Wie kann Schwerin künftig klimaneutral mit Wärme versorgt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der öffentlichen Ergebnispräsentation der Kommunalen Wärmeplanung, zu der die Landeshauptstadt Schwerin am Dienstag, 7. April 2026, um 18 Uhr in den Wichernsaal die Schwerinerinnen und Schweriner eingeladen hatte.
Die Stadt und die beauftragten Planungsbüros Elbing & Volgmann GmbH und Theta Concepts stellten im Rahmen der Bürgerversammlung das Vorzugsszenario für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045 vor. Dabei wurden insbesondere die Eignungsgebiete für eine zukünftige zentrale oder dezentrale Wärmeversorgung vorgestellt.
Die Fachplaner erläuterten die Vorgehensweise und zeigten, wie sich bestehende und neue Wärmequellen, etwa Biomasse, Tiefengeothermie oder unvermeidbare Abwärme, in das zukünftige Versorgungskonzept integrieren lassen.
Fernwärmeversorgung durch Stadtwerke in großen Teilen Schwerins möglich
Zentrales Ergebnis der Planung ist eine Karte zur Gebietseinteilung im Zieljahr 2045. Sie zeigt, dass große Teile der Landeshauptstadt künftig über Fernwärme versorgt werden sollen. Schon heute sind 63 Prozent aller Schweriner Haushalte mit Fernwärme versorgt; das Ausbauziel liegt bei 80 Prozent. Als kommunales Unternehmen sind dafür die Stadtwerke Schwerin zuständig: sie treiben den Netzausbau und die kohlenstofffreie Erzeugung (Dekarbonisierung) voran. „Der Ausbau unseres Fernwärmenetzes und die Dekarbonisierung der Wärme zählen zu den größten Aufgaben der kommenden Jahre. Dafür bearbeiten wir schon heute deutlich mehr Projekte parallel und passen unsere Unternehmensorganisation an die neuen Herausforderungen an“; erläutert Hanno Nispel, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwerin.
Die geplanten Schritte für den Ausbau der Fernwärme sind auf der Karte in Fünf-Jahres-Schritten dargestellt. Damit erhalten Anwohnerinnen und Anwohner eine Orientierung, ob und wann ihr Objekt künftig an das Fernwärmenetz angeschlossen werden soll.
Für rund 20 Prozent der Schweriner Haushalte wird ein Anschluss an das Fernwärmenetz nicht realisierbar sein. Dort gelten insbesondere Luft- und Erdwärmepumpen als effiziente Lösungen. Je nach Gebäude und örtlichen Rahmenbedingungen können auch Biomasseheizungen (z.B. Pellets oder Holzhackschnitzel), Hybridlösungen mit Solarthermie sowie in einzelnen Fällen Stromdirektheizungen in Betracht kommen. Auch kleinere, lokale Wärmenetze auf Quartiersebene können eine wirtschaftliche Option sein.
Welche Technologie im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt unter anderem vom energetischen Zustand des Gebäudes, den Platzverhältnissen und der Bebauungsstruktur ab. Die Entscheidung über die konkrete Heizungstechnologie treffen die Gebäudeeigentümer im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben, zurzeit gemäß Gebäudeenergiegesetz (GEG) und zukünftig gem. Anforderungen des in Vorbereitung befindlichen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG).
„Die frühzeitige Information der Bürgerinnen und Bürger ist ein zentraler Bestandteil der kommunalen Wärmeplanung“, betont Marcus Schreier, Fachgruppenleiter Klimamanagement & Immissionsschutz. Der fertige Wärmeplan wird nun in den zuständigen Fachausschüssen beraten und voraussichtlich im Juni 2026 der Stadtvertretung zur Beschlussfassung vorgelegt. Nach dem politischen Beschluss wird der kommunale Wärmeplan einschließlich aller Karten auf der Internetseite www.schwerin.de veröffentlicht.
