DE
Am Samstag, den 20. Juni 2026, präsentiert der Kunstverein für Mecklenburg und Vorpommern in Schwerin im historischen Perzina-Saal die von der Künstlerin Luzie Meyer entwickelte Performance Trauerspiel. Performt wird das Stück von der Schauspielerin Leila Gray. Der Perzina-Saal wurde im 20. Jahrhundert mehrfach funktional und ideologisch umgewidmet – vom Konzert- und Vorführungssaal einer Klavierfabrik über den Druckort nationalsozialistischer und später SED-Presse bis hin zu kulturellen und bildungsbezogenen Nutzungen in der Gegenwart. In Trauerspiel umkreist Meyer Fragen deutscher Identität und verdrängter Trauer, indem sie barocke Darstellungsformen untersucht und auf ihre aktuelle Relevanz hin befragt. Das Theater – insbesondere das Trauerspiel im Sinne Walter Benjamins – wird dabei nicht zur Erzählung individueller Schicksale wie in der antiken Tragödie, sondern zur Allegorie gesellschaftspolitischer Entwicklungen. Wie der von Benjamin beschriebene Engel der Geschichte, der rückwärtsgewandt in die Zukunft getrieben wird, richtet Meyer ihren Blick auf das Spannungsverhältnis von Kontinuität und Verfall, das in die historische Form des Trauerspiels eingeschrieben ist. Dabei nimmt Meyer ein Verständnis von Geschichte als von Brüchen, Machtverschiebungen und politischen Krisen geprägter Prozess zum Ausgangspunkt, um historische wie gegenwärtige Gesellschafts- und Bedeutungsordnungen in Frage zu stellen. Das Stück verschränkt fiktionale Elemente mit Bezügen zu barocken Dramentexten von Daniel Casper von Lohenstein und Andreas Gryphius sowie zu Margarete Mitscherlichs Die Unfähigkeit zu trauern – einer psychoanalytischen Sozialkritik, die sich mit der Verdrängung von Schuld- und Verlusterfahrungen sowie deren Nachwirkungen im gesellschaftlichen Bewusstsein der deutschen Nachkriegszeit beschäftigt. Die Stimme wird dabei zum Träger einer affektiven Sprache, die eine Brüchigkeit im Jetzt verhandelt. Der Eintritt ist frei.
EN
On Saturday, June 20, 2026, the Kunstverein für Mecklenburg and Vorpommern in Schwerin will present the performance Trauerspiel by artist Luzie Meyer in the historic Perzina-Saal. The play will be performed by actress Leila Gray. The Perzina-Saal underwent multiple functional and ideological transformations in the 20th century—from a concert and performance hall for a piano factory to a printing site for Nazi and later SED publications, and on to cultural and educational uses in the present day. In Trauerspiel, Meyer explores questions of German identity and repressed grief by examining Baroque forms of representation and questioning their contemporary relevance. Theatre—particularly the German tragic drama in Walter Benjamin’s sense—thus becomes an allegory of sociopolitical developments, rather than a narrative of individual fates as in ancient tragedy. Like the angel of history described by Benjamin, which is driven backward into the future, Meyer turns her gaze to the tension between continuity and decay inscribed in the historical form of the tragedy. In doing so, Meyer takes as her starting point an understanding of history as a process shaped by ruptures, shifts in power, and political crises, in order to question both historical and contemporary systems of meaning. The play interweaves fictional elements with references to Baroque dramatic texts by Daniel Casper von Lohenstein and Andreas Gryphius, as well as to Margarete Mitscherlich’s Die Unfähigkeit zu trauern—a psychoanalytic critique that examines the repression of experiences of guilt and loss, as well as their lingering effects on the social consciousness of postwar Germany. The voice becomes a carrier for an affective language that negotiates the fragility of the present. Admission is free.
| Wann findet die Veranstaltung statt? | ||
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| am 20.06.2026 | um 18:00 Uhr | In Kalender eintragen |
