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Christina Lüdicke

Christina Lüdicke – ein Leben für und mit der Musik

 © Peter Scherrer

In diesen Tagen begeht die stellvertretende Direktorin des Schweriner Konservatoriums ihr 40-jähriges Dienstjubiläum.

Wie so oft im Leben, fing es mit einem Zufall an. Als Kind von Eltern, deren künstlerische Berufswünsche durch den Zweiten Weltkrieg zunichtegemacht wurden, stand schon früh fest, „unsere Christina soll ein Musikinstrument lernen“. Der vom Vater gewünschte Platz in der Blockflötenklasse wurde aber nicht angeboten, da sollte es dann eben das Cello sein. Damit begann eine bis dato anhaltende große Liebe. Drei Jahre besuchte Christina Lüdicke die „Spezialschule für Musik der Hochschule für Musik Franz Liszt“ in Weimar/Belvedere. 

Für die Familie und gegen die Orchestermusik entschieden

Nach ihrer Ausbildung zur Violoncellistin und dem Abschluss als Diplommusikerin an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar war auch die Liebe der Grund für ihren Umzug nach Schwerin. Ihr damaliger Ehemann bekam ein Engagement bei der Schweriner Philharmonie. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war einer der Gründe, warum Christina Lüdicke sich beruflich für die Musikpädagogik und gegen die Orchestermusik entschied. „Zwei Orchestermusiker als Eltern, das hätte für uns nicht so gut funktioniert“, so die klare Entscheidung der Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. Als im August 1981 frisch eingestellte Cellolehrerin am Konservatorium Schwerin sah ihr wöchentliches Unterrichtspensum 24 Unterrichtsstunden vor. Die wurden verteilt auf zwei Tage in Ludwigslust, ein Tag Wittenberge und zwei Tage Schwerin. 

Mit Anfang 30 Vize-Direktorin

Die Wende führte auch für Christina Lüdicke zu einer bedeutenden Kursänderung ihrer beruflichen Laufbahn. Der damalige Oberbürgermeister Johannes Kwaschik wollte die Arbeit des Konservatoriums modernisieren. Die Leitung der Musikschule wurde auf eine Stelle des Direktors und eine Stellvertretung verkleinert. Nachdem Volker Ahmels die Leitung übernommen hatte, war Christina Lüdicke mit ihrer Bewerbung auf den Stellvertreterposten erfolgreich. Mit Anfang 30 stellte die Übernahme einer so prominenten Führungsposition natürlich eine berufliche, aber insbesondere auch menschliche Herausforderung dar. Sie erinnert sich noch lebhaft an ihre Vorstellung als frisch gebackene Vize. Ein Teil der Belegschaft schaute sie mit „eisernen Mienen“ an, als sie sich das erste Mal als stellvertretende Direktorin vorstellte. „Wie kannst du nur mit diesem Wessi zusammenarbeiten“, schlug ihr das Unverständnis einiger Kollegen entgegen. 

Gemachte Fortschritte ausbauen

Aber Lüdicke wollte sich in einen Prozess einbringen, der die Angebote der Musikschule vielfältiger machen sollte. Dieser Wille war stärker als der mitunter heftige Gegenwind von Teilen der Belegschaft. Kraft für Veränderungen habe ihr auch das große Vertrauen des Direktors Ahmels gegeben. Die bis heute sehr gute Zusammenarbeit des Führungsduos bestand für Christina Lüdicke zu einem großen Teil aus dem „Brückenbau zwischen Ost- und Westdeutschen Arbeitskulturen“, so Lüdicke rückblickend. Die ideale gegenseitige Ergänzung der beiden hat so manche Veränderung der Aktivitäten des Konservatoriums möglich gemacht. Befragt nach möglichen Erschwernissen ihrer Arbeit durch die Tatsache, dass sie als Frau eine leitende Position eingenommen hat, ist ihre Bilanz eher positiv. „Geschlechtergleichberechtigung war in der DDR kein Thema und im Konservatorium stellten Frauen auch die Mehrheit“, so fasst sie kurz zusammen. Lüdicke ist eher besorgt um die Tendenz des Rückfalls in die tradierte Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern in den letzten zehn Jahren. Es gelte die gemachten Fortschritte zu sichern und auszubauen. 

