Am Sonntag, 21. Juni, wird weltweit der Welt-Giraffentag begangen – der Aktionstag für das höchste Landtier der Erde. Der Zoo Schwerin nimmt diesen Tag zum Anlass, um auf den besorgniserregenden Gefährdungsstatus der Giraffen in der Natur aufmerksam zu machen. Um den Schutz dieser bedrohten Tierart im natürlichen Lebensraum zu unterstützen, hat der Zoo eine besondere Aktion geplant: Alle freiwillig geleisteten „Umwelt-Euros“ (UWE), die am Wochenende des 20. und 21. Juni eingenommen werden, fließen an die renommierte Giraffe Conservation Foundation (GCF). Gäste unterstützen damit im Zuge ihres Zoobesuchs eine konkrete Artenschutzinitiative.
Stiller Rückgang der wildlebenden Giraffen
Die Unterstützung ist dringend notwendig. Aktuelle Erhebungen der Giraffe Conservation Foundation zeigen, dass die Bestände in einigen ehemaligen Kernlebensräumen um bis zu 95 Prozent in den vergangenen 30 Jahren zurückgegangen sind. Gleichzeitig haben Giraffen innerhalb der vergangenen 300 Jahre rund 90 Prozent ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes verloren und sind bereits in sieben afrikanischen Ländern ausgestorben. Hauptursachen sind Lebensraumverlust, die Fragmentierung von Lebensräumen, politische Instabilität, Wilderei sowie die Auswirkungen des Klimawandels.
Nubische Giraffen im Zoo Schwerin
Derzeit leben fünf Nubische Giraffen im Zoo Schwerin. Durch ihre Haltung und erfolgreiche Zucht beteiligt sich der Zoo am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EAZA ex-situ Programm; kurz EEP) der Europäischen Zoovereinigung EAZA. Ziel des Programms ist es, eine genetisch gesunde Reservepopulation aufzubauen und langfristig zum Erhalt der Art beizutragen.
Lange Zeit galten alle Giraffen als Unterarten einer einzigen Art. Untersuchungen der GCF und ihrer Forschungspartner haben jedoch gezeigt, dass es sich tatsächlich um vier eigenständige Giraffenarten handelt. Im Zuge dieser Neubewertung wurden auch einzelne Unterarten neu eingeordnet. Die im Zoo Schwerin gehaltenen Tiere waren vielen Besucherinnen und Besuchern bislang als Rothschildgiraffen bekannt. Heute werden sie als Nubische Giraffen bezeichnet und zählen zur Art der Nördlichen Giraffe (Giraffa camelopardalis). Die Neubewertung unterstreicht die besondere Bedeutung ihres Schutzes, da die Nördliche Giraffe zu den am stärksten bedrohten Säugetieren der Erde zählt.
Nur noch 4.000 Tiere in der Natur
Nach aktuellen Schätzungen leben nur noch rund 7.000 Tiere in Afrika in ihren ursprünglichen Verbreitungsgebieten. Von der Nubischen Giraffe (Giraffa camelopardalis camelopardalis) existieren in Äthiopien, Kenia, Uganda und Südsudan lediglich noch etwa 4.000 Individuen.
Die Arbeit der GCF: Forschung und Schutzmaßnahmen
Die Giraffe Conservation Foundation ist die weltweit einzige Naturschutzorganisation, die sich ausschließlich dem Schutz und Management wildlebender Giraffen widmet. Neben bahnbrechender genetischer Forschung setzt die Organisation zahlreiche Schutzprojekte vor Ort um. Ein zentraler und erfolgreicher Baustein sind sogenannte Schutzumsiedlungen (Translokationen). Dabei werden Giraffen aus übervölkerten oder akut gefährdeten Regionen in historisch angestammte, sichere Gebiete zurückgebracht, um dort neue, überlebensfähige Populationen zu gründen. Flankiert werden diese Einsätze durch die Initiierung und Ausarbeitung nationaler Schutzpläne und Strategien in enger Zusammenarbeit mit den afrikanischen Verbreitungsstaaten und lokalen Partnerorganisationen. Ziel ist es, den Schutzrahmen auf politischer Ebene langfristig zu festigen, den anhaltenden Lebensraumverlust zu stoppen und bislang unzureichend untersuchte Regionen intensiver zu überwachen.
Das Wochenende mit der Spendenaktion im Zoo Schwerin bietet die Möglichkeit, Aufmerksamkeit für die bedrohten Tiere zu schaffen und konkrete „in-situ“-Schutzprojekte – also Projekte im natürlichen Lebensraum der Tiere – zu unterstützen.
