Grenzsteine

Grenzsteine

Grenzstein um 1500 © Stadtgeschichtliche Sammlung / Jakob Schwichtenberg

Dass eine scheinbare Gartendekoration sich als sprechendes Zeugnis der Schweriner Stadtgeschichte herausstellt, ahnen wohl die wenigsten Besucher des Freilichtmuseums für Volkskunde Schwerin-Mueß, wenn sie über das Museumsgelände spazieren. Doch verbindet sich mit der Geschichte und Funktion dieser Steine ein bisher nur wenig beachteter Bereich der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtgeschichte Schwerins.

Flüchtig besehen scheint an den 68 bzw. 95 cm hohen Granitsteinen nichts Bemerkenswertes hervorzustechen. Doch wer genauer hinsieht entdeckt bei dem fast ein Meter hohen Objekt, dass aus dem harten Material ein Kreuzrad sowie einen angedeuteten Krummstab herausgearbeitet wurden (Inv. Nr.: 4520 VK). Auch der kleinere Stein trägt Symbole. Eingeschlagen in den Granit sind abermals ein Kreuzrad und die Initiale CL (Inv. Nr.: 4519 VK). Doch was bedeuten diese Zeichen? Beschäftigt haben sich in den vergangenen neunzig Jahren schon mehrere Forscher mit dieser Frage. Und doch haben sich alle am harten Granit der Findlinge ihre Zähne ausgebissen. Auch der berühmte Archäologe Robert Beltz musste dies bekennen. Im Jahr 1922 schrieb er:

„Kaum eine Frage ist mir seit Jahren von Altertumsfreunden in Schwerin so oft gestellt wie die nach der Bedeutung gewisser mit Zeichen versehener Granitgeschiebe in der Umgebung von Schwerin. Ich habe diese Frage nicht beantworten können und bisher auch niemand dazu gefunden und übergebe nun das Material der Öffentlichkeit, ob jemand glücklicher ist.“

Beltz Vermutung, dass es sich um Grenzsteine handeln könnte, hat sich durch Aktenfunde bestätigt. Ein Protokoll aus dem Jahr 1768 schafft Klarheit. Wiederholt war es zum Streit über den Grenzverlauf zwischen dem herzoglichen Gebiet im Bereich des Ostdorfer Halses und dem zur Stadt Schwerin gehörenden Flächen Zippendorfs gekommen. Der Protokollant ließ in diesem Zusammenhang auch das Aussehen der verlegten Grenzsteine nicht unerwähnt. Die Steine hätten demnach auf der einen Seite das „Stadt-Wapen mit einem Rade“ und auf der „Amts-Seite“ die Initiale des Herzogs Christian I. Louis (xxxxx-xxxx) eingeschlagen. Warum als „Raths-Merckmahl“ ein Kreuzrad diente, statt des bekannten Stadtwappens konnte bisher nicht geklärt werden. Vielleicht war die schwere Bearbeitbarkeit des harten Gesteins der Grund für die vereinfachte Darstellungsweise? Traditionsreich war diese Form, wie der Vergleich mit demjenigen Grenzstein zeigt, auf dem statt der Initiale ein Krummstab erkennbar ist. Dieser wohl am Beginn des 15. Jahrhunderts entstandene Stein befand sich ursprünglich am Nordufer des Neumühler Sees zwischen der Feldmark Lankow und Neumühle, also zwischen dem städtischen und bischöflichen Territorium und wurde im Jahr 1934 dem Museum überwiesen.

Neben den beiden in Mueß zu sehenden Steinen, laden sechs weitere Grenzsteine zur Entdeckung im Stadtgebiet ein. Drei Grenzsteine befinden sich auf Gelände des Zoos. Zwei weitere am Rand des Waldweges zwischen Kletterwald und Franzosenweg. Ein weiterer „Bischofsstein“ wurde vor einiger Zeit wieder in der Nähe seines ursprünglichen Aufstellungsortes in Neumühle aufgestellt.

Zeigen das die Geschichte der Landeshauptstadt Schwerin weiterhin noch viele unbekannte Facetten hat

Text: Jakob Schwichtenberg

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Zuarina incognita

Zuarina incognita – weiße Flecken auf dem Stadtgebiet gibt es aus Sicht der Kartographen nicht, aber wenig beachtete oder gar unbekannte Geschichtsorte umso mehr. Tagtäglich gesehene Objekte – teils unscheinbar -  im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Schwerin erzählen aus ungewohnten Blickwinkeln viel über Schwerins Geschichte und Gegenwart.

Haben Sie auch einen Vorschlag oder einen Text für Zuarina incognita. Dann lassen Sie uns gemeinsam auf Spurensuche gehen. Zuschriften, Kommentare und Ideen an:

 

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