UNANGEPASST ... Manfred Kastner - Hermann Lindner – ?Jan Jastram

Einladung_KWW_Kastner_Lindner_Jastram_Titel © Kunst-Wasser-Werk e. V.

UNANGEPASST

Manfred Kastner - Malerei

Grafik Hermann Lindner – Malerei

Jan Jastram - Skulptur

Ausstellungseröffnung: Samstag, 02.06.2018 um 17:00 Uhr

Einführung: Silke Dähmlow, Kunsthistorikerin, Berlin

Musikalische Begleitung: Theo Jörgensmann, Klarinette, Brüel

Ausstellungsdauer: 02. Juni - 15. Juli 2018


Unter dem gemeinsamen Titel "UNANGEPASST" zeigt der Verein Kunst-Wasser-Werk e. V. Werke dreier eigenwilliger wie prägender lokaler Künstler, die jeder auf seine Art beharrlich und Konventionen zum Trotz ihre Spuren in der Kunstlandschaft hinterlassen haben. Erinnert wird an die einst in Stralsund wirkenden Maler und Grafiker Manfred Kastner (1943 - 1988) und Hermann Lindner (1934 - 2000). Dazu werden Plastiken des heute in Stralsund lebenden Bildhauers Jan Jastram gezeigt.

Die surrealistisch anmutenden Architekturen, meist menschenleere Industrielandschaften, Bahnhöfe, leerstehende Kasernen mit rauchenden Schlöten Manfred Kastners, haben auch 30 Jahre nach seinem Tod nichts von ihrer Wirkkraft eingebüßt. Der künstlerische Autodidakt lebte ein vielschichtiges, intensives Leben, dabei entstanden seine wesentlichen Werke in nur kurzer, gut 10jähriger Schaffenszeit. Jäh endete sein Leben 1988 bei einem Autounfall auf Rügen, wo er in seinen letzten Jahren zu Hause war.

Kastner war vieles bis er ab Mitte der 70er Jahre als freischaffender Künstler - repressiv geduldet - in der DDR leben konnte: zunächst als Dreher ausgebildet, später Fachpräparator für Zoologie, wurde er 1963 durch das Ministerium für Staatssicherheit verpflichtet - ehe er sich 7 Jahre später von dieser Last wieder befreien konnte. Er selbst wurde bis zu seinem Tod als "sozialismusfeindlicher Künstler" von der Staatssicherheit observiert. Ein Studium an der Fachschule für angewandte Kunst Heiligendamm blieb ihm 1970 verwehrt. Dennoch wuchsen seine künstlerischen Ambitionen neben seiner Arbeit als Bühnenbildner im Theater Stralsund und als Restaurator für mittelalterliche Tafelmalerei und Skulptur. 1979 wurde er nach zweimaliger Ablehnung schließlich doch in den Verband bildender Künstler der DDR aufgenommen.

Doch seine surrealisitischen Gemälde, die ihre Vorbilder in Max Ernst oder Giorgio de Chirico haben, folgten nicht dem propagierten "sozialistischen Realismus" jener Zeit, sondern wurden mit ihren phantastischen, suggestiven Motiven als Provokation empfunden. Dabei war Kastner nicht nur mit seiner künstlerisch anspruchsvollen lasierenden Ölmalerei ein Meister seines Fachs. Auch seine

 

späteren mehrfarbigen Lithographien zeugen von hoher technischer Qualität, mit denen er sich, allen Gängelungen zum Trotz, einen bleibenden Stellenwert erarbeitet hat. In der Ausstellung wird sowohl mit seinen Arbeiten in Öl als auch mit Grafiken an das nonkonforme Werk Manfred Kastners erinnert.

Ähnlich zäsurreich liest sich auch die Vita und der künstlerische Werdegang von Hermann Lindner: geboren 1934 in Leipzig, aufgewachsen in Stralsund, absolvierte er zunächst eine Malerlehre im väterlichen Betrieb, ging dann jedoch an die Fachschule für angewandte Kunst Heiligendamm und im Anschluss 1956 an die Kunstakademie Stuttgart. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er auf Wunsch der Familie das Malergeschäft in Stralsund. Der dann folgende Versuch, das Studium in Stuttgart fortzusetzen, endete für ihn und seine Frau an der innerdeutschen Grenze. Es folgten zwei Jahre Haft und der Entzug der Gewerbeerlaubnis. Denkmalpflegerische Aufträge halfen seine Familie zu ernähren.

