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Überraschung zu Ostern: Giraffennachwuchs im Zoo Schwerin 02.04.2026

Am Abend des 23. März brachte Giraffe „Daisy“ einen gesunden Bullen zur Welt.  © Zoo Schwerin

Der Zoo Schwerin freut sich über die Geburt eines Giraffenkalbs. Am Abend des 23. März brachte Giraffe „Daisy“ einen gesunden Bullen zur Welt. Während die Geburt ohne Komplikationen verlief, zeigen sich bei der Aufzucht Herausforderungen – Mutter Daisy säugt das Kalb nicht. In enger Abstimmung mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) hat der Zoo entschieden, das Kalb mithilfe einer Teilhandaufzucht zu versorgen.

Zoodirektor Dr. Tim Schikora: „Nach der Geburt des Jungtieres waren wir zunächst optimistisch, weil das Kalb sehr agil und mit rund 1,80 m auch recht groß und kräftig wirkte. Da Daisy es aber auch nach fast einem Tag nicht trinken ließ, mussten wir beginnen, zuzufüttern. Dies ist notwendig gewesen, um zu verhindern, dass dem Kalb die Kraft zum eigenständigen Trinken bei der Mutter ausgeht. Das Team hat in möglichst geringem Ausmaß unterstützt, um zu erreichen, dass eine natürliche Milchaufnahme bei der Mutter doch noch gelingt. Diese ist jedoch nicht erfolgt“, erklärt Schikora.

Ammenaufzucht durch Giraffe „Kahlua“

Im nächsten Schritt ließ das Team den kleinen Bullen zu Giraffe Kahlua – seiner Tante – und ihrem rund ein Jahr alten Kalb „Mojo“. Die Hoffnung: Die Kuh, die immer noch Milch gibt, lässt das geschwächte Kalb trinken. Obwohl die Tiere gut miteinander harmonieren, kam der Bulle nicht dazu, die lebenswichtige Milch auf natürlichem Wege aufzunehmen. Sowohl Mutter Daisy als auch Kahlua zeigen dennoch fürsorgliches Verhalten für das Jungtier. Sie putzen es und lassen es geschützt in der Gruppe laufen. Der Vater, Bulle „Madiba“, ist derzeit noch räumlich abgetrennt.

Entscheidungsfindung in Abstimmung mit dem Erhaltungszuchtprogramm

Zur Entscheidungsfindung zum weiteren Vorgehen stand der Zoo in engem Austausch mit dem Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EAZA Ex-situ Programm, kurz EEP) der Nubischen Giraffen, zu denen auch die Giraffen im Schweriner Zoo zählen. Ziel des Programms ist der Aufbau einer gesunden und stabilen Reservepopulation der gefährdeten Art. Das EEP hat ausdrücklich dafür plädiert, das Kalb trotz der Herausforderung bei der Milchaufnahme durch Zufüttern aufzuziehen und eine sogenannte Teilhandaufzucht zu versuchen.

Hintergrund ist, dass es in den vergangenen Jahren nur wenig Nachwuchs innerhalb des Zuchtprogramms gegeben hat und jedes gesunde Jungtier bedeutsam für den Arterhalt ist. Für den Zoo Schwerin ist es die erste Teilhandaufzucht einer Giraffe.

Herausforderungen bei der Handaufzucht

Der Zoo Schwerin verfolgt den Ansatz, dass menschliche Eingriffe bei der Aufzucht von Jungtieren nur im Ausnahmefall erfolgen sollten. „Ein Eingriff durch Menschen ist immer mit dem Risiko von Fehlprägungen verbunden“, so Zoodirektor Dr. Tim Schikora. Im Falle des Giraffennachwuchses gibt es allerdings eine Besonderheit: Das Jungtier kann ganz normal in der Gruppe aufwachsen und das Team muss nur punktuell zur Fütterung unterstützen. Aufgrund dieser Tatsache und der Empfehlung des EEPs hat der Zoo entschieden, die Teilhandaufzucht umzusetzen.

