© Julia Kausch / Ideenentwurf (Modell)
William Wolff war weit mehr als Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern – er war ein Mensch mit großem Herzen und Verstand. Intellektuell, bescheiden und humorvoll war er ein Vorbild für Toleranz und Menschlichkeit.
Das Erinnerungswerk hebt den bescheidenen William Wolff bewusst nicht auf einen Sockel. Stattdessen wird sein Portrait als lebensnahes, zugängliches Werk mitten im öffentlichen Raum platziert. Die Skulptur zeigt Wolff leichten Schrittes, in der rechten Hand seinen Hut, in der linken ein Buch mit dem Namen »Samuel Holdheim« als Titel. Auf der oberen Kante des Buches sitzt ein Meisen Vogel.
William Wolff war ständig in Bewegung. Er reiste fortwährend quer durch Europa, zeichnete sich aber auch durch seine geistige Wendigkeit aus. Um dieser Beweglichkeit gerecht zu werden, wird er leichten Schrittes dargestellt.
Der geknautschte Hut – für Hutträger ein Fauxpas – beschreibt seine sympathische Nonchalance mit weltlichen Dingen.
Das Buch verweist auf Wolffs Liebe zur Literatur (Zitat William Wolff: »Zuhause ist, wo die Bücher sind«) und steht sinnbildlich für das liberale Judentum: Vernunft, Bildung, Offenheit. Samuel Holdheim, einer der Vordenker des liberalen Judentums im 19. Jahrhundert, macht die geistige Verbindung zwischen Wolff und Holdheim sichtbar.
Die Meise symbolisiert Lebensfreude, Freiheit, Neugier und Gemeinschaft – ein Spiegelbild von William Wolffs gesamtem Habitus. Sie schafft einen Moment der Begegnung, der den flinken Schritt des Rabbiners verlangsamt und seine bekannte Lebensfreude zum Vorschein bringt.
Durch Standort und schreitende Darstellung entsteht der Eindruck, William Wolff würde gerade den Markt überqueren. Die leicht gedrehte Figur mit zur Seite gewendetem Kopf ermöglicht es Betrachtenden, aus verschiedenen Blickachsen die symbolhaften Attribute und den offenen Ausdruck wahrzunehmen.
Julia Kausch