Was haben das Schweriner Schloss, Schloss Chambord an der Loire, ein französischer Hofmaler, ein Fass Rotspon und ein Französischkurs gemeinsam? Sie alle erzählen eine Geschichte, die Schwerin und Frankreich verbindet. Jetzt soll daraus etwas Neues entstehen: persönliche Begegnungen, Freundschaften und vielleicht sogar eine Städtepartnerschaft.
Dazu lädt die Landeshauptstadt am 4. September 2026 ab 20.15 Uhr in die Volkshochschule „Ehm Welk“, Puschkinstraße 13, im Rahmen der „Langen Nacht der Volkshochschule“ ein. Gesucht sind Menschen, die Frankreich mögen, Französisch lernen oder sprechen, gerne reisen, Kontakte nach Frankreich haben oder einfach neugierig sind. Sie können sich kennenlernen, Ideen austauschen und gemeinsam überlegen, wie aus einzelnen Verbindungen ein lebendiges Netzwerk werden kann.
Im besten Fall entsteht daraus ein Verein, der eine Städtepartnerschaft mit einer französischen Stadt auf den Weg bringt. Doch zunächst geht es um den ersten Schritt: Wer sind die Menschen in Schwerin, die Frankreich im Herzen tragen?
„Wer genau hinschaut, entdeckt in Schwerin erstaunlich viele Verbindungen nach Frankreich. Jetzt wollen wir diese Menschen zusammenbringen. Vielleicht entsteht daraus eine neue Freundschaft zwischen Schwerin und einer französischen Stadt, vielleicht sogar eine Städtepartnerschaft. Entscheidend ist aber zunächst die Begegnung: Wer Lust auf Frankreich hat, soll in Schwerin Gleichgesinnte finden und sich vernetzen können“, sagt Kulturdezernent Silvio Horn. Seit längerem gibt es die Idee, eine Städtepartnerschaft mit einer französischen Stadt zu begründen; das Netzwerktreffen soll hierfür die Möglichkeiten ausloten und Mitwirkende zusammenbringen. „Wir wissen, dass es einen französischen Stammtisch in der Landeshauptstadt gibt und Kontakte von Vereinen und lose organisierten Gruppen nach Frankreich. Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele dieser frankophilen Menschen nun einmal zusammenkommen.“
Französische Spuren, Schweriner Geschichten
Wer auf das Schweriner Schloss blickt, schaut ein Stück weit ins Loiretal. Hofbaurat Georg Adolf Demmler ließ sich 1844 bei seiner Studienreise nach Frankreich und England insbesondere von der französischen Renaissance und speziell vom Schloss Chambord inspirieren. Auch das Neustädtische Palais erhielt im ausgehenden 19. Jahrhundert eine an die französische Renaissance angelehnte Fassadengestaltung. Im Staatlichen Museum Schwerin befindet sich zudem die weltweit größte Sammlung von Werken und Zeichnungen des französischen Hofmalers Jean-Baptiste Oudry (1686–1755) und zahlreiche Werke des französischen Mitbegründers der Konzeptkunst, Marcel Duchamp (1887–1968).
Und es gibt eine Verbindung, die bis heute alljährlich gepflegt wird: Am 11. November bringt der Lübecker Martensmann auf seinem traditionellen Weg über Rehna ein Fass Rotspon nach Schwerin. Der Brauch reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück und wurde 1991 wiederbelebt. Anstatt des früheren Rheinweinmost wird heute jedoch Rotspon – ein französischer Rotwein, der in Lübeck gereift ist – ausgeschenkt. Ein Schluck französische Tischkultur kommt dabei jedes Jahr auf einem historischen Weg nach Schwerin.
Daneben gibt es die schwierigen Kapitel der gemeinsamen Geschichte. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 waren französische Kriegsgefangene in Schwerin untergebracht. Der Franzosenweg und das später errichtete Denkmal auf dem katholischen Friedhof an der Wismarschen Straße erinnern bis heute daran.
Heute stehen andere Verbindungen im Mittelpunkt. Schwerinerinnen und Schweriner lernen Französisch, reisen nach Frankreich, pflegen persönliche Kontakte oder begeistern sich für französische Kultur, Musik und Küche.
Für das Treffen braucht es weder perfekte Französischkenntnisse noch einen fertigen Plan. Willkommen sind alle, die Frankreich mögen und Lust haben, sich einzubringen. Ob Französischlernende, Frankreichreisende, Kulturschaffende, Lehrkräfte, Vereinsmitglieder, Unternehmen oder Menschen mit persönlichen Verbindungen nach Frankreich: Entscheidend ist die Freude an Begegnung und die Bereitschaft, gemeinsam etwas aufzubauen.
Das gesamte Programm der Langen Nacht der Volkshochschule finden Sie unter: https://www.vhs-schwerin.de/news-artikel/lange-nacht-der-volkshochschule-am-4-september
Termin: Freitag, 4. September 2026, 20.15 Uhr
Volkshochschule Schwerin, Raum 2, Puschkinstraße 13, 19055 Schwerin
