Die Siegerin des Realisierungswettbewerbs für ein Kunstwerk in Erinnerung an den ehemaligen Ehrenbürger und Landesrabbiner William Wolff steht fest: Zum Abschluss eines mehrstufigen Auswahlverfahrens hat eine zwölfköpfige Jury am 16. März 2026 aus zehn eingereichten Beiträgen den Entwurf der Bildhauerin Anna Martha Napp aus Lübow mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Das Erinnerungswerk soll anlässlich des 100. Geburtstages des früheren Landesrabbiners William Wolff (1927-2020) als sichtbares Zeichen für ein friedliches Miteinander und ein weltoffenes Schwerin auf dem Schweriner Schlachtermarkt aufgestellt werden.
Schwerins Kulturdezernent Silvio Horn, der auch Mitglied der Jury war, erklärte zur Juryentscheidung: „Die Wettbewerbsaufgabe sah ein dauerhaft präsentes, dreidimensionales, kreatives und modernes Bildhauerwerk vor, das den Landesrabbiner lebensgroß, authentisch und in seiner unverwechselbaren Erscheinung und Originalität zeigen soll. Diese Aufgabe hat Anna Martha Napp nach Auffassung der Jury am besten umgesetzt. Die ca. 1,60 Meter große Skulptur zeigt William Wolff in seiner typischen Körperhaltung. Ich bin mir sicher - viele Schweriner werden ihn wiedererkennen.“
Das Projekt soll im ersten Quartal 2027 umgesetzt werden. Es wird möglich durch zahlreiche Spenden aus der Stadtgesellschaft. „Mein besonderer Dank gilt der Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, die einen erheblichen Anteil des Spendenaufkommens geleistet hat“, so Horn.
Über den Entwurf von Anna Martha Napp:
Die Plastik aus Bronze wird sichtbar, wenn man aus dem Torbogen des Rathauses den Platz betritt. Durch ihre Bewegungs- und Blickrichtung macht sie auch auf die Landesrabbiner-Holdheim-Straße und die Synagoge in unmittelbarer Nähe aufmerksam und wird so zum Wegweiser und verbindenden Element zwischen Marktplatz, Schlachtermarkt und Synagoge.
Verschmitzt, voll Lebensweisheit und Güte begegnet das Kunstwerk den Passanten des Schlachtermarktes auf Augenhöhe. Die außergewöhnliche Kleidung weist William Wolff dabei als Rabbiner bei der Predigt an hohen Festtagen aus - und damit als Repräsentanten der jüdischen Kultur.
Seine linke Hand mit dem vorgestreckten Finger ist angehalten in einer Geste des Zeigens. Die Geste möchte einem das Staunen über die Welt vermitteln, indem sie auf eine Kleinigkeit oder eine Besonderheit aufmerksam macht - und uns damit für die tiefere Bedeutung hinter den Dingen sensibilisiert.
Durch Details und Inschriften auf der Plinthe und einem Buch in der Jackentasche des Rabbiners erfährt man mehr: Sein Amt/Beruf und Name in lateinischen und hebräischen Buchstaben, seine Lebensdaten in arabischen Zahlen und das Zitat: „Wir brauchen unsere Mitmenschen wie das Brot auf den Tisch.“ In seiner Jackentasche trägt William Wolff als Referenz auf einen früheren Landesrabbiner, ein Buch von Samuel Holdheim.