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Sonderausstellung im Kulturforum stellt Hoflieferanten des Welterbes vor: Hoftitel und Wappen standen für höchste Qualität und Güte 25.02.2026

Großherzoglicher Hoflieferant Göbel in Berlin © Privatsammlung Schwerin

Am 25. Februar 2026 eröffnet im Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus die Sonderausstellung „Bekrönte Händler. Großherzoglich Mecklenburgische Hoflieferanten und Hofhandwerker im 19. und 20. Jahrhundert“. Als Haupt- und Residenzstadt bildete Schwerin das politische und gesellschaftliche Zentrum des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin – und zugleich den Mittelpunkt jener Unternehmen, die mit einem Hofpatent ausgezeichnet waren.

Der Hoftitel und das großherzogliche Wappen standen für höchste Qualität und Güte: Schließlich zählte auch der Großherzog selbst zur Kundschaft. Entsprechend begehrt war diese Auszeichnung. Doch das Netz der „bekrönten Händler“ reichte weit über Schwerin und Mecklenburg hinaus und spannte sich über große Teile Europas.

Mit der Aufnahme des Schweriner Residenzensembles in die UNESCO-Welterbeliste vor knapp zwei Jahren rückten auch die Geschäftshäuser dreier ehemaliger Hoflieferanten in den Rang von Welterbestätten auf: Die Vergabe des „Frey-Wein-Schenker“-Privilegs an Johann Georg Uhl, Gründer der bekannten Weinhandlung Uhle, im Jahr 1751 stellt den Anfang der unabhängig vom Fürstenhof agierenden Hoflieferanten dar.

Die Weinhandlung Uhle entwickelte sich schließlich zu einer weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinausreichenden Unternehmung. Sichtbar ist dieser geschäftliche Erfolg bis heute in den repräsentativen Räumlichkeiten in der Schusterstraße die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihr bis heute erhaltenes Ansehen erhielten.

Ebenfalls mit der Entwicklung des Weinhandels verbunden ist die Familie Wöhler. Ab 1819 führte Friedrich Albrecht Wöhler den Titel des Hofkellermeisters. Über vier Generationen betrieben die Wöhlers einen eigenen Weinkeller und -handel und erhielten wiederholt den Hoftitel. Die Ausstattung der hervorragend erhaltenen und restaurierten Weinstuben entstand Ende des 19. Jahrhunderts.

Auch die Familie Krefft garantierte Genussreichtum auf der großherzoglichen Tafel. Carl Krefft übernahm 1771 das Geschäft des bereits etablierten Hofkonditors Hehring. Dreißig Jahre sollten jedoch vergehen, bis er 1801 zum Hofkonditor ernannt wurde. Über vier Generationen blieb der Familie Krefft nicht nur der Hoftitel, sondern auch die Belieferung der Hofftafel erhalten. Neben Baumkuchen zählten vor allem die Marzipantorten zur Spezialität des Hauses. Das 1908 vollendete, repräsentative Geschäfts- und Kaffeehaus repräsentiert nicht nur den unternehmerischen Erfolg der Hofkonditoren, sondern führt, wie auch Uhle und Wöhler, die gastronomische Tradition der Vergangenheit in unserer Gegenwart weiter.

Darüber hinaus gab und gibt es zahlreiche weitere „bekrönte Händler“ in Schwerin und Mecklenburg, die diese besondere Würdigung trugen. Diesem facettenreichen Kapitel der Stadtgeschichte – das Wirtschafts-, Kultur-, Gesellschafts-, Lokal- und Globalgeschichte miteinander verbindet und bis in die Gegenwart nachwirkt – widmet sich die Ausstellung.

Besonders anschaulich wird die einstige Vielfalt der Hoflieferanten bei einem Rundgang über den Alten Friedhof. Dort haben sich zahlreiche Grabstätten ehemaliger Hoftitelträger erhalten. Vor diesem Hintergrund lag eine Kooperation zwischen dem Förderverein Alter Friedhof Schwerin e. V. und der Landeshauptstadt Schwerin nahe. Neben jenen Hoflieferanten, deren Häuser heute Teil des Welterbes sind, ruhen hier viele weitere, heute teils vergessene Unternehmerpersönlichkeiten, die das kulturelle und wirtschaftliche Leben Schwerins maßgeblich prägten.

Schwerins kommissarischer Oberbürgermeister Bernd Nottebaum betont: „Gern haben wir die Initiative des Fördervereins Alter Friedhof Schwerin e. V. aufgegriffen und gemeinsam mit den Museen der Landeshauptstadt Schwerin im Schleswig-Holstein-Haus umgesetzt. So rücken wir ein bislang wenig beleuchtetes Kapitel der Schweriner Stadtgeschichte in den Fokus.“

Auch der Vereinsvorsitzende Uwe Lange sieht in der Ausstellung einen Mehrwert über die historische Wissensvermittlung hinaus: „Wir hoffen, dass der Alte Friedhof mit seinen bedeutenden Grabanlagen dauerhaft stärker in Beziehung zum Welterbe gesetzt wird. Ohne die Menschen, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, wären die Bauwerke des Residenzensembles weder entstanden noch mit Leben erfüllt worden.“ Zugleich eröffne die Ausstellung neue Impulse für erweiterte touristische Wegebeziehungen in der Landeshauptstadt.

In drei Ausstellungsräumen sind unter anderem Silberobjekte von Hofjuwelieren, Produkte und Portraits der mehrfach mit dem Hofoptikertitel ausgezeichneten Familie Krille, Ausstattungsstücke von Hofkellermeister Wöhler, das vermutlich einzig erhaltene Hoflieferanten-Wappen zur Außenwerbung sowie Teile des im Müritzeum in Waren verwahrten Nachlasses des Hofkonservators Carl Knuth zu sehen.

Der Kurator der Ausstellung, Dr. Jakob Schwichtenberg von den Museen der Landeshauptstadt Schwerin, erläutert: „Die vorgestellten Unternehmen zeigen nur einen kleinen Ausschnitt der einst großen Zahl ausgezeichneter Betriebe. Unsere Auswahl orientiert sich an den überlieferten Objekten in eigenen und anderen Sammlungen. Wir würden uns freuen, wenn Besucherinnen und Besucher mit ihrem Wissen dazu beitragen, bestehende Lücken in den Firmengeschichten zu schließen – zumal das Thema Hoflieferanten künftig auch im Stadtgeschichtsmuseum einen prominenten Platz einnehmen wird.“

Die Ausstellung ist vom 25. Februar bis 12. April 2026 in der Kleinen Galerie des Kulturforums im Schleswig-Holstein-Haus zu sehen, jeweils Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 3 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Besuch kostenfrei.

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