Mehr als zehn Jahre lang hat der Drache „Nandolino“ am Schweriner Pfaffenteich Kinder, Spaziergänger und Touristen begeistert. Nachdem die ursprüngliche Holzskulptur im Laufe der Jahre stark verwittert und schließlich nicht mehr zu retten war, ist der Glücksdrache seit einem Jahr dauerhaft zurück – und zwar in Bronze. Nun soll das Kunstwerk nach einer Schenkung an die Landeshauptstadt übergehen. Am Dienstag hat der Hauptausschuss einstimmig der Vorlage zugestimmt. Auch die Stadtvertretung muss über die Annahme der Schenkung entscheiden.
Im vergangenen Jahr wurde die 1,90 Meter hohe und 3,50 Meter lange Skulptur offiziell enthüllt. Geschaffen wurde sie vom Schweriner Künstler Nando Kallweit, der das Projekt von Beginn an mit großem persönlichem Engagement begleitet hat. In seiner Werkstatt entstand zunächst ein Holzmodell, das anschließend in einer Gießerei in Münster in Bronze gegossen wurde. Eine dunkle Patina schützt die Skulptur vor der Witterung. Berührungen sind ausdrücklich erwünscht: Dort, wo viele Hände über die Oberfläche streichen, soll mit der Zeit das warme Gold der Bronze sichtbar werden.
„Es war mir eine Herzensangelegenheit, die Skulptur neu zu erstellen und meinen Teil für Schwerin beizutragen. Ich war über die Unterstützung vieler engagierter Menschen sehr beeindruckt“, sagt Nando Kallweit, Künstler und Kulturpreisträger der Stadt Schwerin.
15.000 Euro Spenden und 24.000 Euro Sachleistungen
„Die neue Nandolino-Skulptur ist ein besonderes Beispiel dafür, was durch eine öffentliche Crowdfunding-Aktion durch einen Verein und gemeinschaftliches Engagement in Schwerin möglich ist. Rund 15.000 Euro an Spenden wurden von Bürgerinnen und Bürgern, Stiftungen, Unternehmen und Firmen zusammengetragen. Hinzu kamen gespendete Sachleistungen im Wert von rund 24.000 Euro“, sagt Oberbürgermeister Sebastian Ehlers auf.
„Zahlreiche Unternehmen und Privatpersonen unterstützten das Vorhaben unbürokratisch – vom Fundament über Transportleistungen bis hin zu weiteren Arbeiten, die für die Aufstellung der Bronzeskulptur notwendig waren. Auch der Künstler selbst verzichtete dabei auf die Bezahlung für seine Arbeit“, ergänzt Kulturdezernent Silvio Horn.
Kleinere Beiträge machten dabei einen großen Unterschied. Anstelle von Geschenken zu ihren Geburtstagen sammelten Unterstützer Spenden, andere organisierten kleine Konzerte und sammelten. Viele Schwerinerinnen und Schweriner beteiligten sich mit direkten Kleinspenden, aus dem Verkauf eines besonderen Gins eines Händlers wurden Spenden generiert. Andere stellten unkompliziert Leistungen und Material zur Verfügung. So wurde aus einer Idee ein großes gemeinsames Projekt.
Bald gehört Nandolino der Stadt
Nach dem Votum der Stadtvertretung kann die Skulptur als Schenkung in das Eigentum der Landeshauptstadt Schwerin übergehen. Damit ist auch die Zukunft des Drachens gesichert. Die Stadt wird künftig dafür Sorge tragen, dass die Bronzeskulptur gepflegt und langfristig erhalten bleibt.
„Alle Beteiligten haben dieses Projekt zur Herzensangelegenheit gemacht. Der Drache steht auf städtischem Grundstück und kann sich nun sicher zu Hause fühlen. Wir werden auf ihn aufpassen“, verspricht Dirk Kretzschmar, Leiter des Kulturbüros der Stadt.
Für Heiko Stolp, Initiator der Schweriner Drachenbootfestivals in Schwerin und selbst als Privatperson Unterstützer der Spendenaktion, schließt sich damit ein Kreis. „Der ursprüngliche Drache war aus Holz und schon stark verwittert. Mit der Bronzeskulptur werden alle was davon haben. Zahlreiche Spenden von Schwerinerinnen und Schwerinern und vor allem ein unheimlich großartiges ehrenamtliches Engagement haben dazu geführt, dass der Drache nun ein sicheres Zuhause hat.“
Stolp bedankt sich ausdrücklich bei allen Beteiligten: „Ich danke der Stadt, dem Albatros-Verein, der die Geldspenden organisierte, der Agentur maxpress für die engagierte Begleitung und vielen weiteren Unternehmen für diese uneigennützige Umsetzung.“
Ein Glücksdrache für Schwerin
Nandolino ist dabei mehr als nur eine Skulptur. Der Drache hat eine besondere Verbindung zum Schweriner Drachenbootsport und soll auch künftig über die Veranstaltungen am Pfaffenteich wachen. In der chinesischen Kultur gilt der Drache als Symbol für Glück, Stärke und Schutz. Schon jetzt ist er aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Kinder, die ihn anfassen, Familien, die vor ihm stehen bleiben, Touristen, die Fotos machen – und unzählige Hände, die dafür sorgen, dass unter der dunklen Patina Stück für Stück das goldene Bronze-Metall zum Vorschein kommt.
