Zum gemeinsamen Gedenken an den 65. Jahrestag des Mauerbaus laden die Landeshauptstadt Schwerin, die Landeszentrale für politische Bildung und der Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur am 13. August um 10 Uhr am Demmlerplatz in Schwerin ein.
Am 15. Juni 1961 erklärte der DDR-Staats- und SED-Parteichef Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Nur 59 Tage später, in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961, begann der Bau der Berliner Mauer. Tausende Soldaten und Polizisten riegelten die 80 offiziellen Übergänge ab. Straßen wurden aufgerissen und Zäune errichtet. Hunderte Menschen kamen durch das Grenzregime der SED an der Berliner Mauer und der Grenze an Land und See ums Leben. Die Berliner Mauer entwickelte sich zum Symbol der innerdeutschen Teilung bis 1989.
Außerhalb Berlins aber wurden bereits ab dem Jahr 1952 Sperrzonen an der innerdeutschen Grenze eingerichtet. Die Anlagen waren nicht nach außen, sondern nach innen gerichtet. Die Grenzanlagen wurden durch doppelte Stacheldrahtzäune gesichert und später durch Minen, Hunde und Selbstschussanlagen ergänzt, um eine hermetische Abriegelung zu gewährleisten. Im Dezember 1957 wurde durch eine Änderung des Passgesetzes jeder Versuch, die DDR zu verlassen, zu einer strafbaren Handlung erklärt.
Mandy Pfeifer, Stadtpräsidentin der Landeshauptstadt Schwerin, erklärt: "Viele Menschen erinnern sich an ihre Jugend in der DDR - an die erste Fahrt auf der Simson, an Freundschaften, an unbeschwerte Momente. Diese Erinnerungen gehören zu ihrer Lebensgeschichte und verdienen Respekt. Sie dürfen aber niemals darüber hinwegtäuschen, dass die DDR eine Diktatur war. Sie hat Menschen eingesperrt, Familien getrennt, viel Leid gebracht und einigen sogar das Leben gekostet. Gerade deshalb müssen wir jungen Menschen vermitteln, was die Friedliche Revolution und die Wiedervereinigung dem Osten geschenkt haben: Freiheit, Demokratie und die Möglichkeit, das eigene Leben selbst zu gestalten. Erinnerung ist kein Blick zurück, sie ist ein Auftrag für unsere Zukunft."
Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, führt aus: „An der 231 Kilometer langen Grenze in Mecklenburg starben mehr als 30 Menschen, mindestens 135 Menschen kamen bei Fluchtversuchen in der Ostsee ums Leben. Die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen. Zahlreiche weitere Menschen wurden bei dem Versuch oder bei der Planung ihrer Flucht verhaftet und zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die Grenze, ihre Opfer und das Leid, das sie bedeutet hat, erinnern uns auch heute daran, wir kostbar Demokratie, Freiheit und Menschenrechte sind.“
Burkhard Bley, Landesbeauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur für Mecklenburg-Vorpommern, ergänzt: „Mit dem Mauerbau vom 13. August 1961 schloss sich für die Menschen in der DDR endgültig der Eiserne Vorhang. Die SED-Führung errichtete gegen das eigene Volk ein perfides und unmenschliches Grenzregime. Wir gedenken an diesem Tag der Opfer des SED-Unrechts und setzen ein Zeichen für Demokratie und Freiheit.“
Das Gerichtsgebäude am Demmlerplatz in Schwerin diente zu jener Zeit als Sitz der Bezirksverwaltung der Staatssicherheit. Hier befand sich auch das Untersuchungsgefängnis, in dem Menschen nach Fluchtversuchen inhaftiert, isoliert, verhört und psychisch unter Druck gesetzt worden waren. Am 13. August 2026 soll an all jene erinnert werden, die Opfer des DDR-Grenzregimes geworden sind.
Termin:
Donnerstag, 13. August 2026, 10:00 Uhr, Demmlerplatz Schwerin, an der Tafel für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft
Rückfragen:
Landeszentrale für politische Bildung
Mecklenburg-Vorpommern
Tel.: 0385 588 18950