Sichtbarkeit der Musikschule

Für Lüdicke war immer die Sichtbarkeit der Musikschule im städtischen Leben von großer Bedeutung. Der Presse - und Öffentlichkeitsarbeit widmete sie stets deutliche Beachtung. Mit anderen städtischen Einrichtungen und dem Zusammenwirken mit dem Kulturbüro hat sie deutlich zur Wahrnehmung der städtischen Musikförderung beigetragen.

Christina Lüdicke fördert aber auch die Vernetzung von Musikpädagogen. Dazu rief sie einen regelmäßig tagenden „Pädagogischen Stammtisch“ ins Leben. Eine Idee, in die sie besonders viel Energie steckte, war das Streicherprojekt für Jung und Alt. Von 2005 bis 2012 trafen sich für ein Wochenende einmal im Jahr rund 100 Streichmusiker. Vom Kindes- bis Rentenalter wurde reichlich gemeinsam musiziert. Das bunte Orchester gab dann zum Abschluss immer ein großes Konzert. Für zahlreiche junge Musiker war das ein Ereignis, auf das sie sich schon lange freuten und das häufig Motivation für das häusliche Üben war. 

Unterricht ist mehr als Vermittlung von Musikkenntnissen

Auch wenn die Vizedirektorin vielfältige administrative Arbeiten zu bewältigen hat, so unterrichtet sie stets noch etwa zehn Musikschüler. „Die Arbeit mit den Schülern ist mehr als nur die Vermittlung von Musikkenntnissen“, so Lüdicke. Die Verbindung von Musik und körperlicher Bewegung helfe gerade in Zeiten von Corona vielen, nicht nur jungen Menschen, ein zufriedeneres Leben zu führen. 

Digitalisierung eröffnet auch für Musik neue Möglichkeiten

Bei aller klassischen Musik, die ein Konservatorium selbstverständlich lehren muss, hat sie ihre Leidenschaft zur zeitgenössischen Musik immer gepflegt. Das Stück „…verweht“ des Komponisten Harald Weiss liegt ihr ganz besonders am Herzen und gab den Titel für ihr erstes Soloprogramm. Vor der Corona-Pandemie hat sie es mehrfach aufführen können. Und sie freut sich schon jetzt auf neue Gelegenheiten. In verschiedenen Kammermusikensembles spielte sie in Frankreich, Tschechien, Israel und in den USA mit. Christina Lüdicke braucht neue Herausforderungen. Dafür auch die Erweiterung ihres Repertoires durch ein E-Cello. „Die Digitalisierung von Musik insgesamt eröffnet Möglichkeiten, die es zu testen gilt“, so Lüdicke und so führte sie 2019 erstmals den „Tierkreis“ von Karlheinz Stockhausen mit Videoprojektionen von Harald Kruse im Konservatorium auf. Als Jurorin wirkte sie vielfach beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ ebenso wie beim internationalen Wettbewerb „Verfemte Musik“ mit. 

Anstellung junger Musiker

Ihr größter Wunsch, bevor die 61-jährige Musikerin in viereinhalb Jahren das Pensionsalter erreicht, ist die Anstellung junger Musiker am Konservatorium. „Junge Musiker bedeuten immer auch neue Ideen und die Musik braucht stetig frische Inspiration und neue Dynamik“, so Christina Lüdicke. In den kommenden Tagen werden es sich die zahlreichen Gratulanten, darunter auch der Oberbürgermeister Rico Badenschier, nicht nehmen lassen, Christina Lüdicke für ihren Beitrag zum kulturellen Leben Schwerins zu danken.

Text: Peter Scherrer

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