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Neue Spielstätte des Mecklenburgischen Staatstheaters: Modellprojekt „Theater als Triebkraft demokratischer Stadtteil-Entwicklung“ 24.08.2021

Das Mecklenburgische Staatstheater plant ab September 2022 für die Dauer der Sanierung des E-Werks eine neue Spielstätte einzurichten: Standort werden die ehemaligen Druckhallen der Schweriner Volkszeitung auf dem Großen Dreesch sein © Mecklenburgisches Staatstheater GmbH

Das Mecklenburgische Staatstheater wird in der Spielzeit 2022/2023 in Schwerin eine neue Spielstätte eröffnen. Das E-Werk am Pfaffenteich wird voraussichtlich ab Sommer 2022 saniert, deswegen braucht es eine neue Bühne, die allerdings viel mehr als eine „Ersatzspielstätte“ für das E-Werk sein wird. Denn in dem Modellprojekt, das für die Zeit von Herbst 2022 bis 2025 angelegt ist, geht es neben einem auf den Standort zugeschnittenen künstlerischen Profil auch um Stadtteil-Entwicklung. Die neue Spielstätte soll Modellcharakter haben, wie man einen Theaterbetrieb zeitlich in die Gegenwart und räumlich hin zur Bevölkerung öffnet und unterschiedliche städtische Milieus miteinander verbindet.

Bedeutung des E-Werks für das MST
Das E-Werk als Studiobühne ist seit 1998 ein wichtiger Standort des Mecklenburgischen Staatstheaters am Schweriner Pfaffenteich. Hier sind bis Ende der Spielzeit 2021 / 2022 alle sechs Sparten des MST mit Inszenierungen und Konzerten zu erleben. Auch für die Theaterpädagogik ist dieser Ort unverzichtbar, sei es für Workshops oder Jugendclubs. Mangelnde bauliche Voraussetzungen, vor allem hinsichtlich des Brandschutzes, machen eine Sanierung im kommenden Jahr unerlässlich.

Theater als Triebkraft demokratischer Stadtteil-Entwicklung
Deswegen plant das Mecklenburgische Staatstheater ab September 2022 für die Dauer der Sanierung des E-Werks eine neue Spielstätte einzurichten: Standort werden die ehemaligen Druckhallen der Schweriner Volkszeitung auf dem Großen Dreesch sein.
Die Studie des WZB für Sozialforschung von 2018 “Wie brüchig ist die soziale Architektur unserer Städte? Trends und Analysen der Segregation in 74 deutschen Städten” bescheinigt
Schwerin, die am meisten segregierte Stadt Deutschlands zu sein. Die Überwindung der Segregation ist erklärtes Ziel aktueller Politik. Eine Spielstätte des MST auf dem Großen Dreesch kann einen unschätzbaren Beitrag dazu leisten, diese Segregation abzubauen und die Durchlässigkeit der Stadtteile enorm zu erhöhen. Das geschieht ganz konkret durch die Mischung des Publikums, aber auch durch die geschärfte Wahrnehmung der segregierten Stadtteile untereinander. Darüber hinaus ermöglicht es die kulturelle Teilhabe von Menschen, die traditionell eher weniger mit Kultur in Berührung kommen.
Die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, Bettina Martin, lobt das Vorhaben des Staatstheaters: „Ich bin begeistert von dem neuen Ansatz, den das Mecklenburgische Staatstheater (MST) mit dem geplanten Modellprojekt verfolgt. Theater kommt zu den Menschen und führt sie zusammen. Die neue Intendanz setzt sich damit nicht nur das ehrgeizige Ziel, neue Zielgruppen für das Theater zu gewinnen. Vor allem geht es aber darum, auch neue Theaterformen auszuprobieren und Theater gemeinsam mit den
Menschen vor Ort zu machen. Dieses Modellprojekt auf dem Großen Dreesch wird mit den ehemaligen Druckerhallen nicht nur einen hochspannenden neuen Raum für Vorstellungen aller Sparten bieten, sondern auch neue Zugänge zu Kunst und Kultur schaffen. Wir dürfen gespannt sein. “

Zahlen und Fakten
Jährlich sollen ca. 400.000 Euro des künstlerischen Etats in künstlerische Projekte der neuen Bühne fließen. Über 100 Künstler:innen des Mecklenburgischen Staatstheaters werden über die Spielzeit hinweg den neuen Spielort und damit den Stadtteil beleben. Der Modellcharakter dieser Spielstätte bietet zudem das Potential, Fördermittel, beispielswiese aus der Bundeskulturstiftung, einzuwerben.

„Elfenbeinturm trifft Plattenbau“
Die Hallen der ehemaligen Druckerei der Schweriner Volkszeitung, direkt am Eingang zum Stadtteil Großer Dreesch gelegen, sind ein idealer Ort, der als temporäre Spielstätte den sechs Sparten des Mecklenburgischen Staatstheater viel Raum für kreativen Output bietet. Ein Teil des künstlerischen Profils des jetzigen E-Werks wird mit in die neue Spielstätte übernommen werden. Das heißt, “klassische” Theaterformen, die ein bürgerliches Publikum ansprechen und die Teil der kulturellen Bildung für ein neues Publikum darstellen, werden weiterhin in der neuen Spielstätte gezeigt. Damit soll das angestammte Publikum mitgenommen und gleichzeitig die kulturelle Teilhabe am Theater-Kanon für neue Publikumsschichten ermöglicht werden. Ein weiterer Aspekt der Theaterarbeit am neuen Standort ist die (Weiter-) Entwicklung neuer Theaterformen. Diese neuen Formen müssen in enger Zusammenarbeit mit den vor Ort schon tätigen Akteuren aber vor allem auch in engem Kontakt mit der im Stadtteil wohnenden Bevölkerung entwickelt werden.
Generalintendant Hans-Georg Wegner: „Theater verbindet: Es ermöglicht die Wahrnehmung, Sensibilität und Verständnis füreinander. Der Spielplan an unserem neuen Standort wird durch eine Mischung von klassischem Kanon und neuen, partizipatorischen Theaterformaten Menschen zusammenführen, die bisher kaum Berührungspunkte in der Stadt hatten. Das wird eine enorme, spannende künstlerische Herausforderung!”

Zukunft beginnt heute
Ein umfangreiches, von Stadt und Land getragenes Entwicklungsprojekt der Wohnungsbaugesellschaft Schwerin soll auf dem Dreesch attraktiven Wohnraum vor allem für jüngere Menschen, Familien und Besserqualifizierte schaffen. Die Errichtung einer Theaterspielstätte in diesem Stadtteil wird dazu beitragen, den Dreesch als lebenswerten, lebendigen Wohnort erlebbar zu machen.
Dr. Rico Badenschier, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Schwerin: „Was ich an unserem E-Werk als Spielstätte so schätze, wird auch in den alten Druckerhallen der Schweriner Volkszeitung möglich werden: kreatives, junges, experimentelles Theater mit alternativen Formaten und tollen Konzerten und das an einem ungewöhnlichen Ort. Ich wünsche mir ganz viele alte und neue Theaterfreund:innen, Begegnungen und Austausch im Süden unserer Kulturstadt.“

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