Der Zoo Schwerin freut sich über Nachwuchs bei den gefährdeten Flachlandtapiren. In der Nacht zum Ostermontag hat Flachlandtapir-Dame „Chimera“ ein gesundes Jungtier zur Welt gebracht. Das letzte Mal Nachwuchs bei den Flachlandtapiren in Schwerin gab es vor elf Jahren im Jahr 2015.
In Europa gilt die Geburt des kleinen Tapirs somit durchaus als etwas Besonderes, da es in den vergangenen Jahren nur noch wenige Nachzuchten gegeben hat. Grund hierfür sind in erster Linie Einschränkungen im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EAZA Ex-Situ-Programm, kurz EEP) zur Sicherung der genetischen Vielfalt, das nur für ausgewählte Paare Nachzuchten genehmigt.
Die beiden Tapire im Schweriner Zoo sind vor zwei Jahren in der Hoffnung auf Nachwuchs im Zoo zusammengeführt worden.
Schweriner Flachlandtapire stammen aus unterschiedlichen Regionen der Welt
Der männliche Tapir „Rio“ ist aus einem südamerikanischen Zoo in Französisch-Guayana im November 2023 nach Schwerin gekommen. Ziel seines Einzugs: Mit einer Nachzucht soll die genetische Vielfalt gestärkt werden. Zuvor wurde hauptsächlich mit Tieren gezüchtet, die in Europa geboren wurden.
Mit seinen rund vier Jahren ist Vater „Rio“ erst seit einem Jahr geschlechtsreif. Es ist demnach auch das erste Jungtier, das er gezeugt hat. Mutter „Chimera“ kam ebenfalls im Jahr 2023 aus einem französischen Zoo nach Schwerin. Mit ihren 14 Jahren ist sie zwar deutlich älter als das Männchen, aber in einem geeigneten gebärfähigen Alter. Es ist bereits ihr zweites Jungtier, allerdings das erste im Schweriner Zoo.
Dr. Tim Schikora, Zoodirektor: „Wir sind sehr froh darüber, dass die ‚Chemie‘ zwischen Rio und Chimera passt und nun sogar ein Jungtier geboren wurde. Die Mutter kümmert sich zudem sehr gut um das Jungtier. Für uns als Zoo und das gesamte Zuchtprogramm ist die Geburt ein Erfolg.“
Flachlandtapire in der Natur unter anderem durch „Roadkills“ bedroht
Flachlandtapire gelten laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN als gefährdet. Die Zahl der Tiere in ihrem ursprünglichen Herkunftsgebieten in mehreren südamerikanischen Ländern nimmt seit Jahren ab. Gründe hierfür sind unter anderem der Verlust des Lebensraums und auch sogenannte „Roadkills“, also Tiere die durch Verkehrsunfälle verunglücken.
Eine gesunde Reservepopulation in zoologischen Einrichtungen, die eine möglichst große genetische Vielfalt aufweist, ist daher von großer Bedeutung, um den Erhalt der Art langfristig zu sichern. Der Zoo Schwerin beteiligt sich hierfür mit der Haltung und Zucht als einer von rund 100 Zoos am EEP. In den vergangenen zwölf Monaten wurden nur in zwei anderen europäischen Zoos Jungtiere geboren.
Besonderes Aussehen der Jungtiere
Der Schweriner Tapir-Nachwuchs wiegt schätzungsweise sieben Kilo. Das Fell der Flachlandtapir-Jungtiere weist eine ganz besondere Zeichnung auf: Es hat noch Streifen und Punkte. Im Laufe des ersten Lebensjahrs verblassen diese zunehmend und die Fellfarbe wird grau bis braun.
Seit heute steht auch fest, dass es sich um ein Weibchen handelt. Auch ein Name wurde schnell gefunden: Das Jungtier heißt Maja.
Damit der kleine Tapir für längere Zeit auf der Außenanlage und somit für die Besuchenden zu sehen sein wird, braucht es etwas wärmere Temperaturen und möglichst etwas Sonnenschein. Junge Tapire sind noch sehr temperaturempfindlich. Mit etwas Glück ist die kleine Maja zeitweise aber bereits zu beobachten.
