriftstellerin Ann-Charlott Settgast an. Ihre ersten literarischen Geh- und Stehversuche gaben ihr das nötige Selbstvertrauen für den späteren Lebensweg. Auch im Rundfunk war sie zwischen 1974 und 1977 als freie Mitarbeiterin tätig. „So as jede anne Minsch bün ok ick tau mien’ Namen unschüllig kamen. Wenn’t nah mi gahn wier, harr ick hüt nich so heiten. Hinz. Wat’s dat för ’n Namen? […] Kein bäten Poesie sitt in em.“

In Hannelore Hinz steckte in allen Adern und Fasern die Freude am kreativen Schaffen  – dem prosaischen Nachnamen zum Trotz. Zahllose Auftritte auf den großen und kleinen Bühnen Mecklenburgs zeugen davon. In ihren Werken stellte sie das Gute und Freundliche der Menschen in den Mittelpunkt, ohne die trüben und dunklen Seiten des Lebens zu kaschieren. So sind ihre literarischen Arbeiten mehr als nur verlustieren, sondern vielmehr wohnen in ihnen Tiefsinnigkeit, Witz und Geist. Im wahrsten Wortsinn waren ihre Gedichte volkstümlich und zugleich weit davon entfernt von Plattitüden und Allgemeinplätzen behaftet zu sein.

Veröffentlicht sind zahlreiche ihrer frühen Arbeiten in ihrem 1998 erschienen Buch „Glücksknüüst“. Hinzu kommen CD-Aufnahmen mit ihrer stetigen Begleitung und Namensgeberin der Treckfiedel.

Als Schwerinerin und geborene Rostockerin lag ihr das Wasser nah. So verwundert es wohl kaum, dass sie mit eigenem Faltboot, später sogar ein Kanu mit „Butenborder“, die heimischen Gewässer durchstreifte und in der Natur „rümbuterte“. Nicht nur zu Wasser war Hannelore Hinz mobil, sondern auch mit dem Auto. Eine oft von ihr berichtete Anekdote über den Empfang des „Begrüßungsgeldes“ in Ratzeburg erzählt viel über ihren Charakter. Wenige Tage nach der Grenzöffnung reiste die Schwerinerin in die eng mit Mecklenburg verbundene Inselstadt Ratzeburg. Das Begrüßungsgeld wollte sie jedoch nicht umsonst annehmen: „Dat Geld so nähmen un nicks dorfür daun…Min Treckfidel müßt ran.“

Auch in die Arbeit der Schweriner Volkshochschule „Ehm Welk“ brachte Hannelore Hinz sich ein. Seit 1979 unterrichtete sie Niederdeutsch und half auch hier das Erbe ihrer geliebten Muttersprache zu erhalten. Im Jahr 2016 übergab ihr die Johannes Gillhoff Gesellschaft den gleichnamigen Preis für ihr Lebenswerk. Zuletzt lebte das Schweriner Original in Klein Trebbow im Seniorenheim.

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