Trotz der Aufnahme 1964 in den Verband Bildender Künstler der DDR wurde ihm mit seinen expressiven farbigen, zunehmend abstrakten Landschaftsmotiven und Stilleben jahrelang die Anerkennung verwehrt. Fern jeglicher offizieller Kunstauffassung und den von ihm gemiedenen entsprechenden Kreisen, ohne Möglichkeiten auszustellen und ohne Aufträge, blieb er dennoch seinen Idealen treu. Seine eigentliche künstlerische Tätigkeit beginnt erst 1976 mit der Teilnahme an einem Künstler-Pleinair in Bulgarien - obwohl seine künstlerischen Ansätze und Leitbilder bereits in seiner Stuttgarter Akademiezeit ausgeprägt wurden. Das Erfassen des Menschen in seiner natürlichen Umwelt, aus der Farbe abgeleitete Form, Fläche und Raum, "Malerei als Erscheinungsform durch Licht"(Lindner) - auf diesen ästhetischen Elementen baut in seinen Garten-, Landschafts- und Figurenbildern seine ganz eigene künstlerische Sprache auf. Dabei werden seine Bildmotive abstrakter, gehen figürliche in ungegenständliche Räume über, die Formensprache wird immer reduzierter.

Als eine "Überwindung des Naturalistischen zur Form hin" bezeichnete er selbst am Ende seines Daseins seinen künstlerischen Anspruch. Nach schweren Krankheiten stirbt Hermann Lindner im Jahr 2000. Die Ausstellung bildet mit zahlreichen Gemälden und seinen charakteristischen Aquarellen den künstlerischen Werdegang im umfangreichen Werk Lindners ab.

Jan Jastram, geboren 1958 in Rostock, lernte zunächst Tischler, studierte danach Holzgestaltung an der Fachschule für Angewandte Kunst in Schneeberg. Von ihm sind in dieser Ausstellung seine unverkennbaren schwarzen, z. T. auch farbigen, archaischen Skulpturen aus Holz und aktuelle Arbeiten aus Papier zu sehen. Jastram, freischaffender Bildhauer seit 1987, lebt und arbeitet heute in Stralsund, nach Schaffens-Stationen in Ahrenshoop und Schwerin. Seine stark abstrahierten Personen und Objekte aus dem bevorzugten Material Holz sind roh mit der Kettensäge herausgearbeitet, die Formgebung kubisch, grob, dabei gleichzeitig oft überraschend filigran. Seine Werke, meist aus Eichenstämmen geformt, folgen damit den Vorgaben und der Seele des Materials, das Holz gibt die Form frei, die Jastram in ihm sucht.

Seinen Skulpturen, auf festem Grund stehend oder leichtfüßig schwebend, ist eines zumeist gemeinsam: nach dem Sägen werden sie gebrannt, um die Oberfläche zu glätten und der Form ihren unverwechselbaren Charakter zu geben. Damit kontrastieren sie eindrucksvoll zu den Grafiken und Gemälden seiner ehemaligen Stralsunder Künstlerkollegen, deren Werke in dieser Ausstellung gewürdigt und wieder in die Jetztzeit geholt werden.

Die Ausstellung im Alten Wasserwerk in Schwerin-Neumühle wird am Samstag, den 02. Juni 2018 um 17 Uhr eröffnet. Die Berliner Kunsthistorikerin Silke Dähmlow gibt eine Einführung in die Ausstellung und das Werk der drei Künstler. Der Jazzmusiker Theo Jörgensmann begleitet die Vernissage mit feiner Klangkunst auf seiner Klarinette.

Geöffnet ist die Schau bis einschließlich Sonntag, 15. Juli immer von Freitag bis Sonntag jeweils 14 bis 18 Uhr.

Am Freitag, den 29.06.2018 wird im Rahmen der Ausstellung das Berliner Jaspar Libuda Trio (Kontrabass-Gitarre-Perkussion) auftreten. 

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Ort der Veranstaltung

Kunst-Wasser-Werk e. V.

Neumühler Straße 80
19057 Schwerin
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