Der kleine Bulle wird dazu nun bis zu sechsmal täglich über eine Flasche gefüttert. „Inzwischen kennt er das Prozedere und kommt oft ohne Aufforderung an das Geländer“, erklärt Schikora.

Das Zufüttern muss über mehrere Monate erfolgen, bis das Kalb zunehmend beginnt, eigenständig feste Nahrung zu sich zu nehmen. Die Unterstützung durch das Zoo-Team kann dann nach ca. einem Jahr allmählich eingestellt werden.

Warum die Mutter das Kalb nicht trinken lässt

Zu den Gründen, warum Daisy das Kalb nicht trinken lässt, können die Biologen nur Vermutungen anstellen. Bekannt ist: Auch in der Natur kann es vorkommen, dass Kühe ihre Jungtiere nicht annehmen. Die Datengrundlage diesbezüglich ist allerdings begrenzt, da die individuelle Überwachung von Wildtieren über mehrere Jahre hinweg sehr aufwendig ist.

Bei Giraffe Daisy gibt es schon Erfahrungen. Bereits 2024 brachte sie ein Kalb in Schwerin zur Welt. Auch damals gab es Schwierigkeiten bei der Aufzucht und Daisy nahm das Kalb, das eine medizinische Problematik im Bewegungsapparat aufwies, nicht an. Der Zoo musste das Jungtier erlösen.

Bei ihrem zweiten Kalb zeigt Daisy ein deutlich verändertes Verhalten: Sie ist weniger abweisend und insgesamt sehr viel entspannter in Anwesenheit ihres Jungtieres, als dies nach der ersten Geburt der Fall war – ein weiterer Grund, der aus Sicht der Fachleute für eine Teilhandaufzucht des Bullen spricht.

Wie es weitergeht

In den nächsten Tagen und Wochen wird sich zeigen, wie gut der kleine Bulle auf die Flaschenfütterung anspricht. Wenn er die Ersatznahrung weiterhin gut annimmt, können schon in den nächsten Tagen und Wochen Ausflüge auf die Außenanlagen erfolgen. Wichtig hierbei ist, dass der Bulle zur Fütterung zurück in die Stallungen kommt. „Das Team wird intensiv daran arbeiten, dass es für das Kalb zur Routine wird und er ansonsten artgemäß im Familienverband aufwachsen kann“, so Schikora.

Damit das Rufen gelingt, hat der Bulle auch schon einen Namen bekommen, auf den er hören soll: „Kato“.

Zoo-Gäste müssen sich indes noch etwas gedulden: Zum genauen Zeitraum, wann der Nachwuchs auch für die Besuchenden zu sehen sein wird, kann der Zoo aufgrund der besonderen Umstände noch keine sichere Aussage treffen.

Population der Nördlichen Giraffen bedroht

Neue genetische Untersuchungen zeigen, dass die bisher als eigenständig betrachtete Rothschildgiraffe keinen Unterschied zur Nubischen Giraffe aufweist und daher taxonomisch mit ihr zusammengelegt wird. Da die Nubische Giraffe früher wissenschaftlich beschrieben wurde, bleibt ihr Name gültig. Die Rothschildgiraffe – der ursprüngliche Name, unter dem die Art im Zoo Schwerin geführt wurde – wird somit offiziell in Nubische Giraffe umbenannt. Sie sind eine von vier Unterarten der Nördlichen Giraffe.

Mit einer Population von noch rund 7000 Exemplaren zählen die Nördlichen Giraffen zu den am stärksten bedrohten Großsäugetieren der Welt. Die Gründe für ihre Gefährdung sind vielfältig. Klimatische Veränderungen, die Ausweitung von Ackerbauflächen zu Lasten des natürlichen Lebensraums sowie gezielte Wilderei setzen der Art seit Jahrzehnten zu. Inzwischen gibt es aber auch positive Trends. Dank intensiver Schutzbemühungen konnte kürzlich ein Anstieg von Tieren festgestellt werden. Die Unsicherheiten bleiben jedoch bestehen.

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