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Wiedereinweihung der Kriegsgräberstätte auf dem katholischen Friedhof: Gedenktafel erinnert an 50 hier verstorbene französische Kriegsgefangene 20.05.2026

 © Landeshauptstadt Schwerin/Jakob Schwichtenberg

Zwischen September 1870 und März 1871 waren mehr als 1.400 französische Kriegsgefangene in Schwerin interniert. Der „Franzosenweg“ am Schweriner Innensee ist eine Spur dieser Zeit. Der kurz zuvor vom Großherzog beauftragte Promenadenweg nach Zippendorf wurde von zum Teil von französischen Kriegsgefangenen errichtet.


Anders als in anderen Gefangenendepots kam es in Schwerin zu keinem Ausbruch epidemischer Krankheiten. Dennoch verstarben 50 Kriegsgefangene, größtenteils an Typhus. Sie wurden auf dem katholischen Friedhof bestattet. Bereits ein Jahr nach Kriegsende wurde dort ein Obelisk zur Erinnerung an alle in Schwerin verstorbenen französischen Kriegsgefangenen der Jahre 1870/71 errichtet. Das Denkmal wurde durch Spenden engagierter Schweriner Bürger aus der katholischen Kirchgemeinde ermöglicht.


Der Obelisk aus Sandstein steht auf einem Sockel und trägt die Inschrift „á la mémoire des 50 prisonniers de guerre Francaise décèdés a Schwerin en hiver 1870/71“ (Zum Gedenken an die 50 französischen Kriegsgefangenen, die im Winter 1870/71 in Schwerin gestorben sind). Lange Jahre war das Denkmal weitgehend in Vergessenheit geraten. Dem Engagement des Schweriner Ehepaar Fritz und Monika Loest ist es zu verdanken, dass der Obelisk bereits im Jahr 1996 aufwendig restauriert wurde und auch bis heute zu den entsprechenden Gedenktagen mit Blumenschmuck versehen wird.


Länderübergreifende Forschung im Projekt „Die Vergessenen“
Der Verein Le Souvenir Français hat das Kriegerdenkmal im Jahr 2025 reinigen lassen. Am Pfingst-Samstag, dem 23. Mai 2026 wird nun zusätzlich zum historischen Denkmal eine Gedenktafel mit den Namen aller 50 hier verstorbenen französischen Kriegsgefangenen in Anwesenheit von Serge Barcellini, dem Präsidenten des Vereins Le Souvenir Français, Vertretern der französischen und deutschen Kriegsgräberfürsorge sowie der französischen Streitkräfte eingeweiht.

Grundlage hierfür war das gemeinsame Forschungsprojekt „Die Vergessenen“ der Stiftung Mecklenburg und der Landeshauptstadt Schwerin sowie das Engagement von „Le Souvenir français“. Möglich wurden diese länderübergreifenden Recherchen durch die mehrfache finanzielle Förderung des Deutsch-Französischen Bürgerfonds.

„Dass wir heute die Namen der Toten kennen, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist das Ergebnis einer bewussten Entscheidung - Erinnerung nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie aktiv zu gestalten“, sagt Schwerins stellvertretender Oberbürgermeister Bernd Nottebaum. Er leitet aus der Erinnerung auch einen Auftrag für die Gegenwart an: „Gerade in einer Zeit, in der europäische Zusammenarbeit wieder infrage gestellt wird, in der nationale Abgrenzung und historische Verkürzung lauter werden, muss die deutsch-französische Verständigung gepflegt und verteidigt werden“, so Nottebaum.

Hintergrund: Deutsch-französischer Krieg von 1870/71
155 Jahre nach seinem Ende ist der deutsch-französische Krieg von 1870/71 in Deutschland nahezu vergessen, obwohl die deutsche Reichsgründung am 18.Januar 1871 im Spiegelsaal von Schloss Versailles zu seinen wichtigsten Ergebnissen zählte. In dem Krieg kamen fast 190.000 Soldaten ums Leben, mehr als 230.000 wurden verwundet. Dem besiegten Frankreich wurden unter anderem Reparationen von fünf Milliarden Francs auferlegt. Frankreich musste außerdem die Gebiete von Elsaß-Lothringen an das Deutsche Reich abtreten, was den verhängnisvollen Irrglauben an eine deutsch-französische „Erbfeindschaft“ weiter befeuerte. Erst die totale Zerstörung Europas im Zweiten Weltkrieg bereitete, verbunden mit der Niederlage Nazi-Deutschlands, den Weg in eine europäische Friedensordnung und die Europäische Gemeinschaft demokratischer Staaten, in der Deutschland und Frankreich angesichts ihrer Größe und Wirtschaftskraft eine tragende Rolle zukommt.

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