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Jüngster Giraffennachwuchs im Zoo Schwerin musste eingeschläfert werden 03.07.2026

Der Zoo Schwerin musste am gestrigen Donnerstag sein jüngstes Giraffenkalb einschläfern. Der am 23. März geborene Bulle fiel in den vergangenen Wochen durch einen sich verschlechternden Allgemeinzustand und Auffälligkeiten der Körperhaltung auf. Alle Therapieversuche blieben ohne sichtbare Verbesserungen. In den vergangenen Tagen trat eine erneute Verschlechterung ein und das Kalb wirkte zunehmend lethargisch. In enger Abstimmung mit den Veterinärbehörden wurde aufgrund fehlender Aussicht auf eine absehbare Besserung entschieden, den Bullen von seinen Leiden zu erlösen.Das Kalb, das den Namen „Kato“ trug, wurde am 23. März von Giraffenkuh „Daisy“ im Zoo Schwerin geboren. Wenige Stunden nach der Geburt zeigte sich, dass die Mutter das Kalb nicht trinken ließ. Nach Rücksprache mit dem Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EAZA Ex-situ Programm, kurz EEP) der Nubischen Giraffen, zu denen auch die Giraffen im Schweriner Zoo zählen, entschied der Zoo, Kato mithilfe einer Teilhandaufzucht mit der Flasche aufzuziehen. Abgesehen von der besonderen Fütterung lief das Kalb normal in der Gruppe mit und wurde von den anderen Giraffen akzeptiert.

Ca. zwei Monate nach der Geburt fiel Kato, der die Fütterungen gut angenommen hatte, mit abnehmender Bewegungsfreude und teilweise untypischen Körperhaltungen auf. Dabei schaute er mit zunehmender Häufigkeit mit gestrecktem Hals nach oben und lehnte seinen Kopf und Hals häufig an Wände oder Baumstämme. Dies kann ein Hinweis auf Schmerzen im Rücken- oder Halsbereich sein und wurde als mögliche Entlastungshaltung interpretiert. Entsprechend der beobachteten Symptomatik erfolgte zunächst eine medikamentöse schmerz- und entzündungshemmende Therapie. Zudem wurden prophylaktisch zusätzlich weitere wichtige Vitamine und Mikronährstoffe supplementiert.

Therapieansätze brachten keine Besserung

Leider konnte trotz unterschiedlicher Therapieansätze keine Besserung erzielt werden. Eine umfassende weiterführende Untersuchung, inklusive Blut- und Röntgenuntersuchung, des Kalbs wurde daraufhin unter Narkose durchgeführt. Diese deutete auf Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule hin.

Zoodirektor Dr. Tim Schikora: „Bei der Behandlung der Giraffe stand für uns im Vordergrund, das Tier so wenig wie möglich zusätzlich zu belasten. Daher erfolgte zunächst die medikamentöse Behandlung. Eine Narkose bringt immer Risiken mit sich, sie war aber in Katos Fall nach Ausbleiben einer Besserung zwingend geworden. Leider haben die Befunde den Verdacht bestätigt, dass die Fehlhaltungen sehr wahrscheinlich aufgrund einer Knochenveränderung im Bereich der Halswirbelsäule auftreten. Dies bedeutete eine schlechte Prognose, was die Verbesserung der Lebensqualität angeht. Eine Operation bei einem Tier dieser Größe im Bereich der Halswirbelsäule stellt aus veterinärmedizinischer Sicht keine Option dar. Dementsprechend gab es aus unserer Sicht keine geeigneten weiteren Behandlungsmöglichkeiten.“

Die Veterinäre haben versucht, mit schmerz- und entzündungshemmenden sowie antibakteriellen Medikamenten doch noch eine Besserung zu erzielen, jedoch vermied der kleine Bulle immer mehr jegliche Form der Bewegung. In enger Abstimmung mit dem Veterinäramt entschied der Zoo daraufhin, die Giraffe mittels Euthanasie zu erlösen.Um weitere Informationen zum Zustand des Tieres zu erhalten, veranlasste der Zoo im Anschluss umgehend eine pathologische Untersuchung der Giraffe. Dabei bestätigte sich bei der CT-Untersuchung die Diagnose einer Fraktur im Halswirbelbereich am Übergang zur Brustwirbelsäule. Wie der Bruch ursächlich zustande kam, lässt sich nicht genau sagen.

Schikora: „Ursächlich könnte ein ungünstiger Zusammenstoß im sozialen Spiel oder bei einer Auseinandersetzung mit einem anderen Tier aus der Gruppe gewesen sein. Diese Formen der körperlichen Kommunikation sind bei Giraffen durchaus üblich. Auch ein Sturz ist möglich, unter Umständen bereits beim Geburtsvorgang, bei dem die Tiere aus einer entsprechenden Höhe auf den Boden fallen. Trotz regelmäßiger tierpflegerischer Kontrollen ließ sich kein konkretes Ereignis beobachten, das die Verletzung erklären würde. Dass Tiere sich Verletzungen zuziehen, lässt sich trotz intensiver Pflege und hoher Haltungsstandards leider nicht vollständig ausschließen.“

Verlust für den Zoo und die Zuchtbemühungen für die Nördlichen Giraffen

Die Nubischen Giraffen (früher bekannt als Rothschildgiraffen) im Zoo Schwerin sind eine Unterart der Nördlichen Giraffe. Mit einer Population von noch rund 7000 Exemplaren zählen die Nördlichen Giraffen zu den am stärksten bedrohten Großsäugetieren der Welt. Die Zucht und Haltung in wissenschaftlich geführten Zoos ist ein wichtiger Bestandteil des „One-Plan-Approachs“, der Artenschutzbemühungen in den natürlichen Lebensräumen der Tiere sowie den Aufbau gesunder Reserve-Populationen in zoologischen Einrichtungen vorsieht. Der Tod der jungen Giraffe ist somit nicht nur ein Verlust für den Zoo Schwerin, sondern auch für das internationale Artenschutznetzwerk für die Nördlichen Giraffen.

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