Hausnummern

Funkelnde Erinnerungen

Wenn die Sonne über dem Schweriner See aufgeht glänzen und funkeln die Umfassungsmauern des ehemaligen Haus „Seeblick“ in der Werdervorstadt im Morgenlicht. Die Ursache für dieses Lichtspiel sind die vor langer Zeit als Einbrecherabwehr in die Betonformsteine eingelassenen grünen und braunen Glasscherben. Viele der ursprünglichen Mauerkronen sind bereits durch neue, nunmehr ohne Scherben versehene Steine ersetzt worden. Erhalten geblieben sind aber dennoch einige der ursprünglich verbauten Steine. Deren abwehrender „Schmuck“ die monarchischen Bauelemente zu einem Zeugnis vergangener Schweriner Kulturgeschichte werden ließ.

Genau besehen handelt es sich bei den Glasscherben zumeist um die zertrümmerten Reste ehemaliger, dickwandiger Bierflaschen – wie sie um die Jahrhundertwende üblich waren. Noch immer lassen sich Hälse und Böden der einstigen „Bierbuddeln“ ausmachen und selbst die zeitgenössische Firmenwerbung ist hier und da noch zu erkennen. „Sch“ und „encke“ lassen keinen Zweifel an der Bestimmung: „Schall und Schencke“. Älteren Schwerinern ist der Geschmack des Gerstensaftes vielleicht noch erinnerlich, jüngere Bewohner der Landeshauptstadt verbinden mit diesem Namen die schönen Backsteingebäude auf dem Firmengelände am Ufer des Ziegelinnensees, die nunmehr zu Wohnungen umgestaltet wurden.

Gegründet wurde das ehemalige Handelsunternehmen für Gewürze, Holz und Getreide bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, allerdings erst im Jahr 1867 begann die Brauereigeschichte der Firma. Die Konkurrenz war groß. Bereits vor der Inbetriebnahme lassen sich sieben Unternehmen der gleichen Branche feststellen. Wenn auch die Residenzstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin während dieser Zeit über keine nennenswerte Industrie verfügte, so ist wenigstens in diesem Bereich eine Ausnahme zu machen. Gewiss hat der Durst der zahlreichen hier stationierten Soldaten zur wirtschaftlichen Prosperität der Brauereien beigetragen.

Vielfach stellten gerade diese Unternehmen sich als Träger von Innovationen heraus. So warb die im Jahr 1846 gegründete „Strauß’sche Brauerei“ (heute Kulturzentrum „Speicher“) im Juni 1884 damit, dass die betriebene Bierhalle mit elektrischem Licht beleuchtet wurde. Für Privatpersonen oder Unternehmen wurde erst zwanzig Jahre später durch den Bau des E-Werkes am Pfaffenteich diese Energienutzung möglich. Kälte

Lange schien es, dass „Schall und Schencke“ die einzige Brauerei sein sollte, die den Zeitenläufen trotzen würde. Doch im Jahr 2011 endete vorerst die lange und facettenreiche Geschichte der Schweriner Brauerei. Alte Flaschen, Werbeschilder und Bieruntersetzter sind seither beliebte und gefragte Sammlerobjekte und erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Stadtgeschichtliche Sammlung verdankt dem Sohn des letzten Eigentümers, Bernd Neubeck, eine vielschichtige Sammlung von Dokumenten, Objekten und Photographien zur Familien und Firmengeschichte.

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Zuarina incognita

Zuarina incognita – weiße Flecken auf dem Stadtgebiet gibt es aus Sicht der Kartographen nicht, aber wenig beachtete oder gar unbekannte Geschichtsorte umso mehr. Tagtäglich gesehene Objekte – teils unscheinbar -  im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Schwerin erzählen aus ungewohnten Blickwinkeln viel über Schwerins Geschichte und Gegenwart.

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